LONDON (IT BOLTWISE) – Zcash (ZEC) und Hyperliquid (HYPE) werden in den kommenden Jahren mit einer potenziellen Kursverdopplung bis 2029 in Verbindung gebracht. Zcash setzt dabei auf Datenschutz-Funktionen und ein Bitcoin-nahes Angebotsmodell mit festen 21 Millionen Coins. Hyperliquid dagegen stützt die Token-Nachfrage auf wiederkehrende Rückkäufe über 99% der Protokollgebühren. Beide Projekte liefern zugleich Gründe für Skepsis, weil die Historie und die jüngsten Schwankungen die Erwartungen dämpfen.

Wer Krypto „früh“ kaufen will, schaut selten nur auf ein einzelnes Whitepaper. Oft zählt, wie das jeweilige Token-Modell Angebot und Nachfrage mechanisch verbindet. Genau hier setzen die beiden Kandidaten Zcash (ZEC) und Hyperliquid (HYPE) an, die im Marktumfeld als Wetten mit zweistelligen Chancen bis zum Ende des Jahrzehnts diskutiert werden. Im Kern geht es um zwei völlig unterschiedliche Hebel: Zcash kombiniert Datenschutzfunktionen mit einem Bitcoin-ähnlichen Supply-Design, während Hyperliquid die langfristige Kaufbereitschaft des Tokens über einen wiederkehrenden Rückkaufmechanismus zu stützen versucht.
Bei Zcash ist die „Story“ relativ klar umrissen: Es handelt sich um eine Privacy-Chain, bei der Nutzer Transaktionen optional so verschleiern können, dass Absender, Empfänger und Betrag nicht in derselben Weise öffentlich nachvollziehbar sind. Technisch orientiert sich das Projekt dabei stark am bekannten Bitcoin-Rahmen – mit dem festen Cap von 21 Millionen Coins und periodischen „Halvings“, die die Mining-Belohnung reduzieren. Dieser Mix aus knapperem Angebot und Datenschutz ist für Investoren interessant, die entweder auf „Sound Money“ setzen oder die Privatsphäre als eigenes Nutzenversprechen bewerten. Allein die Preisrichtung hängt aber nicht nur an der Funktion: In einem bullisch formulierten Szenario wurde für die Zeit bis 2030 ein Ziel von 8.100 US-Dollar genannt, falls die Marktkapitalisierung auf 10% von Bitcoin ansteigt (ausgehend von etwa 1,3% zum 6. Oktober).
Spannend wird es beim Blick auf die möglichen Nachfragesignale aus der Investorenseite. Genannt wird unter anderem, dass Winklevoss Capital – verbunden mit den Winklevoss-Zwillingen – in Zcash über die Cypherpunk Technologies indirekt stark positioniert sei; als Zahl wird ein Einsatz von 58,9 Millionen US-Dollar genannt, datiert auf November 2025, wobei Tyler Winklevoss Zcash als „encrypted Bitcoin“ bezeichnet haben soll. Auch Naval Ravikant wird mit der Einschätzung erwähnt, Zcash sei „insurance against Bitcoin“ (Oktober 2025). Gleichzeitig bleibt die wichtigste technische Frage: Wie gut setzt sich der Datenschutz-Use-Case gegenüber regulatorischen, UX- und Integrationshürden im Alltag durch? Niemand kann die langfristige Kursentwicklung sicher vorhersagen; gerade bei Volatilität kommt es darauf an, ob Adoption und Marktliquidität stabil genug sind, damit das Supply-Design überhaupt in dauerhafte Preisstärke übersetzt wird.
