LONDON (IT BOLTWISE) – Antigravity senkt die Einstiegshürde für seinen A1-Drohnenassistenten: Das neue „Follow Me“-Kit kostet in den USA 799 US-Dollar statt 1.599 US-Dollar für das Komplett-Setup. Anstelle von FPV-Brille und Motion-Controller übernimmt eine Smartwatch die Steuerung, ergänzt um einen Ring zum Start und zum einhändigen Positionieren. In Tests fährt die Drohne als „Robot-Cameraman“ automatisch nach, filmt und weicht Hindernissen aus, bleibt aber noch bei komplexen Szenen hinter der Erwartung zurück.

Antigravity zielt mit dem neuen „Follow Me“-Kit klar auf ein Problem, das viele Einsteiger bei Drohnen spüren: Das Fliegen wirkt schnell wie ein Videospiel – bis man das zusätzliche Setup aus FPV-Brille und Motion-Controller überhaupt aus dem Karton bekommt. Während das bisherige A1-Setup für den Einstieg eher nach Ausrüstung als nach Produkt aussah, reduziert der Hersteller die Hardwarekette auf eine Smartwatch plus einen Ring. Das passt zur Kernidee des A1: nicht „erst filmen, dann hoffen“, sondern die Drohne als begleitenden Kameramann agieren lassen, der automatisch folgt und in Bewegung gefilmt wird.
Preislich ist der Schritt deutlich: 799 US-Dollar in den USA für das Follow-Me-Kit, das die ursprünglichen FPV-Komponenten ersetzt. Im Vergleich dazu nennt der Bericht ein altes Gesamtpaket von 1.599 US-Dollar und damit eine schmerzhafte Lücke zwischen „Ich will das testen“ und „Ich habe Lust auf das ganze FPV-Ökosystem“. Technisch wird diese Lücke vor allem über eine andere Eingabe- und Startlogik geschlossen: Statt erst einen sicheren Platz für eine Brille zu organisieren und den Kopf zum Sichtgerät auszurichten, zieht man Drohne und Wearable aus der Tasche, startet die Drohne per Knopfdruck aus der Hand und geht dann zu Fuß oder fährt auf einem Scooter los.
Auf der Steuerseite setzt Antigravity auf einfache Interaktionen mit dem Touchscreen der Uhr. Nutzer bekommen eine wischbare Vorschau dessen, was die Drohne sieht, und können dort Quickshots auswählen. Für manuelle Korrekturen stellt die Oberfläche zusätzliche Schieber bereit, etwa um vorwärts/rückwärts zu steuern oder beim Auf- und Absteigen nachzusetzen, falls das automatische System nicht in jedem Moment eine ideale Position findet. Der Ring ergänzt dabei vor allem die Einhändigkeit: Er soll Start und Repositionieren vereinfachen, ohne dass man die Uhr ständig bedienen muss. Damit reduziert sich die Friktion besonders in Situationen, in denen man sich selbst zuerst in Szene setzen möchte – die Drohne wird zum Hintergrund-Assistenzsystem.
Im Feldtest zeigt sich jedoch, dass „Follow Me“ nicht automatisch gleich „autonom wie im Film“ bedeutet. Nach mehreren Crash-Vorfällen bleibt der A1 in komplexen Umgebungen noch zu wenig robust: Er ist nicht in allen Fällen intelligent genug, um Hindernisse zuverlässig zu meiden oder dauerhaft am Nutzer „dranzubleiben“. Außerdem gibt es Situationen, in denen die Drohne ihre Einschätzung über die eigene Höhe zu stark verallgemeinert – etwa, wenn nach dem Überfahren eines Hügels die Erkennung dazu führt, dass das Folgen und Filmen nicht wie erwartet einsetzt. Auch beim Landen und Tracking fehlen im Alltag noch ein paar Punkte: Das automatische Starten des Trackings erfordert mehrere Aktionen über die Watch-Oberfläche, und ein automatisches Landen auf der Hand funktioniert nicht ohne Wechsel in den manuellen Modus.
Trotz der Schwächen erkennt der Bericht klare Pluspunkte. So gibt es neue Propeller-Schutzbügel in Full-Coverage, die bei Kontakt mit Hindernissen offenbar dafür sorgen können, dass die Drohne abprallt und weiterfliegt. Außerdem macht die Uhr bzw. die Watch-Software das Nachholen von Inhalt leichter: Nach einem Crash spielt das System die letzten Sekunden des aufgezeichneten Materials automatisch ab, wodurch man das Gerät schneller wiederfinden und den Ablauf besser einordnen kann. In einem dichten suburbanen Testumfeld folgte die Drohne zudem „durchgehend“ so weit, dass der Nutzen für reale Alltagsmotive sichtbar bleibt – mit der Einschränkung, dass Nutzer weiterhin umsichtig agieren müssen, etwa im Bereich von Stromleitungen, dünnen Ästen oder den vertikalen Abspannseilen von Masten.
Für die Marktpositionierung ist die Gegenüberstellung mit etablierten Selfie-Drohnen interessant: Antigravity wird im Bericht mit einer faltbaren Variante eines Systems verglichen, das früher auch bei Consumer-Nutzern sehr präsent war, bevor der Fokus stärker in Richtung Industrie verschoben wurde. Genau hier liegt die strategische Lücke: Viele Nutzer wollen keine schwere Drohne, die man jedes Mal aufbauen muss, sondern ein Gerät, das sich wie ein Gadget transportieren lässt. Der A1 in seiner „Follow Me“-Ausführung versucht diese Lücke zu schließen, ohne dass die Bedienung auf FPV-Trainingscamp-Niveau bleibt. Das macht den A1 besonders für Zielgruppen attraktiv, die mehr Wert auf spontane Clips legen als auf das eigene Kameramanagement.
Aus Anwendersicht hängt der Mehrwert am Ende an zwei praktischen Faktoren: Erstens, ob die KI-gestützte Follow-Logik in typischen Bewegungsprofilen zuverlässig bleibt, also beim Gehen, Scooter-Fahren und in leicht unübersichtlichen Straßenabschnitten. Zweitens, wie gut die Kombination aus Wearable-UI, manuellen Notfall-Controls und Sicherheitskomponenten funktioniert, wenn die Physik doch mal schneller ist als der Algorithmus. Wenn Antigravity die in den Tests erkennbaren Hürden bei Hindernisvermeidung, Tracking-Stabilität und Start/Tracking-Workflow nachschärft, könnte das 799-US-Dollar-Modell den Einstieg so vereinfachen, dass „einfach mitgehen und filmen lassen“ vom Versuch zum Routinefall wird.
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