BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Entsorgungswirtschaft warnt vor einer wachsenden Brandgefahr durch falsch entsorgte Batterien. Eine nicht repräsentative Auswertung, die 181 Anlagen zwischen 2021 und 2025 betrachtet, zeigt: Die Zahl der Brände hat sich nahezu verdreifacht. Besonders Lithium-Ionen-Batterien aus Alltagsgeräten gelten als Treiber, weil sie in der Praxis häufig nicht als Batterien erkannt werden. Hinzu kommt, dass feste Akkus beim Pressen oder Zerkleinern Kurzschlüsse auslösen können – teils bereits im Sammelfahrzeug.

Falsch entsorgte Batterien werden für die Abfall- und Entsorgungsbranche zunehmend zu einem echten Risikofaktor: In Deutschland sind Brände in Entsorgungs- und Behandlungsanlagen nicht nur ein Sicherheits-, sondern auch ein Kosten- und Versicherungsproblem. Wie aus dem Umfeld der Branche hervorgeht, gibt es hierzulande über 13.000 Entsorgungs- und Behandlungsanlagen, von denen rund 4.000 auf Sortierung und Aufbereitung entfallen. Genau an dieser Schnittstelle – dort, wo Gemische in verwertbare Fraktionen getrennt werden – können Batterien durch Fehler bei Sammlung und Erkennung zu unerwarteten Zündquellen werden.
Im Zentrum der Warnung steht eine Auswertung, die 181 Anlagen in den Jahren 2021 bis 2025 in den Blick nimmt. Sie ist ausdrücklich als nicht repräsentativ beschrieben, liefert aber eine klare Richtung: Die Zahl der Brände hat sich fast verdreifacht. Als eine der Hauptursachen werden Lithium-Ionen-Batterien genannt, die in vielen Alltagsgeräten enthalten sind. Das Problem ist dabei weniger die Existenz der Batterien selbst, sondern ihre fehlende Sichtbarkeit: Fest verbaute Akkus seien oft nicht erkennbar, wodurch sie im Abfallstrom landen, obwohl sie nach ihrer Entsorgungslogik in Rückgabesysteme gehören.
Technisch betrachtet entsteht die Gefahr häufig dann, wenn Batterien in Prozessschritte geraten, die nicht für solche Komponenten ausgelegt sind. Wenn beim Pressen oder Zerkleinern Teile in Kontakt kommen, kann es zu Kurzschlüssen kommen. Laut der Untersuchung passiert das nicht nur erst im Anlagenbetrieb, sondern kann bereits im Sammelfahrzeug beginnen – also bevor der Abfall überhaupt sortiert wird. Für Betreiber bedeutet das: höhere Einsatzbereitschaft und Sicherheitskosten, aber auch Schwierigkeiten bei der Absicherung, weil Schadensereignisse das Risikoprofil einzelner Anlagen verändern können.
Dass künftig mehr Lithium-Ionen-Batterien „in Umlauf“ gelangen, hängt nach Einschätzung der Autorenschaft auch mit dem Produktdesign zusammen: Elektronik wird kleiner und wandert stärker in alltägliche Gegenstände – vom Werkzeug bis zur Unterhaltungselektronik. Genau diese Entwicklung führt dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher viele Produkte nicht als Elektroaltgeräte einordnen. Im Ergebnis werden Batterien dort entsorgt, wo sie am Ende der Wertschöpfungskette nicht hingehören. Ein praktisches Beispiel aus dem Branchenumfeld liefert dabei Michael Schneider von Remondis: In Berlin habe eine „singende Grußkarte“ einen Brand ausgelöst und eine komplette Papiersortieranlage beschädigt – offenbar, weil die Batterie nicht als solche erkannt wurde und das Produkt nicht die erwartete „Verwendungsdauer“ erreicht habe.
Die Branche versucht nun, das Problem entlang mehrerer Hebel gleichzeitig anzugehen. Gefordert werden bessere Rückabesysteme, die Aufklärung der Bevölkerung sowie eine flächendeckende, verbraucherfreundliche Sammlung von Altbatterien. Daneben zielen die Vorschläge auf technische und gestalterische Anforderungen: Batterien sollen sich leichter entnehmen lassen, damit sie bei der Entsorgung nicht „eingeschlossen“ bleiben und der Anlagenprozess nicht gegen ihre Existenz arbeiten muss. Auch ein Fonds-Modell wird diskutiert, damit Hersteller sich finanziell an der Entsorgung beteiligen – schließlich wird in der Realität selbst bei optimalen Sammelsystemen ein Teil der Batterien weiterhin falsch landen.
Die Untersuchung wurde im Auftrag mehrerer Verbände erstellt, darunter die Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifischer Abfallbehandlung sowie Bundesverbände und ein Verband kommunaler Unternehmen. Erarbeitet wurde sie zudem vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management, der Umwelttechnik und Ingenieure GmbH sowie von Prognos. Für Entscheider in Kommunen und in der Industrie ist das relevant, weil die Zahlen zwar nicht als repräsentatives Gesamtbild gelten, aber ein belastbares Muster zeigen: Der Anstieg der Brandereignisse folgt dem Mix aus Produktintegration, Erkennungsproblemen und der mechanischen Behandlung im Abfallstrom.
Für Betreiber von Sortier- und Aufbereitungslinien bedeutet die Meldung vor allem eins: Risikomanagement muss stärker „vor“ den Prozess rücken. Dazu gehören strengere Annahme- und Vorsortierkonzepte, Schulungen für Personal und Dienstleister sowie technische Maßnahmen, die fest verbaute Batterien besser detektieren oder Prozesse so auslegen, dass Kurzschlussereignisse weniger wahrscheinlich werden. Auch wenn die Studie keine Vollkostenrechnung liefert, macht der Hinweis auf Versicherungsprobleme deutlich, dass die finanziellen Effekte nicht auf die unmittelbaren Einsatzkosten begrenzt sind. Damit wird das Thema für die Abfallwirtschaft zu einer Daueraufgabe – ähnlich wie bei anderen sicherheitsrelevanten Stoffströmen – und es bleibt abzuwarten, wie schnell Rückgabe- und Designanforderungen in der Breite greifen.
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