KLEINMACHNOW BEI BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – In der sechsten Folge von „Die Höhle der Löwen“ aus der 20. Staffel haben drei Startups einen Deal im Studio erzielt. Das Zürcher Startup FoodFor kassierte 300.000 Euro und bekam dafür statt der angebotenen 10 Prozent 20 Prozent zugesprochen. Cropsta sicherte sich 70.000 Euro zu 30 Prozent, während Hottey mit 17,5 Prozent an Andreas W. Herb ging. Gleichzeitig gingen Ajambow, Sedor Lpez und HyEx leer aus.

Die sechste Folge der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ macht vor allem eines sichtbar: Ein Ja im Studio ist noch lange kein Abschluss im Sinne einer sauberen Unternehmensplanung. Drei von sechs Gründungen einigten sich zwar auf einen Investor und einen konkreten Deal, doch die eigentliche Arbeit beginnt anschließend – bei Due-Diligence, Zahlenprüfung und der Frage, ob das Versprechen aus dem Pitch auch im operativen Alltag zuverlässig reproduzierbar ist. Gerade bei FoodFor, Cropsta und Hottey war die Verhandlung nicht nur ein Showmoment, sondern eine Diskussion über Bewertung, Anteilshöhe und die Frage, wie stark ein Produkt bereits „beweisbar“ nachfragegetrieben ist.
Der größte Deal der Folge ging an FoodFor: Das Zürcher Trio verkaufte Shots unter den Namen „Thinking“, „Boost“, „Euphoria“ und „Calm“ – ein Format, das im D2C-Handel besonders stark über Wiederkauf funktioniert. Gefordert hatte das Startup 300.000 Euro für 10 Prozent, was einer Bewertung von drei Millionen Euro entspricht. Carsten Maschmeyer hielt jedoch das bestehende Wandeldarlehen in der Form, wie es vorhanden war, offenbar für nicht investierbar und legte deshalb ein Gegenangebot vor: 300.000 Euro bei 20 Prozent. Dass die Gründer zustimmten, senkt die Bewertung auf 1,5 Millionen Euro – und verschiebt gleichzeitig das Risiko. Aus Investorensicht ist das eine klassische Strukturentscheidung: Wer bereits vorinvestiert ist, muss im Falle einer Equity-Runde klären, ob die Kapitalstruktur „kompatibel“ ist, etwa hinsichtlich Wandlungslogik, Rangfolge oder Abwicklungsbedingungen. Für FoodFor bedeutet der Deal damit nicht nur Geld, sondern auch eine neu definierte Eigentums- und Kontrollsituation, die später bei Skalierung, Vertriebsaufbau und möglicherweise weiteren Finanzierungsrunden spürbar wird.
In eine ganz andere Kategorie fällt Cropsta, weil hier weniger das Produkt selbst als die Alltagstauglichkeit im Vordergrund steht. Mike Leon Lichtenberg und Charlotte Lieben aus Kleinmachnow bei Berlin pitchten ein elastisches Band, das Oberteile kürzen soll, ohne zur Schere zu greifen – also ein Nutzenversprechen, das sich schnell in „Wie oft passiert das in meinem Alltag?“ übersetzen lässt. Die Verhandlung zog sich dabei über mehrere Einstiegsangebote: Zunächst boten Judith Williams und Johannes Kliesch 70.000 Euro für 40 Prozent plus einen Euro je verkauftem Band. Danach kam ein zweiter Vorschlag ohne Beteiligungsanteile, aber mit 140.000 Euro zurück über Lizenzgebühren. Am Ende bekam Ralf Dümmel den Zuschlag: 70.000 Euro für 30 Prozent ohne Lizenzgebühren. Technisch und betriebswirtschaftlich ist das eine wichtige Weichenstellung, denn Lizenzmodelle binden Kapital langfristig an Stückzahlen und damit an die tatsächliche Vertriebslage, während Equity die Bewertung insgesamt stärker in den Vordergrund rückt. Für das Startup ist außerdem relevant, wie stabil die Preispositionierung im Handel funktioniert: Das Band kostet 12,99 Euro, die „Cropsta Mini“ liegt bei 11,99 Euro – und im Studio wurde damit zugleich der Eindruck verstärkt, dass Nachfrage vorhanden ist, nicht nur Interesse am Demonstrationsmoment.
