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ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Caritas Pflege Steiermark erhält für ihre Bewegungsförderung im Alltag das Mobilitätssgütesiegel. Das Projekt wird im Pflegewohnhaus Neumarkt umgesetzt und von Styria vitalis begleitet. Digitale virtuelle Spaziergänge ergänzen dabei klassische Übungen, während ehrenamtliche Begleitung und aufsuchende Hilfen in weiteren Regionen Mobilität im Alltag stärken. Parallel laufen Wettbewerbs- und Konferenztermine, die die Ideen in den Fokus der Age-Tech-Community rücken.

Mobilität im Alter: Siegel für Caritas Pflege Steiermark und neue Praxisprojekte
Mobilität im Alter: Siegel für Caritas Pflege Steiermark und neue Praxisprojekte (Foto: IT BOLTWISE)
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Mobilität ist in der stationären wie auch in der ambulanten Altenhilfe längst mehr als ein Komfortthema. In der Praxis entscheidet sie darüber, ob Menschen ihren Tagesablauf selbstbestimmt gestalten können, und sie beeinflusst spürbar, wie körperlich belastbar Alltagssituationen bleiben. Vor diesem Hintergrund hat die Caritas Pflege Steiermark für eine gezielte Bewegungsförderung im Pflegealltag das Mobilitätssütesiegel erhalten. Verliehen wurde die Auszeichnung im Pflegewohnhaus Neumarkt, verbunden mit dem Ziel, die Eigenständigkeit sowie die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig zu stärken. Damit wird ein Ansatz sichtbar, der weniger auf Einmalaktionen setzt, sondern Bewegung als wiederkehrenden Baustein in Routinen verankert.

Technisch-fachlich interessant ist dabei vor allem, wie das Projekt im Alltag organisiert wird. Das im Pflegewohnhaus umgesetzte Vorhaben wird von Styria vitalis begleitet; für die praktische Durchführung stehen geschulte Pflegeassistentinnen (Laura Fussi und Viktoria Demmelbauer) bereit, während ein Physiotherapeut (Gregor Gube) die fachliche Unterstützung übernimmt. In solchen Strukturen steckt ein Hebel, der in vielen Einrichtungen unterschätzt wird: Bewegung scheitert selten daran, dass es keine Übungen gibt, sondern daran, dass sie nicht in die vorhandenen Abläufe, Verantwortlichkeiten und Sicherheitsstandards integriert werden. Dass im Rahmen der Verleihung Urkunden an teilnehmende Bewohnerinnen und Bewohner übergeben wurden, deutet außerdem auf einen psychologischen Wirkmechanismus hin: Anerkennung wirkt motivierend, gerade wenn Mobilität durch Schmerzen, Erschöpfung oder Angst vor Stürzen zusätzlich gehemmt ist.

Parallel zu dieser wohnortnahen Umsetzung wird sichtbar, wie digitale Innovationen und soziale Formate zusammenwirken können. Für den Age Innovation Prize 2026 wurde das Projekt Movoya nominiert, und zwar gemeinsam durch das IAF Institut für Altersforschung der OST sowie die Age-Stiftung. Die Initiative zielt auf Social Innovation und steht auf der Shortlist; konkret geht es um virtuelle Spaziergänge sowie zusätzliche Bewegungseinheiten in Pflegeheimen. Entscheidend ist hier die Einbettung: Virtuelle Inhalte ersetzen nicht die körperliche Aktivität, sondern sollen sie ergänzen und niedrigschwelliger machen. Das passt zu einer breiteren Entwicklung in der Age-Tech-Landschaft, in der sich digitale Angebote zunehmend an Alltagsnutzungslogiken orientieren müssen – etwa an kurzen, gut planbaren Einheiten statt an komplexen Trainingsprogrammen.

