LONDON (IT BOLTWISE) – US-Präsident Donald Trump will den etablierten KI-Begriff aus dem Sprachgebrauch verdrängen und fordert stattdessen „Superintelligenz“. Wer weiterhin „künstliche Intelligenz“ verwendet, soll künftig „der Feind“ sein. Gleichzeitig gibt es Widerstand aus der Techbranche: OpenAI und Anthropic bleiben bei „Artificial Intelligence“. Unterdessen verschärft die US-Regierung den Druck auf Microsoft wegen Vorwürfen rund um das H-1B- und PERM-Verfahren.

In den USA wird Künstliche Intelligenz gerade nicht nur technisch debattiert, sondern auch sprachlich umkämpft. US-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social angekündigt, dass der etablierte Begriff „künstliche Intelligenz“ künftig unerwünscht sei. Laut seinem Post sollen Personen, die die Bezeichnung weiter verwenden, künftig als „der Feind“ gelten. Gleichzeitig versucht Trump, den Begriff „Superintelligenz“ als präzisere und stärker akzeptierte Bezeichnung zu etablieren. Damit verschiebt sich die Debatte von reinen Definitionen zu einem Signal über politische Loyalität und den Anspruch, die öffentliche Wahrnehmung von KI zu steuern.
Der Hintergrund dieser Wortpolitik liegt nicht nur in einer neuen Marketingzeile, sondern in der Frage, wie Technologie historisch eingeordnet wird. „Artificial Intelligence“ ist ein Sammelbegriff, der in der Forschung wie auch in Industrieprodukten vieles umfasst: von regelbasierten Systemen über Machine-Learning-Modelle bis hin zu modernen Foundation-Model-Setups. „Superintelligenz“ wirkt dagegen als qualitativer Sprung im Sinne einer übermenschlichen Leistungsfähigkeit. Genau diese Differenz nutzt Trump, um „künstliche Intelligenz“ aus seiner Sicht als „unecht“ zu markieren. Dass er das Thema seit Wochen aktiv adressiert, deutet darauf hin, dass die Auseinandersetzung auch im Kommunikationsklima rund um KI-Entwicklung, Regulierung und Sicherheitsdiskussionen weiter an Relevanz gewinnt.
Unterstützung bekommt Trump aus Teilen der Techszene. So kündigte Elon Musk an, das KI-Unternehmen SpaceXAI in SpaceXSI umbenennen zu wollen. Auch in einer freiwilligen Sicherheitsvereinbarung großer KI-Unternehmen, die Ende September im Weißen Haus unterzeichnet wurde, fällt der Begriff „Superintelligenz“. Gleichzeitig zeigt sich aber die Breite der Gegenpositionen: Die großen Anbieter OpenAI und Anthropic halten bislang am etablierten Begriff „Artificial Intelligence“ (AI) fest. Selbst Trumps eigene Plattform Truth Social verwendet laut dem Bericht weiterhin „Truth Search AI“, also eine Formulierung, die den AI-Bezug sichtbar beibehält. Für Unternehmen bedeutet das: Terminologie ist nicht nur Stilfrage, sondern kann Rückschlüsse auf Partner, Sicherheitsnarrative und die Positionierung in öffentlichen Debatten zulassen.
Während die Begriffsstreitigkeiten in Richtung „Superintelligenz“ laufen, verschiebt sich der Schwerpunkt im nächsten Schritt auf regulatorische und personalpolitische Praxisfragen. Trumps Vizepräsident JD Vance nimmt dabei den Softwarekonzern Microsoft ins Visier. Den Vorwürfen der US-Regierung zufolge soll Microsoft das H-1B-System für hoch qualifizierte ausländische Fachkräfte missbraucht haben. Vance nannte in Washington konkrete Größenordnungen: Im vergangenen Jahr habe Microsoft in den USA rund 6000 Beschäftigte entlassen und zugleich 6300 Mitarbeitende mit H-1B-Visa beschäftigt. Laut seiner Darstellung habe kein anderes Unternehmen das Verfahren zum dauerhaften Aufenthalt ausländischer Fachkräfte so stark „missbraucht“ wie Microsoft.
Die angekündigten Konsequenzen zielen dabei nicht direkt auf das H-1B-Visaprogramm selbst, sondern auf den Weg zur Greencard über das sogenannte PERM-Verfahren. Arbeitsminister Keith Sonderling kündigte an, dass Microsoft bis auf Weiteres vom Verfahren zur Beantragung dauerhafter Aufenthaltsgenehmigungen für bestimmte ausländische Beschäftigte ausgeschlossen werde. Nach der Darstellung geht es damit um Hürden in einem zentralen Teilprozess der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte: PERM ist der Mechanismus, der regelmäßig im Vorfeld einer Green-Card-Beantragung eine Arbeitsmarktprüfung beinhaltet. Zudem heißt es, dass auch gegen mehrere Beratungsunternehmen und Adobe vorgegangen werden soll. Damit wird deutlich: Selbst wenn KI-Diskussionen dominieren, bleiben Human-Resources-Themen und Visaverfahren in den USA ein harter Hebel der Durchsetzung.
Für die KI-Branche hat diese Gemengelage mehrere praktische Implikationen. Erstens kann die Sprachdebatte um „Superintelligenz“ die Art beeinflussen, wie Sicherheitszusagen und technische Kriterien öffentlich verhandelt werden, etwa wenn Begriffe stärker auf bestimmte Zielzustände zugeschnitten werden. Zweitens zeigt der Druck auf Microsoft, dass staatliche Bewertungen von Unternehmensverhalten auch außerhalb der direkten KI-Produktentwicklung stattfinden können – über Personalpolitik, Einstellungswege und Compliance-Prozesse. Unternehmen, die KI in den USA betreiben, müssen deshalb sowohl die Kommunikationsstrategie im Umfeld von KI-Definitionen im Blick behalten als auch die operativen HR- und Migrationspfade belastbar dokumentieren. Unterm Strich entsteht ein Klima, in dem Wortwahl, Sicherheitsversprechen und rechtlich-prozessuale Schritte zusammenwirken, statt getrennt voneinander betrachtet zu werden.
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