LONDON (IT BOLTWISE) – XRP handelt nahe 1,29 US-Dollar und ringt weiter um die psychologisch wichtige Marke 1,30. Während der Markt auf den Tages-Charts klar unter Druck steht, deuten sinkende Leverage-Werte darauf hin, dass sich spekulative Übertreibungen abbauen. Gleichzeitig bleibt der Auftragsfluss im Derivatebereich verhalten, und Optionsmärkte preisen bis Ende Oktober eher Seitwärts- als Erholungsrally ein. Unklar ist daher, ob der aktuelle Rückzug nur Luft ablässt oder neue Verkaufsschübe vorbereitet.

Der Kurskampf um XRP spielt sich derzeit vor allem um eine einzige, gut beobachtete Zahl ab: Rund um 1,30 US-Dollar versuchen Käufer, eine kurze Erholung zu erzwingen, doch die Nachfrage bleibt nach wie vor zu dünn. Am 18. Oktober 2026 wird der Token in der Nähe von 1,29 gehandelt, nachdem er zuvor kurzfristig bis etwa 1,27 gefallen war. Auf der einen Seite zeigen die jüngsten Bewegungen eine typische Marktmechanik: Ein enger Unterstützungsbereich wird verteidigt, aber neue Käufe schaffen es nicht, den Ausbruch in einen nachhaltigen Trend umzuwandeln. Auf der anderen Seite liefert die Momentaufnahme aus dem Derivatemarkt einen wichtigen Zusatzkontext, denn dort sinkt die Leverage-Exponierung – ein Hinweis darauf, dass der Markt möglicherweise spekulatives Risiko reduziert statt aggressiv auf weitere Abwärtsbewegungen zu setzen.
Technisch betrachtet zeigt der Blick auf die 1-Stunden-Chart ein zähes Ringen um das psychologische Level 1,30. Nach dem kurzen Test bei 1,27 pendelt der Kurs zwischen etwa 1,29 und 1,305, wobei Käufer mehrfach versuchen, die Schwelle zurückzuerobern. Entscheidend ist dabei nicht nur das Überschreiten einer Marke, sondern die Fähigkeit, sie anschließend zu bestätigen: Ein klarer Schritt über 1,305 und ein Folgetag über 1,313 würde das kurzfristige Bild verbessern und rechnerisch Raum bis 1,34 eröffnen. Gelingt das nicht, wird der technische Hebel umgekehrt: Ein Bruch unter 1,285 würde 1,27 wieder in den Fokus rücken. Genau hier trennt sich oft eine Erholungsphase von einer bloßen Gegenbewegung, weil bei erneuter Schwäche die Liquiditätslage häufig rascher kippt als in einem stabilen Trend.
Auf der 4-Stunden-Ebene wird der Verkaufsdruck noch deutlicher, weil hier der Kursverlauf über mehrere Kerzen hinweg lesbar ist. XRP hat sich von ungefähr 1,413 in Richtung 1,29 zurückgezogen und dabei eine Folge niedrigerer Hochs und niedrigerer Tiefs aufgebaut, was in vielen Trendmodellen als fortgesetzter Abwärtsmodus interpretiert wird. Erholungsversuche stoßen wiederholt auf Widerstand unterhalb von 1,35, wobei der Bereich 1,31 bis 1,32 für Käufer die erste spürbare Hürde darstellt. Erst darüber wird es weiter: 1,34 bis 1,35 gilt als deutlich anspruchsvollere Barriere. Zusätzlich kommt ein weiteres Detail hinzu, das in solchen Phasen oft übersehen wird: Das Handelsvolumen ist während der Konsolidierung generell zurückgegangen. Wenn weder Käufer noch Verkäufer genug Überzeugung zeigen, entstehen häufig genau solche Seitwärtszonen, bevor entweder die eine oder die andere Seite den nächsten Impuls erzwingt.
Zoomt man auf die Tages-Chart, wird die Lage weniger komfortabel. Nach einer früheren Aufwärtsphase bis in den Bereich 1,657 hat XRP einen großen Teil dieser Gewinne wieder abgegeben und nähert sich erneut dem unteren Rand des jüngsten Handelsspannen-Korridors. Als nahe Unterstützung wird vor allem das Gebiet um 1,27 genannt; tiefer darunter liegen Bereiche um 1,248 bis 1,25, die für das Bull-Szenario deutlich wichtiger wären, aber aktuell wenig „Sicherheitsabstand“ bieten. Auf der Oberseite wäre die Rückeroberung von 1,40 bis 1,42 ein Signal, dass sich die Sequenz niedrigerer Hochs wieder auflöst. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht alle Indikatoren gleichermaßen pessimistisch sind: Der RSI liegt bei 34,65, Stochastics bei 9,04 und Williams %R bei minus 91,85 – Werte, die auf ein sich annäherndes oder bereits erreichtes Oversold-Fenster hindeuten. Dazu passt, dass CCI bei minus 114,23 und ein Momentum-Indikator bei minus 0,087 positive Signale aus der technisch gelieferten Zusammenfassung ziehen. Gleichzeitig bleibt MACD mit minus 0,036 negativ, was darauf verweist, dass der Abwärtsimpuls noch nicht eindeutig „umgekehrt“ ist.
