LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force nimmt für ihr interservice Transferprogramm zum Jahrgang 2027 Bewerbungen an. Interessierte aktive Soldaten, Seeleute, Airmen und Marines können in den Dienst „Guardians“ wechseln und dafür im Regelfall vier Jahre verpflichten. Ohne Vorwissen in Raumfahrtoperationen ist die Bewerbung zwar möglich, bevorzugt werden jedoch Midgrade-Offiziere und eingetragene Fachkräfte mit Raum-, Cyber- oder Intelligence-Bezug. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 2. Oktober.

Die US Space Force stellt zum Start des interservice Transferfensters Ende des Sommers deutlich klar, wen sie für das weitere Wachstum gewinnen will: aktive Angehörige mehrerer Waffengattungen sollen innerhalb des nächsten Zyklus in das „Guardian“-Profil wechseln können. Konkret geht es um das fiscal 2027 interservice transfer program, bei dem die Space Force innerhalb von nur zwei Wochen Bewerbungen entgegennimmt. Damit verschiebt sich die Personalplanung von einer rein binnenbehördlichen Rekrutierung hin zu einem gezielten Talentabgleich zwischen Armee, Marine, Luftwaffe und Marine Corps.
Technisch betrachtet ist diese Art von Offiziers- und Mannschaftswechsel vor allem eine Frage der Rollenabdeckung: Die Space Force begründet den Bedarf laut Angaben ihres Sprechers mit „several hundred officers and enlisted ISTs“, um Midgrade-Anforderungen abzudecken. „Midgrade“ verweist dabei auf Erfahrungsstufen, die typischerweise bereits operative Verantwortung tragen können, ohne dass die Space Force zuerst komplette Laufbahnen neu aufbauen muss. Auffällig ist auch die Schwerpunktsetzung: Obwohl Bewerber keine Vorarbeit in Raumoperationen nachweisen müssen, legt die Space Force bei der Auswahl besonderes Gewicht auf Raumbezugs-Cluster wie Space Operations, Cyber, Intelligence, Acquisition und Engineering.
Für Offiziere nennt die Service-Struktur als bevorzugte Profile unter anderem Hintergründe in Raumfahrtoperationen, Cyber sowie Intelligence, aber auch in Acquisition und Engineering. Für eingetragene bzw. enlisted Rollen werden dafür andere Schwerpunkte betont: Intelligence, Space Systems Operations, Engineering sowie Imagery-Analyse. Genau an dieser Stelle wird sichtbar, warum der Transfer als „Brückeninstrument“ funktioniert: Die Space Force kann damit Kompetenzen schneller in die eigenen Spezialitäten überführen, ohne dass jedes Wissen erst über lange Trainings- und Qualifizierungswege vollständig im Haus entstehen muss. Gerade bei Funktionen wie Bildauswertung oder Cyberschutz ist die Übertragbarkeit von Tool- und Prozesskompetenz häufig höher als bei rein physisch geprägten Raumfahrtrollen.
Die Personalgröße spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Space Force umfasst aktuell knapp über 10.000 uniformierte Guardians und rund 5.407 zivile Beschäftigte. Gleichzeitig wird intern offensiv für eine Verdopplung geworben, unter anderem mit der Argumentation, das sei eine „national security necessity“. Vize Chief of Space Operations Gen. Shawn Bratton brachte den Druck zur Expansion auf die militärische Seite auf den Punkt: „We’ve got to pick up the pace. We need to grow on the military side.“ Parallel dazu nennt Lt. Gen. David N. Miller Jr. im Rahmen der Air and Space Forces Association konkrete Zielmarken: 25.000 Guardians und 12.500 Zivilbeschäftigte in den kommenden fünf Jahren. Wenn er dabei sagt, die tatsächliche Anforderung sei „more“, deutet das auf Reserven hin, die über reine Planwerte hinausgehen.
Historisch betrachtet ist diese Phase nicht der erste Schritt, aber sie ist der Versuch, das Rekrutierungsdesign zu verfeinern. Bei der Gründung 2019 bestand die Space Force vor allem aus Airmen und zivilen Kräften, die aus der Air Force transferiert wurden. Erst später öffnete der Service sein interservice transfer program schrittweise für andere aktive Angehörige: in 2022, 2023 und 2024 wurden die Möglichkeiten erweitert. Für dieses Jahr gelten jedoch klare Einschränkungen: Reserve- und National-Guard-Personal sowie Angehörige der Coast Guard sind dieses Mal nicht eligible. Ebenso ausgeschlossen sind Commissioned officers, die bei mindestens zwei Beförderungsanläufen übergangen wurden, Personen mit „specific derogatory information“ sowie Kandidaten, die sich in administrative oder medical hold befinden. Warrant oder chief warrant officers können nicht bewerben, weil die Space Force kein entsprechendes Warrant-Office-Korps besitzt.
Damit der Wechsel praktisch funktioniert, liefert die Space Force außerdem eine Art Übersetzungslogik zwischen militärischen Laufbahnen und ihren eigenen Rollen. In Form eines specialty code crosswalk wird gezeigt, wie militärische specialties aus unterschiedlichen Zweigen den Space-Force-occupational codes zugeordnet werden. Für Bewerber heißt das: Die Frage „Was wurde zuvor offiziell qualifiziert?“ wird in ein Format überführt, mit dem das Zielsystem der Space Force arbeiten kann. Ergänzend gilt eine zeitliche Bedingung, die für die Planung in den Herkunftseinheiten relevant ist: Bewerber müssen in ihrer aktuellen Einheit bis Dezember 2027 verbleiben, die ausgewählten Personen verpflichten sich dann zu vier Jahren Dienst in der Space Force. Das Bewerbungsfenster ist dabei offen bis zum 2. Oktober.
Aus Unternehmens- und Technologieperspektive signalisiert diese Personalstrategie vor allem eins: Die Space Force versucht, die eigenen Fähigkeiten schneller zu „stacken“, also Rollen, operative Verantwortung und Fachkompetenzen parallel aufzubauen. Das betrifft nicht nur Recruiting, sondern auch die Abbildung von Cyber-, Intelligence- und Engineering-Aufgaben in klaren Verantwortungsbereichen, in denen Erfahrungswissen aus anderen Diensten sofort anschlussfähig ist. Gleichzeitig zeigt der Fokus auf Imageries-Analyse und Space Systems Operations, dass der Bedarf über reine Startplattformen hinausgeht und stärker in Richtung Datenverarbeitung, Lagebild-Erstellung und robuste IT-/OT-nahe Arbeitsabläufe tendiert. Für Beobachter bleibt deshalb spannend, welche Disziplinen im nächsten Zyklus besonders stark nachgezogen werden, wenn die Service-Größe in Richtung der genannten Zielwerte skaliert.
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