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MANNHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Ehepaar aus Mannheim lebt mit der Alzheimer-Erkrankung von Barbara Edel und plant für das kommende Jahr den Umzug in betreutes Wohnen. Parallel wollen die beiden nach eigenen Angaben einen gemeinsamen assistierten Suizid umsetzen. Die Entscheidung knüpfen sie an ihre Einschätzung zur späteren Entscheidungsfähigkeit und an vorsorgliche Absprachen. Der Text zeigt damit, wie eng bei Demenz medizinische Betreuung, Pflegeplanung und rechtliche Instrumente wie Vorsorgevollmacht zusammenhängen.

Alzheimer in Mannheim: Ehepaar plant assistierten Suizid und betreutes Wohnen
Alzheimer in Mannheim: Ehepaar plant assistierten Suizid und betreutes Wohnen (Foto: IT BOLTWISE)
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In Mannheim bündelt sich bei Barbara Edel und Hans-Jörg Liebert gleich eine ganze Reihe von Themen, die im Alltag von Demenzkranken häufig erst sehr spät konkret werden: Wohnform, Pflegeorganisation, familiäre Rollen und am Ende auch die Frage nach dem Lebensende. Beide nennen einen Umzug in eine Einrichtung für betreutes Wohnen als Plan für das kommende Jahr. Gleichzeitig spricht das Paar offen von einem gemeinsamen assistierten Suizid. Damit wird aus einer zunächst medizinisch erklärbaren Diagnose eine langfristige Managementaufgabe, die nicht nur an Symptomen hängt, sondern an Timing, Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit.

Die ersten Veränderungen blieben laut Schilderung des Paares lange unauffällig, weil Alltagsroutinen zunächst weiter funktionierten. Edel kümmerte sich früher unter anderem um Konzertbesuche, Tickets und Treffen mit Freunden. Vor etwa zehn Jahren soll Liebert jedoch bemerkt haben, dass sie diese Aufgaben zunehmend nicht mehr übernahm. Rückblickend ordnen beide diese Lücken als frühe Anzeichen ein. Die Diagnose erhielt Edel im September 2023; zuvor hatten sich Vergesslichkeit und Schwierigkeiten im Alltag verstärkt, etwa als sie beim Gang in den Keller eine zusätzlich gewünschte Flasche Wein nicht mitbrachte.

Mit der Diagnose verschiebt sich das Gefüge im Paar spürbar. Liebert organisiert inzwischen das soziale Leben und beschreibt die wachsende Verantwortung mit der Angst, dass seine Frau ihn eines Tages nicht mehr erkennen könnte. Für viele Angehörige ist genau diese Mischung aus praktischer Belastung und emotionaler Unsicherheit besonders schwer, weil sie sich nicht in einem festen Zeitplan beruhigen lässt. Edel wiederum berichtet nach einem Erlebnis beim Autofahren, bei dem sie den Weg nicht mehr fand, dass sie nicht mehr selbst fahren kann. Dennoch bleibt sie aktiv: Sie besucht weiterhin ein wöchentliches Treffen für Menschen mit Demenz, fährt mit dem Fahrrad zur Tagespflege und spielt mit ihrem Mann Scrabble. Diese Kombination aus Unterstützung und eigener Beteiligung illustriert, warum Demenzversorgung oft nicht nur „Übernahme von Aufgaben“, sondern auch das Erhalten von Rollen und sozialen Anknüpfungspunkten bedeutet.

Für das geplante betreute Wohnen geht es dem Paar nicht um eine reine Auslagerung von Pflege. Liebert ist erneut an Krebs erkrankt, und beide hoffen, dass Edel in der Einrichtung auch dann Unterstützung bekommt, wenn ihm etwas zustößt. In der Praxis heißt das: Wohn- und Betreuungsstrukturen werden so gewählt, dass sie unterschiedliche Krisen abdecken können, ohne dass im Ernstfall erst aufgebaut werden muss, wer welche Aufgabe übernimmt. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz; die Alzheimer-Krankheit gilt nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft als häufigste Ursache. Mit dem Alter steigt das Erkrankungsrisiko deutlich, und über die Zeit nehmen nicht nur Orientierung und komplexe Alltagsaufgaben ab, sondern auch Selbstständigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Dadurch verlagert sich die Rollenverteilung in Familien zunehmend in Richtung Organisation, Arztkontakte, Behördenangelegenheiten und häufig auch Pflege.

Beratungsstellen, Tagespflege und betreute Wohnformen setzen genau hier an: Sie sollen Belastung abfedern, aber auch soziale Kontakte der Erkrankten erhalten. Der geplante Umzug wirkt deshalb wie eine praktische Vorsorge, bevor die häusliche Versorgung an Grenzen stößt. Gerade bei fortschreitender Demenz ist der Spielraum für Entscheidungen und Absprachen oft zeitlich begrenzt. Gleichzeitig greifen rechtliche Instrumente erst dann sinnvoll ineinander, wenn sie frühzeitig genutzt und in den Alltag übersetzt werden. Neben medizinischer Begleitung werden im Text ausdrücklich Pflegeberatung, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und palliative Angebote genannt. Der zentrale Punkt dahinter: Alzheimer ist nicht nur eine Diagnose, sondern ein Auslöser für Entscheidungen über Betreuung, Partnerschaft, Wohnen und das Lebensende.

Der assistierte Suizid ist in diesem Kontext rechtlich und ethisch besonders sensibel, weil es um Fragen nach Entscheidungsfähigkeit, Freiverantwortlichkeit und möglichen Einflussfaktoren durch die Erkrankung geht. In Deutschland ist Hilfe zur Selbsttötung unter bestimmten Voraussetzungen nicht generell strafbar; entscheidend sind dabei konkrete Voraussetzungen wie freiverantwortliches Handeln ohne Druck. Für Betroffene mit Demenz gewinnt die zeitliche Vorsorge deshalb eine besonders starke Bedeutung, weil die Fähigkeit zu einer selbstbestimmten Entscheidung im Verlauf abnehmen kann. Genau an dieser Stelle entsteht für Angehörige häufig ein zusätzlicher Druck: Sie sollen unterstützen, ohne zu drängen, und zugleich Sicherheit schaffen, falls die kommunikative und kognitive Kontrolle abnimmt. Im Fall von Edel und Liebert wird deshalb die Grenze als persönliche Instanz beschrieben, nämlich der Zeitpunkt, an dem Edel ihren Mann sowie ihre Kinder und Enkelkinder nicht mehr erkennen würde.

Was dieser Bericht über Mannheim vor Augen führt, ist die Verzahnung von medizinischer Entwicklung und organisatorischen sowie juristischen Vorbereitungen. Wenn Alzheimer das gemeinsame Leben verändert, betrifft das nicht nur die täglichen Handgriffe, sondern auch die Frage, wie Entscheidungen später überhaupt noch getroffen werden können. Das Paar versucht, Wohn- und Unterstützungsstruktur zeitlich so vorzubereiten, dass beide trotz paralleler gesundheitlicher Risiken handlungsfähig bleiben. Für andere Familien ist das ein Signal, frühzeitig über Zuständigkeiten, Unterstützungsangebote und Vorsorgedokumente zu sprechen – nicht als abstrakte Theorie, sondern entlang konkreter Situationen: Welche Aufgaben übernimmt wer? Welche Angebote greifen, wenn das Fahren nicht mehr geht? Und wie lässt sich Freiverantwortlichkeit sichern, solange sie noch gegeben ist.

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