LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Screening-Studie aus dem peruanischen Andenraum ordnet Schwermetalle in traditionellen Kräutertees toxikologisch ein. Die Forscher untersuchten 90 Proben getrockneter Pflanzenteile aus Chupuro und Pucará in einer Höhenlage von 3.270 bis 3.350 Metern. Trotz einzelner artspezifischer Spitzenwerte liegen die gemessenen Konzentrationen unter den WHO-Schwellen für Arsen und Blei. Auch die Modellrechnung für eine langfristige Aufnahme ergibt nur ein vernachlässigbares chronisches Risiko.

Wer im Mantaro-Becken in Peru täglich Kräutertee trinkt, bekommt jetzt eine belastbarere Grundlage dafür, wie viel Schwermetall tatsächlich in der Tasse landen könnte. Die Studie, die im Fachjournal Heliyon veröffentlicht wurde, richtet den Blick auf Heilpflanzen, deren Nutzung dort traditionell verankert ist – während gleichzeitig die Nähe zu Bergbauregionen immer wieder Zweifel an der Reinheit pflanzlicher Erzeugnisse auslöst. Statt nur einzelne Proben zu betrachten, liefern die Autoren eine systematische Bestandsaufnahme für die Trockensaison 2023 und damit für einen Zeitraum, in dem die Probenahmebedingungen vergleichbar waren.
Im Zentrum der Untersuchung stehen fünf Heilpflanzenarten. Insgesamt wurden 90 Proben getrockneter Pflanzenteile an zwei Ortschaften gesammelt: Chupuro und Pucará. Die Entnahmestellen lagen in einer Höhenlage zwischen 3.270 und 3.350 Metern, was nicht nur geografisch relevant ist, sondern auch erklärt, warum die Ergebnisse artspezifisch unterschiedlich ausfallen können. Die Analytik erfasste Konzentrationen verschiedener Spurenelemente und toxikologisch relevanter Elemente, darunter Zink, Kupfer, Chrom, Arsen und Blei.
Besonders anschaulich werden die Unterschiede in Pikar- und Chupuro-Werten bei einzelnen Pflanzen: Beim Eukalyptus aus Pucará berichten die Autoren über Spitzenwerte von 11,99 mg/kg Zink und 5,27 mg/kg Kupfer. Dieselbe Pflanze zeigte in Chupuro zudem einen Chromwert von 0,98 mg/kg. Bei der andinen Muña-Minze wurden in Pucará Höchstwerte von 0,30 mg/kg Arsen ermittelt, während Chupuro bei Blei mit 0,49 mg/kg auffällt. Diese Art von „Hotspots“ zeigt, warum reines Bauchgefühl bei der Rohstoffbewertung nicht reicht: Die Herkunftsbedingungen und die Pflanzenbiologie beeinflussen, welche Elemente sich anreichern.
Trotz dieser messbaren Anreicherungen kommt die Studie zu dem Schluss, dass das gesundheitliche Risiko für Verbraucher gering ist. Entscheidend ist dabei weniger die Existenz von Elementen, sondern die Einordnung über toxikologische Schwellen. Laut den im Text genannten WHO-Vorgaben unterschreiten die Messwerte in allen Pflanzen die offiziellen Grenzwerte: Für Arsen wird eine Schwelle von 1,00 mg/kg genannt, für Blei 10,00 mg/kg. Damit bewegen sich die im Mantaro-Becken gemessenen Konzentrationen im Bereich, der im toxikologischen Vergleich als unkritisch gilt – eine Differenzierung, die gerade in Medienberichten häufig zu kurz kommt.
Um über den reinen Grenzwertabgleich hinauszugehen, modellierten die Forschenden auch die gesundheitliche Langzeitwirkung. Als konservatives Konsumszenario setzten sie eine tägliche Aufnahme von 500 ml Kräutertee an 350 Tagen pro Jahr über 30 Jahre an, bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 60 kg. Unter diesen Annahmen blieb die nicht krebserregende Gefährdung laut Studie in allen Fällen deutlich unter den Richtwerten; der sogenannte Hazard Index erreichte als Maximalwert lediglich 4,07×10³, gemessen bei Muña-Minze aus Pucará. In der toxikologischen Standardinterpretation gilt: Ein Hazard Index unterhalb von 1 wird als Hinweis auf ein vernachlässigbares Risiko für chronische Gesundheitsschäden verstanden.
Auch das potenzielle Krebsrisiko wurde rechnerisch quantifiziert. Die ermittelten Werte bewegten sich zwischen 5,49×10⁻⁷ und 1,14×10⁻⁷. Nur für Eukalyptus aus Chupuro lag das rechnerische Risiko knapp über der international gebräuchlichen Schwelle von 1:1 Mio., während die übrigen Pflanzenarten darunter blieben. Wichtig ist hier der Unterschied zwischen Messwerten und Modellannahmen: Die Modellierung abstrahiert von konkreten individuellen Trinkgewohnheiten und geht mit vereinfachten Annahmen an die Exposition heran, dennoch eignet sie sich, um Risiken vergleichbar zu machen und alarmistische Einordnungen zu entschärfen.
Für die Praxis lässt sich aus der Studie vor allem eine klare Botschaft ableiten: Traditionelle Aufgussgetränke aus der Mantaro-Region zeigen trotz vereinzelter Elementanreicherungen kein akutes Gesundheitsrisiko. Für Konsumenten heißt das nicht, dass jedes Produkt automatisch identisch ist – die artspezifischen Unterschiede zwischen Chupuro und Pucará deuten darauf hin, dass Herkunft und Pflanzentyp weiterhin relevant bleiben. Für die Anbieter und Akteure in der Lieferkette wiederum ist das Ergebnis eine Chance, Reinheit nicht nur kommunikativ, sondern über nachvollziehbare Mess- und Bewertungslogik zu untermauern. Genau hier wird aus einem Screening-Datensatz mittelfristig ein Qualitätsinstrument: Wer Schwellenwerte, Hazard-Modelle und eine vergleichbare Probenlogik nutzt, kann Diskussionen über Schwermetalle künftig stärker auf überprüfbare Grundlagen stellen.
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