LUZERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Swiss Steel will die Stahlproduktion umbauen und die Standorte Hagen und Krefeld zur Disposition stellen. Gelingt die wirtschaftliche Verbesserung nicht, sollen diese beiden Werke geschlossen werden; von Hagen sind rund 300 Beschäftigte, von Krefeld rund 450 betroffen. Der Spezialstahl-Standort Witten soll künftig Produktionsmengen übernehmen, während Siegen als integraler Bestandteil des neuen Produktionsverbunds bestehen bleibt. Der Umbau soll innerhalb von zwei Jahren erfolgen.

Swiss Steel treibt einen tiefgreifenden Umbau der europäischen Stahl- und Spezialstahlfertigung voran. Laut Mitteilung aus Luzern sollen zwei Werke in Hagen und Krefeld perspektivisch auslaufen, falls sich die Marktlage in den kommenden Jahren nicht verbessert. Das ist keine reine Standortverschiebung, sondern zielt auf eine Neujustierung des Produktionsportfolios: Die Firmenlogik folgt damit einer einfachen Rechnung aus Kapazitäten, Kostenstruktur und Absatzmix – und sie wird in der Detailbeschreibung durch konkrete Mitarbeiterzahlen greifbar.
Im Drahtwalzwerk in Hagen arbeiten demnach rund 300 Menschen. Am Standort Krefeld, wo Stahlbearbeitung stattfindet, sollen rund 450 Beschäftigte betroffen sein, wenn die Schließung tatsächlich umgesetzt wird. Gleichzeitig nennt das Unternehmen weitere operative Entscheidungen, die den Umbau als mehrstufiges Szenario ausweisen: Das Stahlwerk in Witten ist als künftiger Leistungsträger vorgesehen, während das Werk in Siegen als „integraler Bestandteil“ des Produktionsverbunds bleiben soll. Das Stahlwerk in Siegen soll demnach nicht nur überleben, sondern die neue Verbundarchitektur mittragen – allerdings mit klarer Konzentrationsrichtung.
Ein zentraler technischer Hebel liegt auf der Produktionsseite in Witten. Dort soll der Elektrolichtbogenofen zusammen mit der Gießanlage Produktionsmengen übernehmen und nahezu Vollauslastung erreichen. Swiss Steel argumentiert dabei mit einer Kostenkennzahl „je Tonne“: Wenn Auslastung steigt, sinken im Regelfall die Stückkosten, weil Fixkosten auf mehr Volumen verteilt werden. Außerdem will man die Produkte wettbewerbsfähiger machen, was vor allem bei hochwertigen Spezialstählen und bei Anwendungen mit spezifischen Qualitätsanforderungen zählt – gerade dann, wenn der Wettbewerb über Energiepreise und Importdruck besonders dynamisch wird.
Auch die strategische Marktpositionierung wird mit Blick auf die Endmärkte konkret. Witten soll laut Unternehmensangaben stärker auf margenstarke und wachsende Abnehmer ausgerichtet sein, darunter die zivile Luftfahrt und die Rüstungsindustrie. Gleichzeitig verweist Swiss Steel darauf, dass die Abhängigkeit von der schrumpfenden Automobilindustrie geringer werden soll. Diese Gegenüberstellung ist typisch für Konsolidierungen in der Stahlindustrie: Nicht jede Anlage lässt sich gleich schnell umbauen, aber der Absatzkanal kann oft schneller angepasst werden – etwa durch Qualifizierung von Werkstoffen, Zertifizierungen und die Abstimmung von Prozessparametern auf neue Kundenanforderungen.
Der Zeitplan liegt bei „in den nächsten zwei Jahren“: Der Umbau soll in diesem Zeitraum stattfinden. Swiss Steel begründet die Schritte mit einem schrumpfenden Markt und verweist auf Entwicklungen seit 2021, als das Marktvolumen über wichtige Produktgruppen hinweg deutlich zurückgegangen sei. Besonders belastend nennt das Unternehmen hohe Energiekosten und zunehmenden Importdruck für die europäische Stahlproduktion. In der Gesamtlogik entsteht so ein Engpass: Sinkende Nachfrage reduziert Auslastung, während Energiepreise die variable Kostenbasis erhöhen; Importe drücken dann häufig zusätzlich auf Preise oder Konditionen.
Vorangegangene Maßnahmen sollen zwar bereits Wirkung gezeigt haben – Prozesse seien verbessert, Kosten reduziert und der Personalbestand deutlich gesenkt worden –, dennoch habe es nicht gereicht, das Unternehmen zurück in die operative Gewinnzone zu führen. Deshalb sei die Optimierung des bestehenden Produktionssystems an eine Grenze gestoßen und müsse an die veränderte Marktgröße angepasst werden. In der Kommunikation spricht Swiss Steel von „schmerzhaften Veränderungen“ und stellt klar, dass es sich um eine wirtschaftliche Notwendigkeit handle, nicht um ein Urteil über individuelle Leistungen. Für die Umsetzung nennt das Unternehmen Gespräche mit Betriebsräten über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan; betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, und wo möglich sollen Beschäftigte auf andere Standorte wechseln können.
Für die betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und für die Logistik der Zulieferketten bedeutet der Umbau vor allem: Kapazitäten werden neu verteilt, Produktionsflüsse verschieben sich und Qualifikationsprofile müssen in größerem Umfang zusammengeführt werden. Für Unternehmen außerhalb von Swiss Steel liefert der Schritt zudem ein Signal, wie ernst die Stahlbranche Kosten- und Auslastungsrisiken derzeit nimmt: Wer Anlagen effizient auslasten und gleichzeitig Endmärkte mit stabilerer Nachfrage erschließen kann, gewinnt Gestaltungsspielraum. Wie sich die Schließungsentscheidung bei Hagen und Krefeld letztlich konkretisiert, hängt damit stark von der Marktdynamik der kommenden Jahre ab – und Swiss Steel schafft durch den Ausbau in Witten zumindest schon jetzt die technische Grundlage, um bei Bedarf schneller reagieren zu können.
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