USA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Air Force erwägt, wie zuvor das US Army, private Unternehmen stärker an Testgeländen zu lassen. Im Forum des Mitchell Institute für Aerospace Studies sagte der Kommandeur des Air Force Test Center, Brig. Gen. Mark Massaro, die Air Force arbeite aktiv daran, das Army-Konzept zu verstehen. Gleichzeitig nennt er die Risiken aus Informationssicherheit und die Gefahr von überwachender Aufklärung durch gegnerische Kräfte. Ziel ist, Lernzyklen für Technologien schneller in einsatzreife Entscheidungen zu überführen.

US Air Force prüft Öffnung von Testgeländen für private Industrie
US Air Force prüft Öffnung von Testgeländen für private Industrie (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Idee, Testgelände der Streitkräfte stärker für externe Entwickler zu öffnen, gewinnt in den USA spürbar an Fahrt. Nachdem die US Army bereits angekündigt hat, fünf ihrer militärischen Testbereiche – vier im Inland und einen im Ausland – für approved companies zugänglich zu machen, signalisiert nun auch die US Air Force, dass sie eine ähnliche Schiene prüft. Der praktische Kern ist dabei nicht nur „mehr Zugang“, sondern eine Beschleunigung der Erprobung: Wer schneller an realistische Testbedingungen kommt, kann schneller iterieren und Ergebnisse eher in Programme und Beschaffungsentscheidungen einspeisen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich ein solcher Zugang organisatorisch und technisch sauber aufsetzen lässt. Brig. Gen. Mark Massaro, Kommandeur des Air Force Test Center, erklärte in einem von dem Mitchell Institute für Aerospace Studies ausgerichteten Forum, dass Service-Verantwortliche „aktiv mit der Army“ arbeiten, um zu verstehen, wie das Konzept konkret umgesetzt wurde. Er verwies zudem auf Gespräche mit Führungskräften aus dem Bereich Army Test and Evaluation, um herauszuarbeiten, wie der Zugang zu Chancen für Auftragnehmer ausgestaltet werden kann. Aus seiner früheren Rolle als Kommandeur der 96th Test Wing am Eglin Air Force Base in Florida brachte er eine relevante Erfahrung ein: Für bestimmte Tests hatte er bereits in kleinerem Maßstab den Zugang zu Testbereichen für externe Partner organisiert – und diese Schritte lieferten „eine Menge Lessons“, die jetzt in ein mögliches Air-Force-Modell einfließen könnten.

Technisch betrachtet betrifft eine Öffnung der Testinfrastruktur vor allem Schnittstellen im Ablauf: Wer darf wann welche Systeme betreiben, unter welchen Sicherheitsauflagen und mit welchen Mess- und Auswerteketten? Massaro machte deutlich, dass die Air Force die sicherheitsseitigen Implikationen ernst nimmt. Gerade weil Gegner zunehmend Aufklärung aus der Luft betreiben und Bildmaterial sammeln, könne ein erweiterter Zugang potenziell Informationen offenlegen, die eigenen Tests schaden. Deshalb arbeitet die Air Force laut Massaro daran, Testprozesse so zu designen, dass genau diese Informationsrisiken adressiert werden – nicht als nachträgliche Maßnahme, sondern als Teil der Testarchitektur. Für Entwickler bedeutet das: Ein „freier Zugang“ wird es in der Regel nicht geben, sondern ein kontrollierter Zugang, der zugleich genügend Realismus bietet, damit Ergebnisse in späteren Integrationen belastbar bleiben.

