LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Militärakademie (West Point) setzt für den Offiziersnachwuchs verstärkt auf Drohnen-Training mit dem selbst entwickelten „Storm King“. Über „Drone Day“ und das Cadet Field Training sammeln Kadetten praktische Erfahrungen, bevor sie in ihre Einheiten wechseln. Dabei geht es nicht nur ums Steuern, sondern vor allem darum, wie Führungskräfte UAS in taktische Entscheidungen übersetzen. Parallel treibt ein Roboterforschungszentrum die Lernkette vom Bau und der Reparatur bis zu späteren Software-Upgrades mit an Bord geplanten Erkennungsfunktionen voran.

West Point nutzt Drohnenausbildung nicht als isoliertes Techniklabor, sondern als durchgängige Qualifizierungskette, die Feldtraining, Unterricht und den Eigenbau von Systemen miteinander verzahnt. Hintergrund ist die Lageentwicklung, in der unbemannte Systeme bereits heute einen festen Platz in Aufklärung, Beobachtung und operativen Abläufen einnehmen. Laut dem Bericht wird der Einsatz von UAV und UAS am Ausbildungsstandort als notwendig beschrieben, um die technologischen Fähigkeiten nicht erst im Verband, sondern frühzeitig im Kadettenalltag aufzubauen. Diese frühe Vertrautheit soll später dabei helfen, UAS nicht nur anzuwenden, sondern auch anzupassen, wenn sich konkrete Plattformen und Einsatzbedingungen ändern.
Im akademischen Teil beginnt das Training demnach mit Kursen wie „Technology Innovation in Emerging Warfare“ und „Computing Fundamentals“, vermittelt über die Fachbereiche der Elektrotechnik und Informatikinhalte. Ein zentrales Element dafür ist das Event „Drone Day“ am 29. und 30. September, das Lehrinhalte in praktische Handgriffe überführt. Offiziell wird dabei betont, dass die Kadetten während der Veranstaltung selbst an den Drohnen arbeiten, die an der Akademie entstehen, nachdem zuvor mehrere Wochen lang diskutiert wurde, wie Drohnen moderne Konflikte prägen. Damit wird die Ausbildung von einer rein theoretischen Betrachtung weggezogen hin zu operativem Verständnis: Welche Funktionen sind verfügbar, welche Grenzen zeigen sich unter realen Bedingungen, und wie wirkt sich das auf Entscheidungswege kleiner Einheiten aus?
Besonders deutlich wird die Trainingslogik in der Verbindung zur taktischen Führung. Über die letzten zwei Jahre seien Drohnen zudem in Cadet Field Training (CFT) und Cadet Leader Development Training (CLDT) integriert worden, sodass Kadetten die Systeme während des Sommertrainings erleben können. Major Vincent Kaple, der aus dem Umfeld kurzreichweitiger Luftverteidigung Erfahrungen einbringt, beschreibt den Mehrwert einer frühen Exposition: In einem „relativ risikoarmen“ Umfeld können Kadetten Fähigkeiten und Limitierungen kennenlernen und früh lernen, Technologie in taktische Problemstellungen einzubetten. Der Bericht stellt dabei eine wichtige Perspektivverschiebung heraus: Kaple kommt aus einer Sicht auf Erkennen, Verfolgen und Bekämpfen von UAS, während das Training mit den Kadetten fordert, UAS aus der Gegenrichtung zu denken – also wie kleine Teams die Systeme für Aufklärung, Korrektur von Feuer, Nachschub-Logistik und weitere taktische Operationen nutzen können.
Für die technische Umsetzung steht nicht der Erwerb fertiger Systeme im Mittelpunkt, sondern eine iterative Lern- und Feedbackschleife zwischen Roboterforschung und Ausbildung in der Praxis. Das Roboterforschungszentrum (RRC) an der Akademie entwickelt und fertigt dabei den aktuellen „Storm King“-Drohnenprototyp in Zusammenarbeit mit Fakultät und Kadetten; Rückmeldungen aus CFT im Jahr 2025 flossen demnach in das folgende akademische Jahr ein. Ziel ist es, grob „etwa 80%“ kommerzielle Leistungsfähigkeit zu erreichen, jedoch zu „20% der Kosten“ – ein Ansatz, der in Ausbildungsumgebungen entscheidend ist, weil Trainingsumfang und Wiederholbarkeit mit Budgetgrenzen kollidieren. Laut Bericht liegen die Basismodelle des Storm King bei knapp über 3.000 US-Dollar, während kommerzielle Systeme mit über 30.000 US-Dollar zu Buche schlagen können. In der Praxis wirkt sich das vor allem auf die Anzahl paralleler Trainingspositionen aus: Wenn pro Platoon eine Drohne zur Verfügung steht, skaliert die Lernwirkung über die Zeit.
Die Kostenlogik hängt wiederum stark an der Lieferkette. Das RRC müsse sich an Vorgaben des National Defense Authorization Act orientieren und daher „konforme“ Bezugsquellen für kritische Komponenten identifizieren. Davis zufolge habe die Abhängigkeit der Industrie von in China hergestellten Bauteilen die Beschaffung für die ursprünglichen „Harvey“-Drohnen erschwert, auch wenn sich die Verfügbarkeit durch einen wachsenden Inlandsmarkt und Initiativen des War Department schrittweise verbessere. Neben Beschaffungsfragen spielt auch die reine Systemauslegung eine Rolle: Der Storm King ersetzt die größere Harvey-Version, ist kleiner, klappbar und robuster, allerdings mit einer geringeren Flugzeit von etwa 25 bis 28 Minuten statt „fast einer Stunde“. Der Bericht erklärt das Engineering-Trade-off pragmatisch: Für das Training im Sommer reichten dem Team rund 20 bis 25 Minuten Flugzeit aus, wichtiger waren stattdessen geringeres Gewicht, Transportfähigkeit sowie Widerstandsfähigkeit – inklusive dem Anspruch, auch bei Regen verlässlich zu fliegen und nicht sofort zu zerbrechen.
Spannend ist schließlich, wie aus der „Drohne als Gerät“ eine „Drohne als Lernplattform“ wird. Davis beschreibt, dass Software-Upgrades geplant sind, um den Storm King näher an industrielle Fähigkeiten heranzuführen, während die Kosten- und Leistungszielsetzung erhalten bleibt und Teile der Weiterentwicklung bereits im Unterricht stattfinden. Für die Zukunft wird zudem die Integration von Onboard-Computing in Richtung „Aided Target Recognition (AiTR)“ genannt: Sobald die Drohne Ziele erkennen kann, sollen Kadetten sogar Code dafür schreiben können. Parallel dazu soll der Ausbildungsweg unterschiedliche Module über das gesamte Jahr hinweg abdecken – vom Aufbau und der Reparatur im Einstiegsunterricht über den praktischen Einsatz im CFT bis hin zu anspruchsvolleren Inhalten im Rahmen von Emerging-Warfare-Kursen und CLDT, wo die Drohnen dann taktisch in Force-on-Force-Szenarien genutzt werden. Der strategische Anspruch dahinter: Nicht nur Bedienkompetenz vermitteln, sondern eine Führungskultur, in der Technologie als Bestandteil taktischen Denkens dauerhaft verankert ist.
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