NATIONAL HARBOR (MD) / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Air & Space Forces Association hat ihre Konferenz 2026 nach drei Tagen mit Fokus auf Weltraumabwehr, neue Einsatzkonzepte und konkrete Fähigkeits-Meilensteine abgeschlossen. In den Keynotes standen auf dem Orbit einsetzbare Kontroll- und Abwehrwaffen ebenso im Mittelpunkt wie die offiziell bezeichneten Collaborative Combat Aircraft „Vengeance“ und „Fury“. Gleichzeitig skizzierte die Führung der Space Force die nächsten vier Jahre unter dem „Guardian“-Gedanken und verband das Wachstum der Streitkräfte mit Punktverteidigung als Kernanliegen. Parallel betonte die Veranstaltung den Zielkonflikt zwischen Tempo im Beschaffungs- und Erprobungszyklus und nachhaltiger Finanzierung für Systeme wie „Golden Dome“.

AFA 2026: Weltraum-Waffen, neue Collaborative Combat Aircraft und Punktverteidigung
AFA 2026: Weltraum-Waffen, neue Collaborative Combat Aircraft und Punktverteidigung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Air & Space Forces Association hat ihre Air, Space & Cyber Conference 2026 am 16. September nach drei Tagen im Gaylord National Resort and Convention Center in National Harbor, Maryland, abgeschlossen. Der Schwerpunkt lag weniger auf generellen Visionen, sondern auf jeweils konkreten Fähigkeitsbausteinen: „Weapons on Orbit“ als öffentlich kommunizierter Strang der Raumfahrtkontrolle, die offiziellen Bezeichnungen der ersten operationalen Collaborative Combat Aircraft und ein programmatischer Dreiklang aus Abschreckung, Aufbau und skalierter Integration. Für Unternehmen und Entwickler, die sich im Umfeld von Defence-Tech bewegen, ist genau diese Kombination aus Begriffen mit Zeitbezug und technischen Leitplanken relevant, weil sie vorgibt, welche Schnittstellen in den nächsten Beschaffungs- und Integrationsrunden besonders wichtig werden.

Im Eröffnungsteil machte das Air-Force-Statement von Secretary of the Air Force Troy Meink deutlich, worauf die Debatte an diesem Jahr knüpft: Die USA „now has on-orbit space control weapons“ zur Verteidigung der Joint Force. Schon diese Formulierung verschiebt die Diskussion von reinem „Space Situational Awareness“-Vokabular hin zu Handlungsfähigkeit im Weltraum selbst. Ergänzend stellte Meink in einem Gespräch mit AFA Präsident & CEO Lt. Gen. Burt Field, USAF (Ret.), die offiziellen Designations der ersten operationalen Collaborative Combat Aircraft der Air Force vor: General Atomics FQ-42 „Vengeance“ und Anduril FQ-44 „Fury“. Technisch lässt sich daraus eine klare Erwartung an KI-gestützte Missionsunterstützung, Datenfusion und belastbare Funk- sowie Automationsketten ableiten, weil Collaborative Combat Aircraft typischerweise als „Teamplayer“ zwischen Sensorik, Entscheidungsunterstützung und effektorischen Systemen verstanden werden.

Am zweiten Konferenztag rückte dann die Personal- und Organisationsseite in den Vordergrund. Gen. Doug Schiess, der am 15. September seine ersten öffentlichen Bemerkungen als dritter Chief of Space Operations vortrug, ordnete die kommenden vier Jahre an drei Prioritäten ein: die „Guardian“-Haltung prägen, die „Guardian force“ arm and grow und „Guardian power“ at scale integrieren. Dass Schiess dabei die Space Force als Joint-Force-Anforderung und nicht als reines Service-Preference-Thema rahmte, ist für Architekturen in der Praxis entscheidend: Gemeinsame Zielerreichung erfordert saubere Datenmodelle, standardisierte Schnittstellen und eine Integrationslogik, die über Service-Grenzen hinweg funktioniert. Kurz darauf setzte der Chief of Staff of the Air Force, Gen. Ken Wilsbach, mit zwei Punktverteidigungsinitiativen nach: zum einen die Entwicklung von Waffensystemen mit kinetischen und nicht-kinetischen Fähigkeiten, zum anderen ein neues Punktverteidigungs-Karrierefeld für Airmen. Damit wird Punktverteidigung nicht nur als Technikpaket erzählt, sondern als Fähigkeit, die im Personalaufbau verankert werden soll.

