LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Schiff interpretiert steigende US-Renditen nicht als Gegenwind, sondern als Signal für Gold und Silber. Er argumentiert, dass der Anleihemarkt dabei vor allem Kurseinbrüche und daraus folgenden Verkäufe auslöst. Seine eigene Vermögensstrategie setzt er stärker auf Minenaktien als auf physische Barren. Zusätzlich verweist er auf Käufe von Zentralbanken und auf die Rolle von Realzinsen in früheren Inflationsphasen.

Der Goldoptimismus von Peter Schiff bekommt im Umfeld gleichzeitig steigender US-Anleihenrenditen eine unerwartete Logik: Während viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass höhere Nominalzinsen Gold als zinslose Anlage schwächen, stellt Schiff genau diese Grundannahme infrage. Er verweist auf den Renditesprung am US-Staatsanleihemarkt, bei dem die zehnjährige Verzinsung in der Spitze auf 5,35 Prozent gestiegen sei und damit den höchsten Stand seit 2002 erreicht habe. Ungeachtet dessen notiere Gold laut der zugrunde liegenden Meldung rund 4.160 US-Dollar und liege damit deutlich unter dem Rekordhoch von über 5.500 US-Dollar aus dem Januar 2026.
Im Kern geht es Schiff um die Interpretation dessen, was steigende Renditen tatsächlich bedeuten. Die “übliche Rechnung” lautet: Gold wirft keine Zinsen ab, also verliert es an Attraktivität, wenn Anleihen mehr bieten. Schiff kontert mit der Annahme, dass Renditen steigen vor allem dann, wenn Anleihekurse fallen – also Anleger Verluste realisieren und ihre Positionen verkaufen müssen. „Anleiheinvestoren verlieren Geld, und wenn sie damit aufhören wollen, müssen sie ihre Anleihen verkaufen. Was kaufen sie mit dem Erlös? Gold oder Silber.“, sagt er. Damit verlagert er den Fokus vom klassischen Carry-Argument hin zu einem Liquiditäts- und Umrichtungsmechanismus: Weg von Verlustpositionen, hin zu Alternativen, die nicht direkt mit dem Zinskupon konkurrieren.
Technisch betrachtet unterscheidet Schiff dabei zwischen Nominalzins und Realzins. Er betont, dass für die Bewertung von Gold nicht nur die Rendite entscheidend sei, sondern wie stark sich reale Kaufkraftverluste beziehungsweise Inflationsraten durch Zinsen kompensieren lassen. Ein historisches Beispiel aus den 1970er Jahren dient ihm als Vergleichsfolie: Dort seien Zinsen und Gold zugleich gestiegen. Sein Argument lautet, dass bei einem Verhältnis von Zins zu Inflation – etwa 20 Prozent Zinsen bei 30 Prozent Inflation – die Entscheidung zugunsten von Gold ausfällt, selbst wenn Gold ebenfalls keinen laufenden Ertrag zahlt, weil der reale Wertverlust sonst dominiert. Für den gegenwärtigen Kontext findet er eine zusätzliche Stütze in den Käufen von Notenbanken: Die People’s Bank of China habe ihre Goldreserven im September 2026 um 740.000 Feinunzen auf 77,47 Millionen Unzen erhöht, nach einem Plus von 650.000 Unzen im August; es sei der 23. Zukaufmonat in Folge gewesen. Weltweit hätten Zentralbanken im August 2026 netto 39 Tonnen gekauft, während Russlands Notenbank seit Jahresbeginn 2026 nach den genannten Daten 56 Tonnen verkauft habe.