Hyperliquid liefert dagegen ein mechanisches Argument, das in der Theorie unabhängig von der jeweiligen Narrativ-Lage wirkt. Das Projekt ist eine spezialisierte Blockchain, die als dezentraler Austausch (DEX) für Perpetual Futures genutzt wird: also Derivate, die nicht auslaufen, sondern fortlaufend gehandelt werden. Der zentrale Punkt lautet, dass 99% der Protokollgebühren, die auf der Plattform anfallen, in HYPE-Rückkäufe fließen sollen. Wenn diese Gebührenbasis konstant oder wachsend bleibt, kann das Token langfristig wie ein „Einkaufsprogramm“ wirken. Als Referenz wird dabei eine annualisierte Einnahme von nahe 710 Millionen US-Dollar zum 6. Oktober angeführt. In so einem Modell hängt die Nachhaltigkeit vor allem an der Aktivität: Je mehr Handel, desto mehr Gebühren – und damit desto größer der Rückkaufhebel.
Dass Investoren das Setup nicht nur als Konzept sehen, wird in der Berichterstattung mit mehreren institutionellen Ankern unterfüttert. Cantor Fitzgerald soll einen Pfad skizziert haben, wie Hyperliquid innerhalb eines Jahrzehnts auf eine Bewertung von 200 Milliarden US-Dollar kommen könnte; rechnerisch entspräche das grob 200 US-Dollar pro Token, während HYPE zum genannten Zeitpunkt etwa bei 85 US-Dollar liegt. Außerdem wird berichtet, dass Hyperliquid Labs Anfang Oktober 2026 3,7 Millionen HYPE (rund 329 Millionen US-Dollar) für einen privaten Verkauf an eine nicht näher genannte Institution entsperrt hat; diese Tokens könnten später wieder auf dem Markt auftauchen und damit kurzfristig sowohl Druck als auch zusätzliche Liquidität erzeugen. Ergänzend wird ein 23-Millionen-US-Dollar-Stake über das Duquesne Family Office zum 30. Juni genannt, sowie die Position von Jane Street mit 4,4 Millionen US-Dollar in HYPE-fokussierten Kryptobörsen-ETFs laut 13F-Filing.
Der nächste Entwicklungsschritt soll bei Hyperliquid vor allem aus der Nutzerökonomie kommen. Wer 500.000 HYPE staked, kann eigene Märkte für Perpetual Futures starten. Zusätzlich testet die Plattform dasselbe Modell für Prediction Markets. Das ist aus Engineering-Sicht mehr als nur „Community-Farming“: Durch die selbstständige Markterstellung verlagert sich ein Teil des finanziellen Risikos auf die Nutzer, während Hyperliquid selbst nicht jede neue Marktidee vollständig finanzieren muss. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzliche Märkte zusätzliche Handelsaktivität erzeugen – was wiederum über Gebühren den Rückkaufkreislauf speist. Selbst wenn das Ziel einer Verdopplung bis in die nächsten Jahre nicht erreicht wird, bleibt das Design-Argument bestehen, sofern die Plattform genügend Nutzeraktivität aufrechterhält und die Rückkäufe in einem realistischen Tempo stattfinden.
Für Entscheider, die solche Setups in eine breitere Portfolio-Strategie einordnen wollen, ist das wichtigste Fazit weniger ein Kursversprechen als die Logik dahinter: Zcash setzt primär auf Datenschutz als Nutzen und auf ein knappes, durch Halvings geprägtes Angebot. Hyperliquid setzt dagegen auf einen wiederkehrenden Nachfrageimpuls über Gebührenrückflüsse in Token-Rückkäufe und auf ein skalierbares Markt-Startmodell für Nutzer. Gerade weil beide Projekte in der Vergangenheit starke Schwankungen gezeigt haben, sollten Anleger die Annahmen separat prüfen: Bei Zcash die reale Nutzung der Privacy-Option und die Geschwindigkeit der Adoption, bei Hyperliquid die Gebührenbasis im DEX-Umfeld und die Frage, wie sich zusätzliche Marktsegmente auf Volumen, Spreads und damit auf Gebühren auswirken. Wer beide Mechaniken versteht, kann Kursbewegungen deutlich weniger als „Zufall“ und stärker als Folge von Designparametern lesen.
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