Parallel transportierte die Veranstaltung die geopolitische und industrielle Zeitlogik über konkrete Missionspfade. NASA-Administrator Jared Isaacman sprach am 15. September von einer „very real second space race“ und benannte China explizit als Akteur, der seiner Ansicht nach „will accomplish what the Soviets never could“. Inhaltlich koppelte Isaacman diese Einordnung an Artemis: Die Missionen Artemis III und IV seien als Technikhürdenplan bzw. Landungsziel gedacht, unbemannte Lander sollten zudem nahezu monatlich am südlichen Mondpol ankommen, um die Grundlage für eine langfristige menschliche Präsenz zu schaffen. Darüber hinaus nannte NASA die Auslegung von Space Reactor-1 „Freedom“ für einen Start zum Mars im Jahr 2028 als ersten nuclear-fission-Interplanetary-Ansatz. Für die Tech-Seite bedeutet das: Energieversorgung, thermisches Design und Sicherheitsannahmen werden zu Systemtreibern, und nicht nur einzelne Subsysteme wie Antriebe oder Kommunikationsstrecken.

Ein besonders praxisnahes Thema spannte am 16. September der Chairman of the Joint Chiefs of Staff, Gen. Dan Caine, auf: Er beschrieb, dass die Joint Force bisher aus relativer Vorteilslage kämpfte, nun aber „from the seabed to cislunar space“ und schnell agieren müsse. Die Pointe „We can buy almost anything in life, but we cannot buy time“ traf damit einen Kernkonflikt, den viele Defence-Projekte aus operativer Sicht kennen: Lieferketten, Zertifizierung, Testphasen und Budgetzyklen verlängern häufig die Zeit bis zur Einsatzreife. Caine verwies zugleich auf erste Ergebnisse, darunter die erste bekannte Rettung abgestürzter US-Dienstmitglieder durch ein unbemanntes Gefäß, und forderte Industrie auf, schneller zu liefern und Outcomes zu erzeugen, die „survive first contact“ – mit kürzeren Lead Times und niedrigeren Kosten. Genau hier entsteht der direkte Bezug zu KI-Entwicklung und Software-Bereitstellung, weil schnellere Iterationen ohne robuste MLOps-/Testautomatisierung und ohne belastbare Datenpipelines kaum skalierbar sind.

Ergänzt wurde das Fähigkeitsbild durch den Blick auf Finanzierung, Infrastruktur und die Unterstützung von Personal und Familien. In einer Panelrunde nannte ein Programmverantwortlicher für „Golden Dome“ den Anspruch, bis Sommer 2028 operative Capability zu liefern; die Systemlogik zielt darauf, bestehende und künftige Abwehrkomponenten in ein integriertes System zu überführen, das Bedrohungen domänenübergreifend bündelt. Gleichzeitig machte ein Beitrag mit Blick auf den US-Haushalt deutlich, dass Unsicherheit über die Finanzierung in der Praxis Risiken verschiebt – etwa wenn Mittel nicht als langfristige Planungssicherheit ausgestaltet sind. Auch außerhalb der reinen Technik zeigte die Konferenz, wie eng „Readiness“ als Begriff verstanden wird: Die Memorial-to-Memorial-Radtour mit 335 Fahrern und 33 verwundeten Teilnehmenden, die Beiträge zu Wounded Airmen & Guardians sowie die Programme zur Beschäftigung von militärischen Ehepartnern und zur Kinderbetreuung wurden als Teil eines Gesamtsystems aus Einsatzfähigkeit, Arbeitsmarktintegration und Familienstabilität erzählt. Damit schließt sich der Kreis zur Leitidee der „Guardian“-Konzepte: Technik entsteht nicht im Vakuum, sondern wird durch Personalentwicklung, Budgetlogik und operative Erfahrungen geprägt.

Am Ende wurde auch Innovation jenseits der klassischen Rüstungsdomäne adressiert. Die Konferenz setzte mit über 300 Ausstellern auf breite Demonstrationen, von Modellen der neuen Collaborative Combat Aircraft bis hin zu autonomen Systemen und Hands-on-Technik. Zudem fanden Gesprächsformate mit zivilen Prominenten und militärischen Führungspersönlichkeiten statt, darunter eine Diskussion zur Legacy des Schauspielers Jimmy Stewart und eine Plattform für Leadership-Impulse, die Accountability und Zuhören als Führungsprinzipien gegenüberstellten. Für die Branche ist die Botschaft dennoch technisch verwertbar: Wenn Führung, Beschaffung und Kommunikation im gleichen Rahmen diskutiert werden, sinkt das Risiko, dass KI-gestützte Komponenten zwar „funktionieren“, aber nicht zu den tatsächlichen Integrations- und Einsatzanforderungen passen. Wer jetzt plant, sollte deshalb besonders auf die Schnittstellen achten, die Punktverteidigung, Raumfahrtkontrolle und Collaborative-Ansätze verbinden – dort entscheidet sich, wie schnell Konzepte aus der Konferenz in den operativen Alltag übergehen.


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