ISMANING / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Unfallforscher der Allianz sehen Ablenkung beim Autofahren als deutlich größere Gefahr als bislang angenommen. In einer Studie zum jährlichen „Autotag“ in Ismaning koppelt das Allianz-Zentrum für Technik das Risiko mit der zunehmenden Digitaltechnik im Fahrzeug. Besonders kritisch wird die Verlagerung sicherheitsrelevanter Funktionen auf Touchscreens eingeordnet. Aus den Simulationen ergibt sich: In bestimmten Situationen steigt das Unfallrisiko bei abgelenkten Fahrern deutlich stärker als durch einzelne Annahmen der Unfallstatistik nahelegen.

Auffällig ist, wie stark die Debatte um Ablenkung im Straßenverkehr bislang von der Bedienung „außerhalb des Autos“ geprägt war. Die Allianz-Unfallforscher rücken in ihrer Studie zum jährlichen „Autotag“ in Ismaning dagegen das Fahrzeug selbst in den Fokus: Mit jeder zusätzlichen digitalen Interaktionsfläche wächst die Zahl der Situationen, in denen Aufmerksamkeit nicht unmittelbar dem Verkehrsgeschehen gilt. Grundlage sind nach Angaben der Fachleute umfangreiche Computersimulationen des Fahrverhaltens sowie die Auswertung von rund siebzig einschlägigen Studien. Damit versucht das Allianz-Zentrum für Technik (AZT) ein Problem zu lösen, das auch in der Praxis immer wieder auftaucht: Reale Autodaten zeigen häufig nicht verlässlich, ob und wie stark ein Fahrer gerade abgelenkt war.
Technisch betrachtet kombiniert die Modellierung eine Vielzahl so genannter „Fahrertypen“, die von aufmerksam bis abgelenkt reichen, zusätzlich auch Situationen mit Alkohol am Steuer. Besonders relevant ist dabei, dass nicht nur Ablenkung als isolierter Faktor betrachtet wird, sondern das Zusammenspiel mit Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit. Für die Modellierung der Wahrnehmung arbeitet die Studie mit einem Ansatz, den die Autoren als „kognitive KI“ beschreiben. Gerade diese Kopplung ist entscheidend, weil Ablenkung im Alltag selten als binärer Zustand auftritt, sondern als Leistungsabfall über Zeit und unter wechselnden Umständen.
Konkrete Ergebnisse machen die Argumentation greifbar. Wenn ein Fahrer bei einer Vollbremsung des Vordermanns abgelenkt ist, kommt es in der Modellrechnung in über der Hälfte der Fälle zu einem Auffahrunfall: Genannt werden 54,3 Prozent. Sind die Fahrer nicht abgelenkt, sinkt dieser Anteil deutlich auf weniger als ein Fünftel, nämlich 18,2 Prozent. Auch bei unvermittelt die Fahrbahn querenden Kindern steigt das Risiko in der Simulation von 3,9 auf 11,2 Prozent, sobald die Ablenkung hinzukommt. In einzelnen Szenarien fällt das berechnete Risiko bei Ablenkung sogar höher aus als bei einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille – eine Gegenüberstellung, die den gesellschaftlichen Vergleich, den die Allianz anstößt, bewusst zuspitzt.
Der Punkt trifft auch auf die Kluft zwischen Simulation und Statistik. Laut polizeilicher Unfallursachenstatistik würden Ablenkungen etwa 1,5 Prozent der Unfälle verursachen, heißt es in der Studie. Die Allianz hält diese Zahl jedoch für nicht realitätsnah, weil die Ursachenlage in der Erfassung häufig nicht die tatsächliche Aufmerksamkeitslage abbildet. Interessant ist außerdem, dass das AZT nicht bei der Theorie stehen bleibt: Das Zentrum gilt seit Jahrzehnten als etablierte Adresse der Verkehrssicherheitsforschung in Deutschland, und in den 1970er Jahren seien AZT-Untersuchungen maßgeblich bei der Einführung von Gurtpflicht und Helmpflicht für Motorradfahrer gewesen. Diese historische Einordnung passt in den aktuellen Kontext: Wenn sich die Technik im Fahrzeug ändert, müssen Sicherheitsannahmen nachziehen.
Als zentralen Auslöser nennt die Allianz die Autoindustrie selbst – genauer: den Umgang mit Bedienkonzepten in der Ära der Digitaltechnik. Das Argument lautet nicht, dass Touchscreens per se schlecht sind, sondern dass die Einsparung klassischer Bedienknöpfe die Bedienhandlung in Situationen verlagert, in denen Fahrer die Straße eigentlich „automatisch“ im Blick haben sollten. Als Beispiel wird die verschobene Bedienung auf Displays genannt; dadurch können entscheidende Sekunden vergehen, während Nutzer tippen oder wischen. Die Studie kritisiert, dass Ablenkung durch Design „quasi verbaut“ sei, und schlägt eine klare Sicherheitslogik vor: Fünf sicherheitsrelevante Funktionen sollten über physische Schalter bedienbar bleiben – konkret werden Licht, Scheibenwischer, Blinker, Warnlicht und die Scheibenbelüftung (Defog) genannt.
Dass die Diskussion nicht nur technisch, sondern auch kulturell und nutzerzentriert ist, zeigen die Begleitdaten aus einer Umfrage mit 1.200 Autofahrerinnen und Autofahrern. Danach bevorzugen 70 Prozent hergebrachte Schalter und Tasten, und zwar auch bei jüngeren Teilgruppen unter 30 Jahren. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) erwarten zudem, dass die fortschreitende Digitalisierung das Risiko der Ablehnung erhöht. Entscheidend ist dabei der zweite Teil der Handlungslogik: Die Allianz fordert nicht nur „weniger“ Bedienung am Touchscreen, sondern auch „mehr“ aktive Unterstützung durch das Fahrzeug. In einer gefährlichen Situation soll das System den Fahrer dabei unterstützen, die Aufmerksamkeit sofort wieder auf den Verkehr zu richten – etwa durch eine umgehende Warnung und eine Vermeidung der Touchscreen-Bedienung.
Für Unternehmen in der Entwicklung von Assistenzsystemen, Infotainment und HMI-Design (Human-Machine-Interface) steckt darin eine klare Konsequenz. Wer KI-Modelle und Fahrerassistenz plant, sollte Ablenkung nicht als Randparameter behandeln, sondern als determinierenden Faktor für Wahrnehmung und Reaktionspfade in Test- und Validierungsprozessen. Gleichzeitig erhöht die Forderung nach physischer Bedienbarkeit den Druck auf Produktteams, Touch-Interaktionen nicht pauschal zu ersetzen, sondern nach Sicherheitsrelevanz zu segmentieren. Unterm Strich verschiebt die Allianz damit die Debatte: weg von „Handy am Steuer“, hin zu einem systemischen Blick darauf, wie Fahrzeugdesign und Interaktionszeiten die Unfallwahrscheinlichkeit prägen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Allianz warnt: Ablenkung durch digitale Technik im Auto deutlich unterschätzt" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Allianz warnt: Ablenkung durch digitale Technik im Auto deutlich unterschätzt" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Allianz warnt: Ablenkung durch digitale Technik im Auto deutlich unterschätzt« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!