BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der BDU-Geschäftsklimaindex für den Consultingmarkt fällt im dritten Quartal 2026 leicht um 0,2 Punkte auf 87,7, bleibt aber insgesamt stabil. Zugleich zeigt eine Zusatzbefragung: Künstliche Intelligenz ist operativ schon fast flächendeckend angekommen, dennoch fehlen bei vielen Beratungen klare strategische Ziele. Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen breitem Tool-Einsatz und der Steuerung nach messbaren Prioritäten. Dazu kommt regional und branchenbezogen eine spürbare Nachfragekonzentration, etwa in der Rüstungsindustrie.

BDU-GKI sinkt leicht, KI-Nutzung wächst: Strategie bleibt jedoch oft unklar
BDU-GKI sinkt leicht, KI-Nutzung wächst: Strategie bleibt jedoch oft unklar (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Consultingmarkt befindet sich laut dem quartalsweise erhobenen BDU-Geschäftsklimaindex (GKI) im dritten Quartal 2026 in einem verhaltenen, aber noch stabilen Modus. Der Index sinkt um 0,2 Punkte auf 87,7 nach 87,9 im zweiten Quartal. Auffällig ist dabei der Vergleich zum ifo-Geschäftsklimaindex: Seit dem dritten Quartal 2020 liegt der BDU-GKI damit erstmals unter dem ifo-Wert, der auf 89,9 Punkte steigt. Während die Beratungen ihre aktuelle Geschäftslage etwas zurückhaltender einschätzen, haben sich die Erwartungen für die kommenden sechs Monate spürbar aufgehellt. Genau dieses Auseinanderlaufen von Lageeinschätzung und Erwartungshorizont ist typisch für die sogenannte Trendfolger-Rolle der Branche, die sich erst mit zeitlichem Versatz im Kundengeschäft widerspiegelt.

BDU-Präsidentin Iris Grewe ordnet die Zahlen in diesem Kontext ein und betont die vorsichtig positive Dynamik. In den Daten spiegelt sich demnach weniger ein plötzlicher Einbruch wider, sondern eher eine Phase mit gedämpfter Gegenwart und verbesserten Prognosen. Grewe stellt außerdem heraus, dass die Consultingbranche typischerweise dann stärker gefragt wird, wenn Unternehmen wieder mehr investieren und die wirtschaftliche Aktivität anzieht. Das passt auch zur Struktur des GKI, der nach BDU-Systematik neben der aktuellen Lage vor allem Erwartungen in den Blick nimmt und damit sichtbar macht, wann Budgets und Projekte eher geplant statt bereits umgesetzt werden.

Auch innerhalb der Beratungsfelder zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Sanierungsberatung legt deutlich zu. Ihr GKI steigt um 7,1 Punkte auf 110 und erreicht damit den höchsten Wert aller Felder. Gleichzeitig verbessert sich die Bewertung der aktuellen Lage: 59 Prozent der Sanierungsberatungen beurteilen sie als „über Budget“, nach 38 Prozent im Vorquartal. Strategieberatung (+1,8 Punkte auf 95) und HR-Beratung (+6,0 Punkte auf 85) zeigen ebenfalls Aufwärtsbewegungen. Dagegen verzeichnen die IT-Beratung (-1,8 Punkte auf 88) sowie die Organisations- und Prozessberatung (-2,1 Punkte auf 83) Rückgänge. Der Ausblick fällt dabei in vier von fünf Feldern besser aus als die Einschätzung der aktuellen Lage, was auf eine kurzfristige Planungs- und Investitionsbereitschaft hindeutet, die noch nicht vollständig in die Gegenwart durchschlägt.