Diese Zentralbanknachfrage ordnet Schiff auch ökonomisch ein, nicht nur als Kurstreiber. Für ihn erfüllt Gold eine Reservefunktion, auf die ein Land im Konfliktfall zurückgreifen kann. Daneben nennt die Meldung auch eine Erwartung des LBMA-Umfelds für die nächsten Monate: Dort sei man mit Goldpreisen in zwölf Monaten bei rund 5.000 US-Dollar optimistisch. Schiff traut dem Metall zwar ebenfalls diesen Weg zu, schiebt aber eine zweite, deutlich praktischer anmutende Entscheidung nach: Er setzt sein eigenes Geld offenbar stärker in Minenaktien als in physisches Gold. „Ich habe deutlich mehr von meinem eigenen Geld in Minenaktien als in physischem Gold“, wird er zitiert. Seine Begründung: Er wolle das Gold besitzen, das noch im Boden liegt, und sich damit die operative Hebelwirkung der Förderung zunutze machen.
Gerade dieser Punkt führt zu einem entscheidenden Markt- und Bewertungsrisiko, das in der Meldung direkt gespiegelt wird. Der Text verknüpft Schiffs Argumentation nämlich mit dem Gegenkraft-Setup aus Geldpolitik und Finanzierungskosten. Die US-Notenbank habe den Leitzins im September 2026 einstimmig auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent angehoben; laut Protokoll hielten viele Teilnehmer einen weiteren Schritt bis zum Jahresende für voraussichtlich angemessen. Steigen die Realzinsen weiter, verliert Gold als zinslose Anlage an Halt – und damit könnte auch der “Minenhebel” kippen: Denn Minenaktien profitieren zwar überproportional von steigenden Goldpreisen, stehen aber gleichzeitig unter Kosten- und Kapitaldruck. Treibstoff und Löhne bestimmen die Förderkosten, und kleinere Minenentwickler sind häufig auf externes Kapital angewiesen, das in einem Umfeld höherer Zinsen teurer wird. Hinzu kommt ein Interessenkonflikt, der sich aus der Vermögensstruktur von Schiff ergibt, weil zum Umfeld seiner Unternehmen laut Text ein Edelmetallhändler und ein Goldaktienfonds zählen.
Technisch wird die unterschiedliche Sensitivität verschiedener Geschäftsmodelle besonders sichtbar: Newmont dient als Beispiel für einen klassischen Produzenten mit relativ träger Kostenreaktion. Für das zweite Quartal 2026 nennt die Meldung Gesamtkosten von 1.621 US-Dollar je Unze (All-in Sustaining Costs), unter der Jahresprognose von 1.680 US-Dollar. Gleichzeitig habe Newmont 2,2 Milliarden US-Dollar freien Cashflow erzielt – der höchste Wert in einem zweiten Quartal. Der Mechanismus dahinter: Bewegen sich die Kosten je Unze weniger schnell als der Goldpreis, schlägt jede Preisbewegung überproportional auf die Marge durch. Royalty-Gesellschaften wie Franco-Nevada, Wheaton Precious Metals und Royal Gold funktionieren wiederum anders: Sie finanzieren Minen vorab und erhalten im Gegenzug einen Anteil an der Förderung oder am Umsatz, tragen aber nicht die laufenden Betriebskosten. Das dämpft das Kostenrisiko, begrenzt gleichzeitig den “Hebel” gegenüber extremen Goldpreisbewegungen.
Fazit: Schiffs These verbindet mehrere Ebenen – vom Renditesprung als möglicherweise indirektem Verkaufssignal bis zur Rolle von Realzinsen und der anhaltenden Nachfrage durch Zentralbanken. Für Anleger entsteht daraus jedoch kein einheitlicher, linearer Pfad. Wer Minenaktien als Gold-Proxy betrachtet, muss die geldpolitische Gegenrichtung mitdenken: Steigende Realzinsen können sowohl Gold als auch die Finanzierungslage im Rohstoffsektor unter Druck setzen. Gleichzeitig zeigen die Beispiele aus der Meldung, dass Produzenten und Royalty-Modelle nicht identisch reagieren. Genau darin liegt der praktische Kern der Diskussion: Nicht nur der Goldpreis zählt, sondern auch das Geschäftsmodell, die Kostenstruktur und die Frage, wie teuer sich Kapital in einem restriktiveren Zinsumfeld tatsächlich beschafft.
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