LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Kirovets K-700 A aus dem Baujahr 1987 wird in Sachsen-Anhalt zum Verkauf angeboten. Der DDR-Ackergigant bringt 215 PS, einen V8-Dieselmotor mit knapp 15 Litern Hubraum und Allradantrieb mit. Laut Anzeige stehen 6.045 Betriebsstunden auf dem Zähler, das Fahrzeug ist sofort verfügbar. Der Händler ruft 17.490 Euro netto auf, mit Mehrwertsteuer also 20.813 Euro.

Auf großen Schlägen der DDR spielte der Kirovets K-700 A seine Rolle nicht als Nischenmaschine aus, sondern als Arbeitstier: Der schwere Knicklenker aus sowjetischer Produktion war auf Leistungsstärke ausgelegt und fand vor allem in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) sowie in Volkseigenen Gütern (VEG) seinen Platz. Wer heute noch einen solchen Traktor aus den 1980er-Jahren sieht, erkennt sofort, warum er für schwere Zugarbeiten auf ausgedehnten Flächen attraktiv war: Knicklenkung, Allradantrieb und das hohe Eigengewicht bilden zusammen eine Plattform, die auf Zugkraft und Traktion optimiert ist.
Im aktuellen Angebot steht ein Exemplar mit Baujahr 1987, das laut Verkaufsanzeige 1988 erstmals zugelassen wurde. Auf dem Zähler sind 6.045 Betriebsstunden vermerkt, ein Wert, der bei Gebrauchtmaschinen sofort die Frage nach dem Pflegezustand und der Einsatzhistorie nach oben schiebt. Denn ob der Traktor tatsächlich bereits in DDR-Zeiten in einer LPG oder einem VEG gelaufen ist, bleibt in der Anzeige offen. Für Käufer bedeutet das: Neben der reinen Stundenzahl zählt insbesondere, wie Motor, Getriebe und Fahrwerk über die Jahre instand gehalten wurden.
Technisch wird der K-700 A vor allem über seinen Antrieb greifbar. Unter der Motorhaube arbeitet ein V8-Dieselmotor mit knapp 15 Litern Hubraum, der 215 PS leistet. Ergänzt wird die Kraft durch ein Lastschaltgetriebe, das in Verbindung mit der Knicklenkung hilft, große Maschinen auch dann kontrolliert zu bewegen, wenn es nicht nur geradeaus geht. In der Anzeige werden zudem eine Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h sowie ein 16-Gang-Vorwärts- und 8-Gang-Rückwärtsgangkonzept genannt, das für unterschiedliche Feld- und Bodenbearbeitungsaufgaben ausgelegt war.
Dass solche Traktoren nicht nur „viel PS“ hatten, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden sollten, war in der DDR-Praxis ein harter Faktor. Große Maschinen kosteten und standen nicht dauerhaft still, weshalb sie häufig im Zweischichtbetrieb genutzt wurden, um die Auslastung zu sichern. Im Vergleich wird in der Quelle auch die Größenordnung klar: Während der Fortschritt ZT 300 um 90 PS leistete, verfügte der K-700 A über mehr als 200 PS. Gerade bei schweren Bodenbearbeitungsarbeiten konnten die sowjetischen Knicklenker dadurch ihre Vorteile auf passenden Flächen ausspielen.
Konkreter wird es beim Preis: Der Händler verlangt 17.490 Euro netto für den Kirovets K-700 A, inklusive Mehrwertsteuer sind es 20.813 Euro. Damit ordnet sich das Angebot in die Kategorie „technikgeprägtes Kulturgut mit Nutzwert“ ein: nicht nur Sammelobjekt, sondern eine Maschine, die wegen ihres Aufbaus und ihrer Dimensionen historisch und praktisch für schwere Arbeiten steht. Allerdings gilt auch hier: Bei Traktoren dieser Generation entscheidet die Gesamtkonfiguration darüber, ob der Kauf eher ein Restaurationsprojekt oder eine sofort nutzbare Anschaffung ist.
Die Anzeige nennt außerdem Details zur Ausstattung, die bei der Einordnung helfen. Dazu gehören die Plattform mit Kabine, Halogen-Arbeitsscheinwerfer vorne und hinten sowie die Bereifung mit h720/665 R12 (vorn und hinten). Steuerung und Technik werden ebenfalls benannt, etwa das erwähnte Steuergerät dw3 sowie die Auslegung für Allradbetrieb. Für Interessenten aus dem Umfeld von Landtechnik, Oldtimerpflege oder institutionellen Sammlungen ist das wichtig, weil Ersatzteile und Wartungszugänge häufig daran gekoppelt sind, wie die Maschine ab Werk konfiguriert wurde.
Historisch betrachtet ist der K-700 A eng mit der Import- und Industrialisierungsphase der ostdeutschen Landwirtschaft verknüpft. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurden rund 3.000 Exemplare in die DDR importiert, um den Bedarf an leistungsstarken Großtraktoren in den Produktionsstrukturen zu decken. Der Verkaufspreis heute wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie ein reiner Restwert und mehr wie eine Mischung aus Seltenheit, dokumentierter Technik und dem Zustand einzelner Fahrzeuge. Wer so einen Traktor kauft, sollte deshalb sehr konkret prüfen, wie Motor und Getriebe laufen, wie die Knicklenkung arbeitet und ob die historische Ausstattung im Alltag nachweislich zuverlässig bleibt.
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