Mit Hottey folgt dann ein weiteres Verhandlungsformat, das im Fernsehen oft als „Battle“ bezeichnet wird, wirtschaftlich aber ein Timing-Problem löst: Zwei Startups treten gegeneinander an, nur eines darf danach weiter über Geld verhandeln. Maximilian Voigt und Julian Herrlich setzten sich mit scharfem Honig gegen Seor Lpez durch. In der finalen Verhandlung blieb am Ende nur noch Andreas W. Herb als Verhandler übrig. Das Entscheidende war die Differenz in der Anteilshöhe: Die Gründer boten 15 Prozent, Herb konterte mit 17,5 Prozent – und dabei blieb es. Dass der Deal auf genau dieser Prozentmarke einrastet, wirkt wie ein typisches Muster für Seed-Phasen: Ein Investor kalkuliert, wie viel Eigentumsquote nötig ist, um bei späteren Finanzierungsrunden Verwässerung zu „kompensieren“, während Gründer wiederum die zukünftige Beteiligungslogik im Blick behalten. Für Hottey ist zudem die Vermarktung über Preise relevant: Ein Glas liegt im eigenen Shop bei rund 10 Euro, im Einzelhandel bei 8,99 Euro; Bundles starten ab 24 Euro. Solche Zahlen sind nicht nur Kosmetik – sie bestimmen, ob Margen nach Logistik, Handelsspannen und Marketingbudget übrig bleiben. Gleichzeitig deutet der Hinweis, dass Honig bei einzelnen Händlern zeitweise nicht lieferbar war, auf einen operativen Engpass hin: Lieferfähigkeit ist oft der „unsichtbare“ Flaschenhals, der aus einem guten Pitch ein schwaches Rollout macht.
Am eindrucksvollsten wirkt in Folge 6 das „Nein“ – und zwar gleich in zwei Varianten. Bei Ajambow wurde der Fitnessbogen mit Wassertank mit einer Bewertung von drei Millionen Euro angesetzt: 300.000 Euro für 10 Prozent. Während des Auftritts machte Simon Werner seiner Partnerin nach 33 gemeinsamen Jahren einen Heiratsantrag. Der emotionale Moment änderte jedoch nichts an der investorenseitigen Logik: Maschmeyer verwies auf bereits verkaufte 20 Abonnements, Judith Williams stieg ebenfalls aus, und Ralf Dümmel konnte als letzte Hoffnung die Bewertung offenbar nicht mittragen. Hier zeigt sich eine Grundregel, die auch außerhalb von TV-Deals gilt: Ohne ausreichende Reproduzierbarkeit der Nachfrage und ohne belastbare Kennzahlen bleibt eine hohe Bewertung spekulativ. Bei HyEx scheiterte das Konzept an Studienlage und Bewertung: Das Startup verlangte 250.000 Euro für 25,1 Prozent bei einem Preis von 89 Euro für die „Hyaluron-Behandlung fr zu Hause“. Maschmeyer fand das Ergebnis zu unnatürlich, Wöhrl hielt die Bewertung für deutlich zu hoch, Dümmel sah den Preis als Hürde für den Einzelhandel; zudem wurde die Zielgruppe kritisch diskutiert. Auffällig ist: Während bei FoodFor und Cropsta die Nachfrage offenbar stärker anfassbar war, wurden bei HyEx wissenschaftliche Evidenz und Marktfit stärker gewichtet. Damit erinnert die Folge indirekt an ein grundlegendes Muster, das man auch aus anderen Startup-Formaten kennt: Je stärker das Produkt in Richtung Gesundheit oder Wirksamkeitsversprechen geht, desto schwieriger ist es, allein über Story und Demonstration zu überzeugen – dann entscheiden belastbare Daten und klare regulatorische bzw. wissenschaftliche Plausibilität.
Für Unternehmen, die solche Deals als Orientierung für die eigene Wachstumsstrategie betrachten, steckt in Folge 6 eine nüchterne Botschaft: Erst nach dem Studio entscheidet sich, ob ein Investment wirklich „durch“ ist. Der Artikel verweist dabei auf ein Beispiel aus früheren Folgen, bei dem nach einem Angebot im Studio die Geldflüsse später offenbar nicht zustande kamen, weil Investoren nach der Sendung Zahlen prüften. Genau diese Phase ist für Gründungen entscheidend, weil sich Investitionslogik in Kennzahlen übersetzt: Kundenakquise-Kosten, Wiederkaufsraten, Retourenquote, Logistikkosten pro Bestellung und die Frage, ob die im Pitch genutzte Annahmelogik auch im Alltag unter Lastbedingungen stimmt. Ob FoodFor mit seinen Shots als Abo-Mechanik weiter skaliert, ob Cropsta seinen Vertrieb über Shop und Amazon stabil ausbaut oder ob Hottey die Versorgungslage in den Griff bekommt – in allen Fällen wird nicht nur ein Produkt bewertet, sondern die Fähigkeit, Versprechen in wiederholbare Prozesse zu verwandeln. Und genau dort entscheidet sich, ob ein TV-Deal am Ende zum echten Wachstumshebel wird.
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