Der Wettbewerbsrahmen zeigt zudem, wie schnell solche Ansätze in den professionellen Austausch rücken. Die Jury-Pitches für den Age Innovation Prize fanden am 2. September bei Swisscom in Zürich statt; die Bekanntgabe der Gewinner ist für den 12. November auf der Swiss AgeTech Konferenz in Zürich vorgesehen. Für Entscheiderinnen und Entscheider in Pflege, Kommunen und Trägerorganisationen ist das relevant, weil es die Innovationspfade bündelt: In kurzer Zeit treffen dort Praxisverantwortliche, Forschung und potenzielle Umsetzungspartner aufeinander. Gleichzeitig demonstrieren die Beispiele außerhalb der Kategorie Social Innovation, dass Mobilität auch über klassische soziale Kontakte und logistische Unterstützung funktioniert. In Essen etwa begleiten ehrenamtliche Spazierpaten bis zu 700 Seniorinnen und Senioren pro Woche; die Wege führen unter anderem zum Baldeneysee oder durch Waldgebiete, um Aktivität im Alter aufrechtzuerhalten.

Besonders greifbar wird die Umsetzung dort, wo Mobilität nicht nur „angeboten“, sondern aktiv ermöglicht wird – etwa über Transport- und aufsuchende Hilfen. Die Rundschau-Altenhilfe spendete drei Fahrzeuge der Marke Ford an drei Altenpflegeeinrichtungen der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO). Bei der Übergabe im Autohaus R& S Mobile in Köln-Chorweiler erhielt das GFO Zentrum Engelskirchen einen Neunsitzer, weitere Fahrzeuge gingen an das GFO Zentrum Klostergarten Bornheim (Ford Transit) sowie an das GFO Zentrum Bad Honnef. Der Nutzen ist klar definiert: Ausflüge und Arztfahrten sollen für Bewohnerinnen und Bewohner erleichtert werden. Damit wird ein Grundproblem vieler Pflegekontexte adressiert: Selbst wenn Bewegung im Alltag intern organisiert ist, bleibt der Zugang zu externen Wegen, Terminen und sozialen Anlässen häufig der Engpass.

Auch in anderen Regionen wird der Zugang über praktische Formate gestaltet. In Niedersachsen starteten die Malteser Osnabrück am 15. September in Stadtteilen wie Dodesheide, Haste und Sonnenhügel ein Projekt mit einem mobilen Einkaufswagen. Zusammen mit der Nachbarschaftshilfe Dodesheide-Haste-Sonnenhügel und dem Netten Quartier wurden Fahrgäste mit Rollatoren abgeholt, um den Einkauf in der Mönkedieckstraße zu begleiten; die Fahrten sind für Teilnehmende kostenfrei. In München verfolgt das Gesundheitsreferat mit „THEA mobil – Therapie und Hilfe im Alltag für ältere Menschen“ einen aufsuchenden therapeutischen Ansatz: Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten behandeln Menschen ab 60 Jahren direkt im häuslichen Umfeld. Solche Modelle sind für Organisationen auch deshalb interessant, weil sie Versorgungslücken dort schließen, wo Transport, Terminorganisation oder physische Einschränkungen sonst zum Abbruch führen – und weil sie häufig ohne lange Umwege über die eigene Einrichtung hinaus wirken.

Schließlich lässt sich Mobilitätsförderung auch als Teil einer breiteren kommunalen Planung verstehen, die soziale Teilhabe und Einsamkeit aktiv adressiert. In Brandenburg an der Havel kooperieren die Lafim-Diakonie und RENAFAN seit sieben Jahren im Projekt „Offenes Gartentor“: Gruppen aus einer Kita und einer benachbarten Pflegeeinrichtung treffen sich wöchentlich zum Malen, Singen, Basteln und Spielen. Daraus entstanden rund 20 Bilder zum Thema „Jung und Alt“, die ab dem 26. Oktober in der Kita und ab der ersten Novemberwoche in der Pflegeeinrichtung ausgestellt werden. Gleichzeitig rücken Analysen auf Landkreisebene die strategischen Herausforderungen in den Fokus: Im Landkreis Miltenberg berieten am 13. und 14. Oktober 2026 über 50 Fachleute in Workshops über die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts, inklusive Themen wie Einsamkeit, Altersarmut, Fachkräftemangel in der Pflege und fehlendem barrierefreiem Wohnraum. Auch wenn in den beschriebenen Initiativen keine Künstliche Intelligenz als alleiniger Treiber genannt wird, zeigt die Kombination aus digitalen Elementen, ehrenamtlicher Unterstützung und aufsuchender Versorgung eine Richtung, in die KI-gestützte Assistenzsysteme später problemlos hineinwachsen könnten – nämlich als Ergänzung zu menschlich organisierten Prozessen statt als Ersatz.


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