BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Vaper müssen bei E-Zigaretten-Liquids künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Geplant ist, dass ein Milliliter Liquid ab 2027 mit 38 Cent besteuert wird, später schrittweise bis 2030 auf 44 Cent. Branchenvertreter warnen zugleich vor stärkerem Schwarzmarkt und höheren Preisen auch wegen bereits angestoßener Kostensteigerungen. Die Entscheidung soll im Bundestag unmittelbar nach dem grünen Licht im Finanzausschuss folgen.

Die kommende Steuerreform trifft vor allem den Alltag von Konsumentinnen und Konsumenten, aber sie wirkt ebenso direkt auf Hersteller, Handel und Kontrolleure: Nach den Plänen der Koalitionsfraktionen Union und SPD soll die Tabaksteuer für E-Zigaretten-Liquids deutlich ansteigen. Konkret ist vorgesehen, dass ab 2027 ein Milliliter Liquid mit 38 Cent besteuert wird. Für die Jahre danach soll die Belastung schrittweise weiter hochgehen und bis 2030 bei 44 Cent liegen. Im Vergleich zur aktuellen Lage bedeutet das eine spürbare Preissensibilisierung, weil die Steuer nicht nur punktuell, sondern über die gesamte Produktmenge wirkt.
Die politische Dynamik dahinter folgt einer bekannten Logik: erst ein verabredeter Kurs, dann ein Anpassungslauf angesichts engerer Haushaltslage. Im ursprünglichen Entwurf nannte das Bundesfinanzministerium für das kommende Jahr nur einen Aufschlag um einen Cent auf 33 Cent. Dieser Satz sollte nach der ersten Linie bis 2030 jedes Jahr um einen Cent steigen. Nachdem die Haushaltszwänge jedoch größer wurden, haben Bundesregierung und Koalitionsfraktionen die Steuerpläne nachgeschärft und damit die jährliche Sprungbreite erhöht. Für viele Marktteilnehmer ist genau dieser Wechsel der entscheidende Punkt: Der Zuschlag fällt höher aus als zunächst kommuniziert.
Rechnerisch lässt sich die Belastung in Centbeträgen gut nachvollziehen, in der Praxis aber wird sie im Einkauf spürbar, weil die Liquidkosten typischerweise ohnehin in festen Gebinden und Verbrauchsraten auftreten. Laut dem Bundesfinanzausschuss-Umfeld und einem Beitrag aus der Debatte soll ein typisches 10-Milliliter-Liquid durch die zusätzliche Steuerbelastung in vier Jahren um 1,43 Euro teurer werden als derzeit. Der Hinweis auf das Timing ist dabei wichtig, denn die Reform ist mehr als ein Ein-Jahres-Update: Bis 2030 summiert sich der Effekt auf eine kontinuierliche Verteuerung. Der gleiche Mechanismus wird von Befürwortern wie Kritikern als Stellhebel gesehen, aber die Bewertung der Nebenwirkungen fällt unterschiedlich aus.
Während politische Debatten häufig auf erwartete Mehreinnahmen fokussieren, rückt die Branche vor allem den möglichen Ausweichhandel in den Mittelpunkt. Vertreter des Bündnisses für tabakfreien Genuss rechnen damit, dass ein Teil der Nutzerinnen und Nutzer auf illegale Bezugsquellen ausweichen könnte, weil schon frühere Anhebungen den Marktpreis nach oben gedrückt haben. Hintergrund: Die Tabaksteuer auf Vaping-Liquids wurde laut Darstellung bereits von 26 auf 32 Cent angehoben, wodurch sich die Preisspirale spürbar beschleunigte. Aus Sicht des Branchenumfelds ist damit die Schwelle für ein Umsteigen auf Schwarzmarktware bereits vorbereitet, und die nächste Steuerstufe könnte das Risiko weiter erhöhen.
Auch der Verband des eZigarettenhandels äußert starke Zweifel an der politischen Rechnung. Der Tenor lautet, dass der Schwarzmarkt der „große Profiteur“ sein könnte, weil illegale Anbieter Produkte typischerweise zu einem Bruchteil der regulären Preise verkaufen. Konkret wird argumentiert, dass der legale Fachhandel durch steigende Steuern sowie umfangreiche regulatorische und bürokratische Anforderungen belastet bleibt, während sich diese Hürden für illegale Anbieter nicht im gleichen Maße stellen. Winkler vom Verband des eZigarettenhandels bewertet die Steuererhöhungen deshalb als ein „Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt“ und befürchtet zudem, dass dadurch Jugend- und Verbraucherschutz untergraben und dem Staat relevante Steuereinnahmen entzogen werden.
Ein weiterer Faktor verschiebt die Debatte weg von der reinen Steuerhöhe: Vaping ist in Deutschland laut Darstellung bei schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen verbreitet, erhoben unter anderem im Rahmen einer Debra-Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der Trend wird in der Branche häufig mit der Positionierung als weniger schädliche Alternative zum Tabakrauchen begründet; gleichzeitig weisen Mediziner auf Gesundheitsrisiken hin. Damit prallen zwei Perspektiven aufeinander: Aus Sicht der Politik steht eine steuerliche Lenkung im Vordergrund, aus Sicht der Praxis steht die Frage im Raum, ob der zusätzliche Preisdruck eher zu mehr Kontrolle führt oder zu mehr Ausweichbewegungen. Für die nächsten Monate wird entscheidend sein, wie sich Preisniveau, Verfügbarkeit und Vollzug entwickeln, nachdem der Finanzausschuss dem Vorhaben bereits zugestimmt hat und die Abstimmung im Plenum für Donnerstagabend geplant ist.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine operative Konsequenz, die über das reine Pricing hinausgeht. Wenn Steuern in Centbeträgen pro Milliliter steigen, verschiebt sich die Kalkulation von Lagerhaltung, Einkauf, Handelsspannen und Planung von Promotions, und gleichzeitig steigt der Bedarf an belastbaren Forecasts, um zwischen Nachfrageeffekten und Substitutionsbewegungen durch den Schwarzmarkt zu unterscheiden. Zudem dürfte die Reform auch indirekt Auswirkungen auf die Argumentation im Handel haben: Wer weiterhin legal verkaufen will, muss Kundinnen und Kunden stärker als bisher von Herkunft und Qualität überzeugen. Ob die geplante Steuerkurve am Ende die gewünschte Wirkung entfaltet oder vor allem unerwünschte Schattenmärkte stärkt, wird sich weniger in den Zahlen des Steuerplans entscheiden als in den realen Marktreaktionen nach der Gesetzesabstimmung.
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