LONDON (IT BOLTWISE) – Nach einer Woche Seitwärtsbewegung um 1,50 US-Dollar sieht der Veteran-Trader Peter Brandt für XRP einen möglichen technischen Drehpunkt. Er verweist auf eine Cup-and-Handle-Struktur, die auch als rechtes Schulterbild eines größeren inversen Head-and-Shoulders-Musters gelesen werden kann. Als rechnerisches Ziel nennt Brandt 2,16 US-Dollar, warnt aber zugleich vor einer breiten Angebotsbarriere oberhalb des aktuellen Kursniveaus. Zusätzlich könnte eine neue Nachfrage durch eine von Ripple unterstützte Plattform entstehen, die Anfang Oktober an der Nasdaq startet.

Im Kryptowährungsmarkt verdichten sich derzeit wieder die Signale für eine mögliche Trendwende bei XRP, weil sich die Kursentwicklung ausgerechnet dort sammelt, wo viele Trader auf technische Formationen warten: nach einer Konsolidierung um rund 1,50 US-Dollar. Peter Brandt, ein seit Jahren bekannter Marktbeobachter im Trading-Umfeld, ordnet die jüngsten Kerzenbilder nicht nur als Bewegung “zwischen den Niveaus”, sondern konkret als Möglichkeit für eine Cup-and-Handle-Struktur. Diese Muster sind in der Praxis vor allem dann interessant, wenn sich nach einer Tasse ein enger, kurzer Rücksetzer bildet, bevor der Kurs typischerweise über das frühere Widerstandsband ausbricht.
Brandt ergänzt aber eine zweite Lesart, die den Blick auf die Zeitachse erweitert: Dieselbe Zone könnte auch das rechte Schulterelement eines größeren inversen Head-and-Shoulders-Musters darstellen. Solche höheren Formationsgrade werden von technisch orientierten Marktteilnehmern häufig als “konservativere” Projektion behandelt, weil sie aus mehreren Schwungphasen bestehen und das Ziel häufig über die rechnerische Höhe der Formation abgeleitet wird. In diesem Fall nennt Brandt als gemessenen Move ein Kursziel um 2,16 US-Dollar. Wichtig ist dabei sein Zusatz, dass Ziele aus Chartmustern keine Garantie sind: Formationen können sich im Verlauf auch anders entwickeln, etwa durch zusätzliche Seitwärtsphasen oder ein Umformen der Umrisslinien.
Besonders aufhorchen lässt jedoch nicht nur die bullische Zielmarke, sondern die klare technische Bremse, die Brandt benennt: Er hält die rechte Schulter aktuell für “poorly formed and abbreviated”, also schlecht ausgeprägt und zu kurz. Übersetzt in die Marktdynamik bedeutet das meist, dass der Markt den Konsolidierungsprozess verlängern könnte, statt sofort nach oben “durchzuschießen”. Gleichzeitig ist die zweite Komponente seiner Einschätzung stärker fundamental ausgerichtet als reines Chartlesen: Brandt betont eine “negative” Seite durch das Angebot oberhalb des aktuellen Niveaus. Damit ist in der Logik solcher Analysen typischerweise gemeint, dass sich bereits viel Liquidität oder Bestand in Preiszonen befindet, die bei steigenden Kursen als Verkaufsdruck wirken können, etwa weil frühere Käufer dort wieder einsteigen oder Gewinne realisieren.
Um diese Hürde greifbarer zu machen, stellt Brandt XRP in den Kontext anderer großer Coins. Er argumentiert, dass Monero einen Großteil seiner “overhead supply” bereits absorbiert habe, während Solana eine “cleaner” strukturierte Cup-and-Handle-Formation zeige. Ethereum ordnet er ebenfalls indirekt ein, bleibt aber in seiner Darstellung stärker bei der Kontrastidee: Nicht jede Übereinstimmung in der Chartform führt automatisch zu ähnlichen Ergebnissen, wenn die Angebotsseite ungleich verteilt ist. Für Anleger und insbesondere für Treasury-Verantwortliche ist diese Differenz nicht akademisch: Ein Markt kann rechnerische Aufwärtsbewegungen “erzeugen”, aber ohne ausreichend Kaufkraft auf den entscheidenden Preisstufen kippt das Aufwärtsmomentum schnell in erneute Konsolidierung oder Rückläufe.
Auf der Nachfrageseite kommt laut dem Bericht ein potenzieller Katalysator hinzu, der zeitlich mit dem Marktkalender zusammenfällt: Evernorth, eine von Ripple unterstützte Plattform, soll am 8. Oktober mit dem Handel an der Nasdaq beginnen. Das Unternehmen plane, einen Großteil der Nettoerlöse in Open-Market-Käufe von XRP zu stecken und dabei ein institutionelles XRP-Treasury aufzubauen. Genau solche Mechaniken passen in die These eines “Supply-Shocks”: Wenn Treasury-Darlehensstellen, ETFs und ähnliche Vehikel XRP aus dem frei liquidesten Marktsegment herausnehmen, kann das die Angebotsverfügbarkeit auf den Spot-Handelsplätzen spürbar verringern.
Allerdings macht der Marktkenner die zweite, oft übersehene Wendung der Story deutlich. Selbst wenn Institutionen XRP zunächst halten und damit kurzfristig Liquidität “binden”, kann eine spätere Nutzung im Lending-Kontext dazu führen, dass ausgeliehene Tokens wieder in den Handel zurückfließen. Das würde die erhoffte Verknappung teilweise neutralisieren, allerdings nicht zwingend vollständig, weil das Tempo und die Rückflusseffekte stark vom jeweiligen Lending-Setup abhängen. Für die Bewertung der kommenden Wochen heißt das: Wer Brandts Sicht folgt, sollte nicht nur auf die Kursreaktion um mögliche Chart-Trigger achten, sondern parallel beobachten, ob neue Käuferströme tatsächlich auf den offenen Märkten ankommen oder ob sich die Nachfrage eher in einem Wechselspiel aus Halten und Ausleihen ausdrückt.
Unterm Strich liefert Brandts Beitrag zwei Perspektiven, die sich im professionellen Trading- und Asset-Management-Alltag selten trennen: technische Zielzonen und eine realistische Einschätzung der Angebotsstruktur. Das Kursziel um 2,16 US-Dollar bleibt dabei eine konkrete Referenz für den Upside-Case, zugleich wird die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Ausbruchs durch die von ihm beschriebene overhead supply-Bremse relativiert. Gerade weil Evernorths Nasdaq-Start in wenigen Wochen datiert ist, könnte sich die Debatte über XRP kurzfristig weiter zuspitzen: im technischen Bereich über die Frage, ob die “rechte Schulter” wirklich lang genug wird, und im Marktbereich über die Frage, ob zusätzliche institutionelle Nachfrage dauerhaft genug ist, um Verkaufsdruck in Widerstandszonen zu überfahren.
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