Noch stärker fällt jedoch der Gegensatz zwischen Oversold-Anzeichen und den gleitenden Durchschnitten auf. XRP handelt unter mehreren wichtigen Moving-Average-Linien: unter der 10-Tage-EMA bei 1,3446, unter der 20-Tage-EMA bei 1,3828 und auch unter der 50-Tage-SMA bei 1,4148. In der gelieferten Auswertung sind 11 von 15 erfassten Moving Averages auf „negativ“ gesetzt, während drei positiv und einer neutral signalisiert. Ein kleiner Lichtblick existiert trotzdem: Die 100-Tage-SMA bei 1,2764 und die 200-Tage-SMA bei 1,2795 liegen unter dem aktuellen Preis und bilden damit eine schmale technische Stützzone, die in einer erneuten Verkaufswelle zwar brechen kann, aber eben auch als Puffer dienen könnte. Genau diese Spannung – Oversold-Möglichkeit versus weiterhin unterdurchschnittlicher Kurs – bestimmt aktuell, warum das Marktbild „gemischt“ bleibt, obwohl viele Linien im ersten Moment bärisch wirken.
Auch der Derivatemarkt sendet Signale mit zwei Ebenen. Laut dem Derivatives-Snapshot beträgt das offene Futures-Volumen rund 2,77 Milliarden US-Dollar, entsprechend etwa 2,14 Milliarden XRP; innerhalb von 24 Stunden sinkt das Open Interest um 1,32%. CME führt mit 494,04 Millionen US-Dollar, dicht gefolgt von Binance mit 491,05 Millionen US-Dollar; beide zusammen decken rund 35,6% des gemeldeten Futures-Totals ab. Interessant ist die zweite Ebene: Die Leverage-Schätzung bei Binance ist Richtung 0,17 zurückgegangen, nachdem sie Ende September nahe 0,23 lag. In der Praxis kann ein Rückgang von Open Interest und gleichzeitig fallender Leverage dafür sprechen, dass Positionen geschlossen werden und weniger neue, stark gehebelte Wetten aufgebaut werden. Das bedeutet nicht automatisch „Bullish“, kann aber das Risiko von erzwungenen Liquidationen senken, die in schnellen Abwärtsphasen zusätzliche Volatilität erzeugen. Dazu passt auch das Orderflow-Bild: Das taker buy/sell ratio liegt bei 0,883, also verkaufen Marktteilnehmer, die sofort handeln, tendenziell aggressiver als sie kaufen.
Ergänzend runden Options- und Prediction-Märkte das Stimmungsbild ab. In den Daten wird für den 23. Oktober ein „max pain“-Level von 1,26 genannt – rechnerisch etwa 2,6% unter dem dargestellten Kurs um 1,293. Max pain beschreibt dabei den theoretischen Ausgleichspunkt, an dem die aggregierten Verluste für Optionsinhaber tendenziell am höchsten ausfallen. Auf den Plattformen für implizite Prognosen liegt XRP im Oktober ebenfalls eher unter Beobachtung als im Aufbruch: Bei Polymarket erhält der Zielwert 1,20 eine implizite Wahrscheinlichkeit von 50%, während 1,40 mit 44% und 1,60 nur noch mit 10% bepreist sind. Kalshi zeigt ein ähnliches Muster: Im Markt für „October high price“ wird ein Forecast von 1,50 genannt, 20 Cent unter dem vorherigen Niveau, mit 16% Wahrscheinlichkeit für Überschreiten von 1,60. Für eine konkrete technische Einordnung bleibt damit die Kernfrage: Wenn XRP die Region um 1,285 nicht zurückerobert und die Widerstände zwischen 1,31 und 1,35 nicht nennenswert überwunden werden, bleibt eine erneute Belastung plausibel. Sollte sich aber ein Ausbruch über 1,313 mit besserem Volumen etablieren, wäre der Weg Richtung 1,34 bis 1,35 zumindest kurzfristig wieder offen – und eine Rückeroberung von 1,40 würde das Bull-Szenario spürbar stärken.
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