Gleichzeitig ist der Nutzen aus Sicht der Innovationskette konkret: Die Industrie agiere in Exploration und Entwicklung häufig schneller, weil sie mit eigenem internal Research and Development arbeitet. Wenn externe Teams Zugang zu Fähigkeiten wie Testgelände bekommen, können sie ihren Lernfortschritt beschleunigen – und Technologien in einem Zustand evaluieren, der für das Militär überhaupt erst vergleichbar und entscheidungsreif wird. Genau an dieser Stelle wird der strategische Mehrwert sichtbar: Statt dass Unternehmen ihre Tests komplett im eigenen Rahmen aufbauen müssen, können sie reale Umgebungen testen, die Signalbedingungen, gelebte Prozeduren und die Integration in komplexe Szenarien abbilden. Damit verschiebt sich das Verhältnis zwischen Theorie und Feldresultat zugunsten schnellerer Iterationen.

Die Entwicklung in der Army liefert dafür die Vorarbeit und damit einen praktischen Referenzpunkt. In einem Interview beschrieb der frühere Army Secretary Dan Driscoll, dass private Firmen Bedingungen nicht ohne Weiteres selbst nachstellen könnten – etwa eine Range-Konfiguration, die ein ukrainisches Schlachtfeld imitiert, oder Testflächen, die Raum für Anti-Jamming- und Hyperschall-Technologien schaffen. Driscoll nannte außerdem eine potenzielle Zeitersparnis: Der traditionelle Range-Testprozess könne von bis zu 18 Monaten auf teils rund 30 Tage verkürzt werden. In derselben Linie argumentierte er auch juristisch-organisatorisch: Eine Firma mit einer guten Idee solle nicht erst „einen Juristen- und Program-of-Record-Umweg“ benötigen, um nachzuweisen, dass ihre Ausrüstung funktioniert. Die angekündigte Idee einer „One front door“-Abwicklung zielt damit auf weniger Medienbrüche und eine frühere Kopplung zwischen technischer Erprobung und formalen Freigaben.

Welche Testorte die Army dafür nennt, zeigt außerdem, dass die Öffnung mehr umfasst als nur ein einzelnes Gelände. Über ein Online-Antragsportal sollen demnach unter anderem Dugway Proving Ground (Utah), das West Cibola Range-Gebiet im Umfeld des Yuma Proving Ground (Arizona), das Camp Shelby Joint Forces Training Center (Mississippi), das Camp Grayling Joint Maneuver Training Center (Michigan) sowie ein Range-Komplex innerhalb der Multidomain Training Area im Africa Multidomain Training and Experimentation Center in Marokko verfügbar gemacht werden. Für Unternehmen ist das relevant, weil unterschiedliche Geländetypen und Szenarien unterschiedliche Validität erzeugen: Mobilität, Signalumgebung, Skalierung von Tests und Realismusgrad sind je nach Ort nicht austauschbar. Wenn die Air Force dieses Modell aufgreift, wird sie zwangsläufig ähnliche Fragen beantworten müssen – von der Ticketierung und Slot-Planung bis zur Messkette, mit der Ergebnisse zwischen Diensten konsistent auswertbar werden.

Für die Branche ergibt sich daraus ein klares strategisches Signal: Unternehmen, die an Drohnen, Gegenmaßnahmen gegen Störungen, Hyperschall- oder allgemein an verteidigungsnaher Technologie arbeiten, erhalten potenziell eine Abkürzung vom Prototyp zur bewerteten Feldfunktion. Gleichzeitig dürfte der Wettbewerb nicht nur um bessere Hardware laufen, sondern auch um bessere Test-Readiness: Wer seine Systeme so vorbereitet, dass sie unter den vorgegebenen Sicherheits- und Testbedingungen möglichst schnell valide Messresultate liefern, gewinnt Zeit. Unterm Strich hängt der Erfolg der geplanten Öffnung an zwei Faktoren, die sich gegenseitig bedingen: einerseits ein durchdachter Sicherheits- und Informationsschutz im Ablauf, andererseits eine echte Reduktion der Prozessdauer. Genau hier entscheidet sich, ob „mehr Zugang“ in der Praxis spürbar in kürzere Innovationszyklen übersetzt – oder ob sich die Komplexität nur verlagert.


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