QUANTICO, VIRGINIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Army treibt den Umbau Richtung autonomer und unbemannter Kriegsführung voran. Acting Army Secretary Adam Telle ordnet per Memo die Einrichtung des U.S. Army Futures and Autonomous Systems Command (FASCOM) an. Gleichzeitig soll ein neues Beschaffungsmodell eine einheitliche Zuständigkeit für die priorisierten Autonomie-Systeme schaffen. Unklar bleibt bislang, wie FASCOM in die bereits geplante vier-Sterne-Struktur für AutoWarCom und in die bestehende T2COM-Organisation eingebettet wird.

Die US Army reagiert damit auf eine neue strategische Schlagrichtung, die aus dem Pentagon heraus bereits Anfang des Herbstes 2026 sichtbar wurde: Auf die Ankündigung eines vier-Sterne-„Autonomous Warfare Command“ (AutoWarCom) folgt nun ein eigener, serviceinterner Aufbau für Futures und autonome Systeme. Konkret ordnet ein am 1. Oktober unterzeichnetes Memo von Acting Army Secretary Adam Telle die Gründung des U.S. Army Futures and Autonomous Systems Command, kurz FASCOM, an. Gleichzeitig legt der Text fest, dass die Army ihre Einkaufskompetenz für „priority autonomous systems“ organisatorisch bündeln soll. Damit geht es weniger um einen einzelnen Beschaffungsauftrag, sondern um die Schaffung einer dauerhaften Entscheidungs- und Steuerungsinstanz.
Technisch und organisatorisch setzt der Ansatz an der Beschaffungskette an: Die Army will dem Assistant Secretary für Acquisition, Logistics and Technology eine neue, stärker gebündelte Rolle geben. Das Memo sieht dafür eine Portfolio Acquisition Executive for Autonomy vor, die „single authority“ über den Kauf der priorisierten autonomen Systeme erhält. Hintergrund ist ein Umbau, den die Army bereits im vergangenen Jahr angestoßen hat: Damals reorganisierte sie den Waffen- und Technikeinkauf in sechs Portfolio Acquisition Executives, die jeweils Gruppen zusammengehöriger Programme abdecken. FASCOM soll den Autonomie-Bereich als zusätzliches Portfolio in diese Logik einbetten, was vor allem die Abstimmung zwischen Entwicklung, Beschaffungsprogrammen und Feldreife beschleunigen soll.
Die zweite große Stellschraube betrifft den Zeithorizont: Das Memo verpflichtet die zuständigen Stellen, mehrere Kategorien autonomer Systeme spätestens bis zum Fiskaljahr 2028 priorisiert zu kaufen und einzuführen. Genannt werden unter anderem „fires“ im Sinne von Artillerie, Raketen und Marschflugkörpern, autonome Komponenten für Combat Vehicles, die Nachschublogistik über Wassercraft resupply sowie Breaching-Systeme zur Räumung von Hindernissen wie Minenfeldern. Ergänzt wird das Paket durch Aufklärungs-, Überwachungs- und Zielerfassungssysteme (reconnaissance, surveillance and target acquisition) und durch Drohnen und Roboter, die mit bemannten Fahrzeugen und Flugzeugen zusammenarbeiten sollen. Gerade diese Breite ist für KI-orientierte Rüstungsprogramme wichtig, weil Autonomie in der Praxis selten isoliert als „eine Drohne“ kommt, sondern als Funktion in viele Plattformen hineinwächst.
Parallel verschiebt die Army die Personal- und Ausbildungsseite: Das Memo fordert, drone- und robotics-spezifische Positionen in alle jeweils „applicable“ Army-Einheiten aufzunehmen. Dabei betont der Text, dass die Kernrollen bereits existieren: Für eingezogene Soldaten etwa als 15X tactical unmanned aircraft systems specialist, für Offiziere im Warrant-Umfeld als 390A robotics technician. Neu ist eher die Systematik, mit der Spezialwissen in die Fläche getragen werden soll, statt es bei wenigen Fachteams zu konzentrieren. Zusätzlich beauftragt das Memo das Force-Management-Office der Army, schnell herauszuarbeiten, wie autonome Systeme in mindestens sechs bestehende Einheitentypen integriert werden können: Aviation, Armor, Fires, Sustainment, Engineer und Training. Damit wird die Frage „Wo im Verband landet Autonomie wirklich?“ zum Teil der Organisationsplanung, nicht nur der Technikstrategie.
Im Gesamtbild entsteht ein Doppelstrang: FASCOM ist eine Army-intern geschaffene Struktur, während auf Joint-Ebene AutoWarCom als vier-Sterne functional combatant command geplant wird. Das „Project Agincourt“ genannte Arbeitspapier, das am selben Tag wie Hegseths State of the Force Address unterzeichnet wurde, stellt den unmanned systems office des Pentagons in den Mittelpunkt, um die Grundlagen für AutoWarCom zu legen. Dort wird AutoWarCom als Hauptquartier beschrieben, das missionsbasiert organisiert ist – ähnlich dem Ansatz von U.S. Cyber Command – und über dedizierte Manpower, Budget und Autorität verfügen soll, um Ausrüstung zu beschaffen. Bemerkenswert ist zudem der parlamentarische Hebel: Die Vorlage verweist darauf, dass solche Befugnisse einen Akt des Kongresses erfordern, und nennt als Ziel, AutoWarCom bis zum 1. Oktober 2027 zu etablieren.
Offene Fragen bleiben jedoch genau in den Schnittstellen, die für Unternehmen und IT-Dienstleister praktisch entscheidend sind: Das Memo benennt nicht, wer FASCOM anführen wird, wo es seinen Sitz haben wird oder wann die Einrichtung „established“ sein soll. Auch zur Übergabe vorhandener Autonomie-Strukturen enthält der Text keine klare Entscheidung: Die Army verweist auf ein bereits früher im Jahr eingerichtetes Büro, das Capability Program Executive Office for Mission Autonomy, um autonome Technologie in Waffenprogramme einzubetten. Weder Memo noch begleitende Veröffentlichung klären, ob dieses Büro unter das neue Acquisition-Office bzw. unter FASCOM wechselt. Ebenso bleibt unklar, wie FASCOM in die bestehende Army-Organisation T2COM (Army Transformation and Training Command) passen wird, die erst 2026 durch die Zusammenführung von Futures Command und Training and Doctrine Command entstand. Für die nächsten Monate bedeutet das vor allem: Die technische Richtung (autonome Funktionen in mehreren Plattformklassen und Einheiten) ist fest, die operative Umsetzung an der Schnittstelle zwischen Kommando-, Beschaffungs- und Trainingsstrukturen folgt dagegen in Etappen.
Für die Umsetzung in der Praxis heißt das: Wer autonome Systeme liefert oder in deren Entwicklung und Integration involviert ist, sollte künftig stärker mit klarer zugewiesenen Beschaffungswegen rechnen – und weniger mit dem Nebeneinander vieler Einzelfragen. Die geplante Portfolio-Logik für Autonomy kann bedeuten, dass Anforderungen schneller in konkrete Programme übersetzt werden, sofern die Verantwortlichkeiten zwischen FASCOM, den Force-Management-Entscheidern und möglichen Joint-Strukturen sauber abgestimmt werden. Gleichzeitig zeigt der Text, dass die Army ihre Autonomie-Einführung als Kombination aus Technik, Personalprofilen und Verbandsintegration plant. Genau an diesen Punkten entscheidet sich, ob KI-gestützte Systeme in der Truppe nicht nur „existieren“, sondern zuverlässig betrieben, gewartet und weiterentwickelt werden können.
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