LONDON (IT BOLTWISE) – Arista Networks bringt eine offene Ethernet-Architektur für Rack-Scale-Systeme in die KI-Rechenzentren. Etherlink SU-144 verbindet bis zu 144 Beschleuniger in einem einzigen Netzwerk-Hop und skaliert über mehrere Racks auf 1.024. Das Unternehmen positioniert die Lösung als Alternative zu proprietären Verbindungen und will dabei unterschiedliche Scale-up- sowie Scale-out-Protokolle unterstützen. Sichtbar wird das Portfolio ab dem 12. Oktober auf dem OCP Global Summit.

Arista Networks versucht mit einer neuen Ethernet-Architektur, den Netzwerkpfad in KI-Rechenzentren aus dem Status „Sonderlösung für einzelne Plattformen“ herauszuholen. Der Netzwerkausrüster spricht nicht nur über klassische Server-zu-Switch-Verbindungen, sondern über eine Rack-Scale-Infrastruktur, die Beschleuniger im selben Rack (Scale-up) und mehrere Racks übergreifend (Scale-out) adressiert. Im Zentrum der Ankündigung steht Etherlink SU-144, das auf eine konkrete Größenordnung setzt: Bis zu 144 Beschleuniger sollen über einen Netzwerk-Hop angebunden werden, während sich die Architektur über mehrere Racks hinweg auf 1.024 Einheiten erweitern lässt.
Technisch ist das deshalb relevant, weil KI-Workloads in vielen Setups weniger über einzelne „schnelle“ Verbindungen scheitern, sondern an der Summe aus Hop-Anzahl, Latenz und der Art, wie innerhalb eines Racks sowie zwischen Racks skaliert wird. Arista ordnet Etherlink SU-144 zudem in eine Initiative ein, die unter dem Namen Ethernet for Scale-up Networks (ESUN) bereits vorgelegt wurde. Die Idee dahinter: Nicht jede Recheninsel soll wieder eine eigene Kommunikationslogik aus proprietären Bausteinen mitbringen, sondern eine gemeinsame Ethernet-Basis nutzen. Das Unternehmen begründet den Schritt auch mit dem Tempo neuer KI-Modelle: Wenn die Model- und Trainingszyklen schneller werden, geraten feste, herstellerspezifische Integrationen leichter ins Hintertreffen.
Arista liefert die Architektur als offene Alternative zu etablierten proprietären „Inseln“ aus, bei denen in der Praxis häufig hauseigene Verbindungen sowie PCIe dominieren. Für den Scale-out nennt Arista zudem explizit Kompatibilität zu mehreren Scale-up-Protokollen, darunter ESUN und PCIe – und auch NVIDIAs NVLink inklusive NVLink Fusion. Auffällig ist dabei weniger die reine Aufzählung als die Positionierung: Kunden sollen laut Arista nicht gezwungen werden, sich zwischen einem Marktfokus und einer Netzwerkstrategie zu entscheiden. In der Systemkette sollen sich damit unterschiedliche Beschleuniger- und Topologie-Entscheidungen besser kombinieren lassen, ohne dass das Netzwerk zum „Engpass“ wird, der jede andere Komponente blockiert.
In der Umsetzung setzt Arista auf verschiedene Hardware-Bauformen, die unterschiedliche Betriebs- und Integrationsziele abdecken sollen. Das Portfolio wird in drei Varianten beschrieben: als Orthogonal Chassis mit Flüssigkeitskühlung für 100 bis 400 Kilowatt, als Cabled Backplane sowie als modulares Cross-Rack-System. Als Beispiel für die konkrete Rack-Komponente nennt das Unternehmen Switches vom Typ 7060EX7 mit jeweils 102,4 Terabit pro Sekunde. Ergänzend kommen Glasfaser-Patchpanels, Kühlelemente, Leckageerkennung und ein Batterie-Backup hinzu – Details, die in der Praxis oft über den stabilen Betrieb entscheiden, insbesondere wenn Flüssigkeitskühlung als fester Bestandteil der Infrastruktur eingesetzt wird. Außerdem können Kunden wahlweise Aristas Betriebssystem EOS oder ein offenes Netzwerk-Betriebssystem einsetzen.
Für Betreiber ist der nächste harte Faktor typischerweise die Dichte pro Rack. Arista verweist dabei auf die nächste Optikgeneration, namentlich XPO, sowie auf offene CPO- und NPO-Ansätze. Damit soll die Kapazität pro Rack von 1,6 auf 6,5 Petabit pro Sekunde steigen – Arista spricht dabei von einer Größenordnung, die einer gut vervierfachten Leistung entspricht. Gleichzeitig nennt das Unternehmen eine Folge für die Raumplanung: Der Platzbedarf im Rechenzentrum könne um knapp 50 Prozent sinken. Entscheidend ist dabei, wie sich solche Dichtegewinne in der konkreten Betreiberrechnung niederschlagen: Neben den reinen Traffic-Zahlen spielen auch Strom, Kühlung, Rack-Belegung und Wartungsfenster eine Rolle.
Marktseitig richtet sich die Ankündigung vor allem an große Cloud-Betreiber, die ihre KI-Infrastruktur mit einer bevorzugten Architektur erweitern wollen. Umsatz- oder Auftragszahlen nennt Arista zur Präsentation nicht. Sichtbar wird das Portfolio ab dem 12. Oktober im Rahmen des OCP Global Summit (12. bis 15. Oktober), wo am Stand E61 Demonstrationen der Rack-Scale-Systeme gezeigt werden. Für die Branche bedeutet das: Offene Ethernet-Ansätze wie dieser Versuch verschieben die Diskussion weg von einzelnen „Feature-Name“-Entscheidungen hin zu einer systemischen Frage, wie schnell und flexibel ein Netzwerkpfad unterschiedliche Scale-up- und Scale-out-Strategien zusammenführen kann – und damit langfristig auch darüber entscheidet, wie stark Betreiber ihre Hardware-„Stapel“ entkoppeln können.
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