PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen bringt mit dem ID. Tiguan einen rein elektrischen SUV-Nachfolger, der Anfang 2027 in den Markt startet. Das Modell löst den ID.4 und ID.5 ab und setzt dabei wieder stärker auf klassische Haptik im Cockpit. Für die Reichweite nennt der Hersteller je nach Akku bis zu 600 Kilometer nach WLTP. Mit One-Pedal-Driving, einem Assistenzstopp an roten Ampeln und einem Adapter zum Laden externer Geräte zielt VW zudem auf mehr Alltagstauglichkeit.

Volkswagen nutzt den Pariser Autosalon, um dem bisherigen ID-Portfolio ein neues Namens- und Bedienkonzept zu geben: Der ID. Tiguan soll die vollelektrischen SUV ID.4 und ID.5 mittelfristig ersetzen und Anfang 2027 auf die Straße kommen. Interessierte können das Fahrzeug ab dem 13. Oktober vorbestellen, in Europa nennt VW Preise ab 42.695 Euro. Auffällig ist dabei nicht nur die Fortführung des Tiguan-Brandings, sondern auch der Wechsel im Inneren: VW kündigt die Rückkehr physischer Bedienelemente an, nachdem Touch-Funktionen in früheren ID-Generationen bereits stark im Vordergrund standen.
Die Dimensionen ordnen den ID. Tiguan klar in die Kompaktklasse ein: Das Fahrzeug wird laut Angaben etwa 4,62 Meter lang und wächst gegenüber dem Vorgänger um drei Zentimeter. Gleichzeitig fällt es minimal flacher aus, was sich gestalterisch mit einer steileren Front und einem beleuchteten Logo sowie einem durchgehenden Leuchtenband verbindet. Auch die klassischen Bogen-Türgriffe kehren zurück und ersetzen die bisherige bündige Variante der ersten Generation. Für Käufer mit Bedien- und Designbezug ist das eine doppelte Botschaft: VW reagiert sowohl auf Kritik an der bisherigen ID-Sprache als auch auf die Erwartung, dass ein SUV sich im Alltag „bekannt“ anfühlt.
Im Cockpit wird diese Richtung besonders konkret: VW beschreibt, dass zahlreiche Kundenwünsche in die Entwicklung eingeflossen sind. Zentral ist die Abkehr von reinen Touch-Bedienelementen. So bekommt das Multifunktionslenkrad wieder echte Tasten; für Klimaanlage sowie Lautstärkeregelung in der Mittelkonsole setzt der Hersteller auf physische Schalter und Drehregler. Zusätzlich wurde die Bedieninsel in der Fahrertür neu konzipiert – sie bietet vier separate Schalter für die Fensterheber. Die Displaylandschaft kombiniert dann bewährtes UI-Design mit größeren Bildschirmflächen: Standardmäßig arbeitet ein zehn Zoll großes Display für die Instrumente, dazu kommt ein 15-Zoll-Touchscreen.
Technisch basiert der ID. Tiguan auf der Plattform MEB+. Die Reichweite hängt dabei sichtbar an der Akkugröße. In der Einstiegsversion fährt das SUV mit Heckantrieb, 140 Kilowatt Leistung und einer Batterie mit 58 Kilowattstunden; VW nennt dafür bis zu 450 Kilometer Reichweite. Varianten mit dem größeren Akku (77 Kilowattstunden) sollen bis zu 600 Kilometer schaffen. Die Spitzenversion kombiniert Allradantrieb mit 220 Kilowatt; hier nennt VW ebenfalls Reichweiten nach WLTP, im Zusammenhang mit dem 77-kWh-Akku sogar bis zu 560 Kilometer. Diese Staffelung ist für Unternehmen und Fuhrparks besonders relevant, weil sie planbare Einsatzprofile unterstützt – etwa bei Pendelstrecken mit Tagesmaxima oder bei längeren Fahrten ohne häufiges Nachladen.
Auch in der Nutzung setzt VW auf konkrete Funktionen, die den Elektroalltag glätten sollen. Unter der Motorhaube gibt es einen Frunk mit 32 Litern Stauraum, während der hintere Gepäckraum je nach Stellung 534 bis 1.577 Liter fasst. Beim Fahrbetrieb nennt VW serienmäßig One-Pedal-Driving; dazu kommt ein Assistenzdienst, der das Fahrzeug an roten Ampeln automatisch stoppt. Ergänzend soll über einen Adapter am Ladeanschluss das Versorgen externer Geräte möglich sein, etwa um E-Bikes mit Strom zu unterstützen. Dazu passt das optionale Beifahrerdisplay: Ein 12-Zoll-Bildschirm mit Privacy Mode sorgt dafür, dass der Fahrer das Display während der Fahrt nicht einsehen kann, und für weniger Ablenkung überträgt VW im privaten Modus den Ton an gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer des Beifahrers.
Im Marktkontext ist diese „Haptik-Return“-Strategie spannend, weil sie in der Wahrnehmung vieler Nutzer einen klaren Gegensatz zur früheren ID-Philosophie bildet. Während Touch-Interfaces bei Software-Updates zwar theoretisch flexibel bleiben, spüren Fahrer im Alltag den Unterschied zwischen Blickkontakt und unmittelbarer Betätigung – gerade bei Temperatur, Lüftung und Lautstärke. VW bringt hier klassische Bedienelemente zurück, ohne auf große Displays komplett zu verzichten. Für die Frage, ob das die Akzeptanz steigert, ist zudem die neue Ausrichtung beim Namen bedeutsam: Der ID. Tiguan folgt der Tendenz, Elektroautos stärker an bestehende Verbrennermodell-Strukturen anzulehnen, und damit auch an eine vertraute Markenarchitektur.
Für die Ausstattung nennt VW vier Varianten: „Trend“, „Life“, „Style“ und „R-Line“. Je nach Linie sind laut Angaben Oberflächen aus Alcantara oder Wildleder möglich, außerdem lassen sich Felgen in 19, 20 oder 21 Zoll wählen. Wer auf Komfort setzt, kann etwa ein Panoramadach ordern; als Beispiel nennt VW zudem ein Harman-Kardon-Soundsystem mit 480 Watt. Entscheidender als die konkrete Wattzahl ist jedoch das Gesamtpaket aus Bedienung, Reichweitenprofil und Lade-/Nutzfunktionen: Der ID. Tiguan versucht, die Lücke zwischen moderner Elektro-Software und den Erwartungen an SUV-Handling im Alltag zu schließen. Ob diese Rückkehr zu physischen Reglern tatsächlich den Nerv trifft, dürfte sich vor allem in der Kundenerfahrung zwischen Werkstatttermin und täglicher Routine zeigen.
Unterm Strich bedeutet der ID. Tiguan für VW nicht nur eine weitere Modellpflege, sondern eine bewusste Neupositionierung: mehr Reichweite im Rahmen der bestehenden MEB+-Architektur, zusätzliche Alltagsfunktionen und eine Bedienphilosophie, die wieder stärker auf taktile Kontrolle setzt. Damit richtet sich der Hersteller zugleich an technikaffine Käufer und an jene, die Touch-Overload im Fahrzeug eher skeptisch sehen.
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