LONDON (IT BOLTWISE) – Babylon Labs hat auf Aaves Governance-Forum einen Vorschlag eingereicht, natives Bitcoin direkt als Sicherheiten zuzulassen. Damit soll der Umweg über Wrapped Bitcoin entfallen, weil die Coins im Bitcoin-Netzwerk in einem Skript verankert würden. Der Plan ist an Community-Feedback, einen Snapshot-Votum und anschließend eine verbindliche Aave-Verbesserungsentscheidung geknüpft. Für AAVE stellt sich damit die Frage, ob BTC-Halter tatsächlich in das Kreditangebot des Lending-Protokolls wechseln.

Babylon Labs will Aave näher an „native“ Bitcoin als Sicherheiten heranführen. Konkret geht es um einen Aave Request for Final Comment (ARFC), den das Bitcoin-Infrastruktur-nahen Team am 14. Oktober 2026 in Aaves Governance-Forum platziert hat. Im Kern fordert der Entwurf, dass Nutzer Bitcoin verwenden können, das auf der Bitcoin-Blockchain bleibt, ohne dass es zuvor in ein Wrapped-Asset überführt werden muss. Für die Aave-Nutzerseite würde das weniger Zwischenschritte bedeuten, während das Protokoll auf der Risikoseite neue Parameter ausarbeiten müsste, weil nativer Bitcoin technisch anders „eingezäunt“ wird als Token, die nur einen Preisindex abbilden.
Technisch setzt der Vorschlag an einem bekannten Praxisproblem an: Wrapped Bitcoin („wBTC“) ist in vielen DeFi-Setups die Standardbrücke, weil sie in EVM-Umgebungen handelbar und verlässlich abrechenbar ist. Dabei hält meist ein Verwahrer die echten Bitcoin, während der Smart-Contract ein Token ausgibt, das den Kursverlauf spiegelt. Babylon argumentiert dagegen mit einem anderen Sicherheitenmodell: Die Coins sollen direkt über ein Skript auf dem Bitcoin-Netzwerk „gesperrt“ werden, also ohne Custodian im Zwischenschritt. Aus Aave-Sicht würde das die Abhängigkeit von einer externen Custody-Struktur in der Sicherheitenkette reduzieren, dafür aber die Integration enger an Bitcoin-interne Mechanismen koppeln.
In der Marktbetrachtung wirkt die Initiative zudem zeitlich auffällig. Laut den im Ausgangstext genannten Kursständen legte AAVE in einem Monat um 32,5 % zu, während Bitcoin im gleichen Zeitraum um 7,8 % stieg. Gleichzeitig bleibt die Distanz zum Allzeithoch groß: AAVE notiert demnach 76,7 % unter seinem historischen Spitzenwert, während Bitcoin „nur“ 35,3 % darunter liegt. Diese Kombination ist für viele Investoren deshalb interessant, weil ein Erfolg der Governance-Story potenziell zu einem Nachfrageimpuls führen kann: Wenn BTC-Halter ihre Bestände in Aave als Sicherheiten einbringen, würde das die Nutzerbasis im Lending-Bereich erweitern und möglicherweise die Bedeutung von Aave in der „BTC-zu-Kredit“-Kette stärken.
Der Weg vom Vorschlag zur Implementierung ist jedoch bewusst mehrstufig. Zuerst läuft eine offene Community-Überarbeitung des detaillierten ARFC-Entwurfs, bevor überhaupt eine offizielle Entscheidung in die nächste Phase geht. Danach folgt ein Snapshot-Votum, also eine nicht bindende Umfrage von AAVE-Haltern außerhalb der Kette. Erst im letzten Schritt entscheidet ein verbindliches On-Chain-„Aave Improvement Proposal“ (AIP), welche Risikoparameter für die Integration gelten. Der Entwurf ergänzt außerdem zwei neue „Spokes“ für die kommende Aave-V4-Version; der Babylon-Spoke soll dabei nur natives Bitcoin als Sicherheiten akzeptieren. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob das Konzept für den Produktbetrieb hinreichend robust wird.
Entscheidend ist dabei nicht nur, wie Sicherheiten technisch „gesperrt“ werden, sondern wie Aave Liquidationen abbildet. Der ARFC hebt hervor, dass die Coins „nicht wrapped, bridged oder held by a custodian“ seien. In der Praxis sind Liquidationen aber weiterhin der kritische Teil jeder Kollateralstrategie: Wenn der Sicherheitenwert zu stark fällt, muss das Protokoll Mechanismen zur Risiko- und Verlustbegrenzung auslösen. Der Ausgangstext verweist darauf, dass auch bei wrapped Modellen Liquidationspfade existieren; für natives Bitcoin wird das Risikomodell deshalb wahrscheinlich neue Parameter für Schwellenwerte, Verarbeitungslogik und Timing erfordern. Interessant ist außerdem, dass es bereits im Verlauf des Jahres einen informellen Temperaturcheck gab, bei dem Aave-Nutzer grundsätzlich Unterstützung für die Idee signalisierten – die Governance-Schritte bleiben aber die eigentliche Hürde.
Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich aus der Diskussion vor allem ein Muster: Aave versucht, seine Sicherheitenvielfalt zu erhöhen, ohne dabei die Risikoaufsicht zu vernachlässigen. Wenn natives Bitcoin tatsächlich als Sicherheitenklasse ergänzt wird, könnte das zusätzliche Anwendungsfälle für Kreditmärkte eröffnen, etwa dort, wo BTC-Inhaber bisher aus operativen Gründen zögern mussten, weil sie Wrapped-Token-Prozesse oder Custody-Abhängigkeiten scheuten. Gleichzeitig steigt die technische Komplexität, weil Aave nun genauer erklären muss, wie die Brücke zwischen Bitcoin-Mechaniken und den Aave-Verträgen in der Praxis arbeitet. Für die nächsten Governance-Runden heißt das: Nicht die reine Token-Story entscheidet, sondern die vom AIP festgelegten Risiko-Parameter, die am Ende bestimmen, ob native Sicherheiten in der Breite stabil laufen.
Ob AAVE „besser“ als Bitcoin wird, hängt daher weniger von der Kursgrafik ab als von der Umsetzbarkeit und dem Governance-Ergebnis. Der im Ausgangstext genannte Zeitplan startet zwar bereits mit Community-Feedback und Snapshot, aber der binding On-Chain-Schritt bleibt offen. Sollte die Community die Integration genehmigen und die Risikoprüfung überzeugend ausfallen, könnte das Aave-Narrativ deutlich an Substanz gewinnen, weil es BTC-Halter direkt in den Kreditfluss ziehen will. Gleichzeitig bleibt der wahrscheinlichste Engpass die Liquidations- und Risikologie rund um das native Sicherheitenmodell. Genau dort entscheidet sich, ob aus einem technisch plausiblen Vorschlag ein belastbarer Betriebsstandard wird, der Nutzer tatsächlich dauerhaft anzieht.
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