Neben der Feldstruktur liefert der GKI auch eine Größen- und Branchenbrille. Bei den großen Beratungen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz steigt der GKI um 11,2 Punkte auf 99. Gleichzeitig sinkt der Anteil derjenigen, die in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung erwarten, auf nur noch fünf Prozent (nach 32 Prozent im Vorquartal). Bei der Nachfragedynamik stechen vor allem die Rüstungsindustrie und der öffentliche Sektor hervor: 88 Prozent der dort aktiven Befragten bewerten die Nachfrage als sehr gut oder gut. Energie- und Versorgungswirtschaft sowie Non-Profit-Organisationen und öffentliche Institutionen liegen ebenfalls stark, jeweils mit 39 Prozent. Klassische Industriebranchen bleiben dagegen schwächer: In der Chemie nennen 16 Prozent die Nachfrage als sehr gut oder gut, im Maschinenbau 14 Prozent, im Fahrzeugbau nur sieben Prozent. Für Unternehmen bedeutet das: Der „Markt“ ist nicht gleichmäßig, sondern entlang von Regulierungs- und Investitionszyklen segmentiert.

Der zweite große Schwerpunkt der Zusatzbefragung betrifft den Einsatz von KI in Beratungsunternehmen. Laut den Ergebnissen setzen nur rund ein Prozent der Befragten KI derzeit überhaupt nicht ein. Vier von zehn Beratungen haben KI bereits in Arbeits- oder Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert; weitere 40 Prozent nutzen KI systematisch in ausgewählten Bereichen. Besonders interessant ist die erwähnte Lücke zwischen operativer Nutzung und strategischer Steuerung: 80 Prozent haben KI-Anwendungen gezielt ausgewählt und bereitgestellt, 71 Prozent verfügen über verbindliche Regeln für die interne Nutzung, und 66 Prozent qualifizieren ihre Mitarbeitenden systematisch. Gleichzeitig steuern nur 36 Prozent ihren KI-Einsatz entlang klar definierter Ziele oder Prioritäten. Genau diese Diskrepanz macht aus KI-Einführung im Alltag oft erst ein Werkzeug-Set und noch nicht automatisch ein betriebswirtschaftlich durchgängiges Steuerungsmodell.

Grewe fasst die Problemlage inhaltlich so zusammen: „Bei KI laufen derzeit fast alle los: Sie führen Tools ein, schaffen Regeln und schulen ihre Teams. Gleichzeitig ist vielen Unternehmen noch nicht eindeutig klar, welches strategische Ziel sie mit dem Einsatz erreichen wollen. Die nächste Entwicklungsstufe wird deshalb davon geprägt sein, die breite Nutzung in Richtung eines zielgerichteten und messbaren Einsatzes weiterzuentwickeln“, sagte Grewe. Technisch betrachtet zeigt sich daran, dass viele Organisationen den Governance-Block (Regeln, Qualifizierung) bereits aufsetzen und KI in Prozesse bringen, aber noch zu selten messbare Zielgrößen definieren, die etwa Produktivität, Projektqualität und Time-to-Value gemeinsam adressieren. Als bislang deutlichster Nutzen gilt die Produktivität: 86 Prozent erkennen einen Mehrwert durch Zeitersparnis und höhere Produktivität, 60 Prozent durch effizientere Beratungsprojekte. Dagegen bewerten nur 31 Prozent insgesamt einen eher hohen oder sehr hohen Mehrwert als gegeben. Auch die Erfolgsmessung bleibt laut den Ergebnissen häufig unsystematisch; mehr als die Hälfte beurteilt sie vor allem anhand einzelner Erfahrungen und Rückmeldungen.

Damit verschiebt sich der Blick von der Tool-Ebene hin zur Frage, wie Beratungen ihre Geschäftsmodelle mit KI weiter zusammenbringen. Die Befragten erwarten hier eine deutlich tiefere Integration in den kommenden zwei Jahren: Knapp drei Viertel gehen davon aus, dass KI dann fest in Arbeits- und Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert ist, aktuell sind es 40 Prozent. Für den Markt kann das bedeuten, dass sich Wettbewerbsvorteile stärker aus der Prozess- und Datenintegration ergeben als aus dem bloßen „Vorhandensein“ einzelner KI-Anwendungen. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage angesichts des leicht rückläufigen GKI und der unterschiedlichen Nachfrageprofile ein wichtiger Rahmen: Wer KI in diesem Umfeld nur punktuell einsetzt, riskiert, Effekte nicht zu skalieren. Wer dagegen strategische Ziele, messbare Prioritäten und eine konsequente Nutzungs- und Messarchitektur verbindet, kann aus der bisherigen breiten Implementierung deutlich früher klare Wertbeiträge ableiten.


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