KEMPTEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Kempten wurde Transport, Logistik und Mobilität auf dem Rathausplatz erlebbar gemacht. Besucher steuerten dank moderner Fahrsimulatoren mit 3D-Brillen virtuell Busse, Lkw und Gabelstapler. Ergänzend gab es echte Schnupper-Fahrstunden in Fahrzeugen und Gespräche an Informationsständen mit Auszubildenden. Damit zielt die Initiative vor allem darauf, junge Menschen sowie Frauen für Jobs im Verkehr und in der Logistik zu gewinnen.

Transport, Logistik und Mobilität sind im Alltag oft unsichtbar: Man sieht die Lieferung erst am Ziel, den Bus erst an der Haltestelle und den Entsorgungsvorgang meist nur als Ergebnis. Genau deshalb setzt die Veranstaltung in Kempten auf einen Perspektivwechsel. Auf dem Rathausplatz konnten Besucher die Branchen nicht nur „anschauen“, sondern über interaktive Elemente praktisch nachempfinden, wie sich Arbeiten hinter dem Steuer, in der Fahrzeugführung und in der Logistik anfühlen. Die Stadt und die beteiligten Verbände positionierten die Szene bewusst als Teil der gesellschaftlichen Infrastruktur, die Städte und Gemeinden am Laufen hält.
Organisiert wurde das Event vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in Kooperation mit zahlreichen bayerischen Mobilitäts- und Logistikverbänden, Kammern sowie weiteren Branchenakteuren. Verkehrsminister Christian Bernreiter stellte dabei heraus, dass Personenverkehr und Entsorgung nicht nur in urbanen Zentren, sondern ebenso in ländlichen Regionen unverzichtbar seien. In seiner Argumentation ging es weniger um abstrakte Wirtschaftskennzahlen als um den operativen Kern: Fachkräfte sorgen dafür, dass Menschen und Güter zuverlässig ankommen, Städte versorgt bleiben und die Entsorgungsroutinen funktionieren. Gleichzeitig machte er klar, dass gezielte Imageaktivititäten helfen sollen, Transport und Logistik als attraktives Arbeitsfeld sichtbar zu machen – mit dem Fokus auf junge Menschen sowie auf Frauen, die in klassischen Berufsbildern dieser Branche oft noch unterrepräsentiert sind.
Für den Nachwuchs war der wichtigste Hebel dabei nicht die Bühne, sondern das „Erleben“: Manuel Knoll, Staatsminister für Jugend und Demokratie, betonte, wie notwendig es sei, eine Branche greifbar zu machen, um Begeisterung auszulösen. In Kempten wurde das konkret umgesetzt, indem moderne, innovative und verantwortungsvolle Berufe in Mobilität und Logistik direkt getestet werden konnten – sei es im Bus, im Lkw oder am Simulator selbst. Oberbürgermeister Christian Schoch wiederum verwies auf die Wirkung der direkten Präsenz im Stadtkern: Wenn Bürgerinnen und Bürger die Arbeitswelt unmittelbar sehen, lässt sich die Alltäglichkeit von Mobilität und Logistik besser einordnen. Solche Formate unterscheiden sich damit deutlich von rein informativen Informationskampagnen, weil sie Kompetenzerleben statt nur Zielbilder vermitteln.
Technisch betrachtet stach vor allem der Bereich der Fahrsimulatoren hervor. Die Besucher konnten mithilfe von 3D-Brillen virtuell Busse, Lkw oder sogar Gabelstapler steuern – ausdrücklich auch dann, wenn noch kein entsprechender Führerschein vorhanden ist. Der Nutzen liegt auf der Hand: Lernende können früh mit Abläufen, Bedienlogik und räumlichem Denken in Kontakt kommen, ohne dass direkt ein echtes Fahrzeug, eine vollständige Ausbildung oder eine komplexe Sicherheitsfreigabe erforderlich wäre. Gleichzeitig bleibt die Brücke zur Praxis erhalten, denn neben dem virtuellen Angebot wurden Schnupper-Fahrstunden in realen Bussen und Lkw angeboten, begleitet von erfahrenen Fahrlehrern. So entsteht ein zweistufiges Lernen: erst das kontrollierte Ausprobieren, dann das realitätsnähere Training im Fahrzeugumfeld.
Das Bühnen- und Rahmenprogramm ergänzte die Berufsorientierung, ohne sie zu überdecken. Ein Bänkeprogramm und zusätzliche Erfahrungsberichte von Auszubildenden und Fachkräften schufen Kontexte, die über „So sieht es aus“ hinausgingen und eher „So fühlt es sich an“ vermittelten. An Informationsständen ergab sich zudem direkter Austausch, der insbesondere bei Fragen zu Ausbildung, Alltagstätigkeiten und Perspektiven hilfreich ist. Auch für Familien war gesorgt: Ein Rennmäuse-Parkour und eine Hüpfburg machten den Rathausplatz zu einem Treffpunkt, der Kinder spielerisch in die Welt der Mobilität mitnimmt. Live-Musik und Bünenshows sorgten dafür, dass die Veranstaltung generationsübergreifend funktionierte – ein wichtiger Punkt, wenn man Zielgruppen wie Eltern, Jugendliche und Kinder gleichzeitig erreichen will.
Für die Branche ist das Format vor allem deshalb relevant, weil es mehrere typische Engpässe adressiert: fehlende Nachwuchsinteressenten, eingeschränkte Reichweite klassischer Recruiting-Kanäle und die Herausforderung, technische und sicherheitskritische Berufe verständlich zu machen. Simulatoren schaffen hier einen niedrigschwelligen Einstieg; reale Schnupperfahrten sorgen anschließend für Authentizität. Gleichzeitig ist die Entscheidung, nicht nur über Fahrzeuge zu sprechen, sondern auch über Arbeitsverantwortung, ein Signal an potenzielle Auszubildende und deren Umfeld. Dass die Initiative in einem kommunalen Raum wie dem Rathausplatz stattfindet, senkt Hürden zusätzlich: Man kommt zufällig vorbei, kann testen und erhält im gleichen Moment Ansprechpartner. In Summe wirkt das wie ein bewusst kuratierter Mix aus Technik, Berufsorientierung und öffentlicher Sichtbarkeit – und genau dieser Dreiklang entscheidet häufig darüber, ob ein Imageevent bei der Zielgruppe hängen bleibt.
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