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LONDON (IT BOLTWISE) – Eine zwischen Oktober 2025 und April 2026 beobachtete Kampagne zielt auf Linux-Infrastruktur staatlicher Stellen. Forschende ordnen die Aktivitäten dem Cluster CL-UNK-1211 zu und beschreiben den Einsatz großer Sprachmodelle sowie automatisierter KI-Agenten zum Generieren und Einbetten schädlicher Skripte. Im Zentrum steht ein Go-basierter Trojaner namens SysGoRAT, der über WebSocket mit einem fest eincodierten Command-and-Control-Server kommuniziert. Dazu kommen Webshells, Manipulation von Persistenzmechanismen und Versuche, Schutz- und Logfunktionen zu umgehen.

SysGoRAT: KI-generierte Skripte für Angriffe auf Linux-Regierungsserver
SysGoRAT: KI-generierte Skripte für Angriffe auf Linux-Regierungsserver (Foto: IT BOLTWISE)
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Die neue Angriffswelle zeigt vor allem eins: KI-gestützte Automatisierung landet nicht nur im „Labor“, sondern wird zunehmend direkt in operative Workflows für Post-Exploitation überführt. In der beschriebenen Kampagne wurden Linux-Umgebungen eingesetzt, die mit Regierungsstrukturen oder staatsnaher Infrastruktur verbunden sein sollen. Beobachtet wurde das Vorgehen von Oktober 2025 bis April 2026; als Cluster-Bezeichner dient CL-UNK-1211, wobei „CL“ für Cluster steht und „UNK“ für unbekannte Motivation. Dass der Fokus auf Linux liegt, ist dabei weniger ein Detail als ein strategischer Hebel: Linux-Server sind häufig der Kern für Authentifizierung, Mail-Routing und interne Datenbanken – genau dort entstehen die größten Möglichkeiten, später Credentials abzugreifen oder Zugriffe längerfristig aufrechtzuerhalten.

Technisch auffällig ist die Verbindung klassischer Recon- und Persistence-Methoden mit KI-accelerierten Skriptbaukästen. Die Forschenden beschreiben den Einsatz großer Sprachmodelle (LLMs) und/oder automatisierter KI-Agenten, um Payloads zu erzeugen und anschließend auszuführen. An mehreren Stellen fällt nicht nur die Funktionalität der Skripte auf, sondern auch ihre „Lesbarkeit“: Mehrere Dateien enthielten konversationelle, schrittweise Begründungsnotizen, die offenbar den Code dem Operator erklären sollten. Das wird als Hinweis gewertet, dass der schädliche Code entweder direkt aus Prompt-Ausgaben übernommen oder von einem Agenten nach Vorgaben deployt wurde. Damit verschiebt sich der Angriffsaufwand: Statt viel manuelle Handarbeit im Entwicklungs- und Debugging-Prozess zu leisten, wird die Skriptproduktion beschleunigt – mit dem Effekt, dass sich mehr Iterationen innerhalb kurzer Zeit in Richtung Zielsystem bewegen lassen.

Operativ greifen die Angreifer laut Beschreibung auf ein „versatiles“ Playbook zurück: Open-Source-Tools werden mit maßgeschneiderten Backdoors und Webshells kombiniert, um den Zugriff dauerhaft zu halten und gleichzeitig Ermittlungsansätze zu erschweren. Als wiederkehrende Signatur werden Versuche genannt, Endpoint-Schutzmechanismen zu deaktivieren, Systemlogs zu löschen und irreführende Marker zu platzieren, die die Aktivität als legitime Security-Assessment-Tätigkeit tarnen sollen. Hinzu kommt die gezielte Suche nach sensiblen Datenspuren in Konfigurations- und Verlaufdateien: Dazu zählen das Auffinden von Klartext-E-Mail-, SMTP- und Datenbankpasswörtern in Einstellungen sowie das Auswerten von Shell-Historien. Für den Credential-Diebstahl werden mehrere Wege genannt, darunter das Ersetzen der.bashrc durch eine manipulierte Version, das Injizieren von Code in PHP-Login-Seiten und das systematische Durchsuchen von Ordnern, etwa um die Anzahl der gespeicherten Mail-Einträge in konkreten Pfaden zu ermitteln.

Im Kern der Infrastruktur steht ein benutzerdefinierter Remote-Access-Trojaner namens SysGoRAT, der plattformübergreifend in Go geschrieben wurde. Laut den Angaben erfolgt die Kommunikation zum Command-and-Control-System über WebSocket zu einer fest kodierten IP-Adresse auf dem Port 443: „104.194.158[.]65:443“. Von dort werden sieben Befehlstypen geladen, darunter ein Kommando zum Ausführen beliebiger Befehle via /bin/sh -c auf Linux oder cmd /C auf Windows, das Starten einer interaktiven Shell (shell_start), das Abgreifen von Screenshots (screenshot), das Exfiltrieren von Dateien (download) sowie eine Persistenz-Installation (persist). Daneben wird auch das Auflisten von Verzeichnissen (list_dir), das Erstellen interaktiver Shell-Sitzungen (shell_input) und ein Proxying erwähnt, bei dem TCP-Verbindungen aufgebaut und Daten bidirektional weitergeleitet werden (proxy_connect, proxy_data, proxy_close). Besonders im Kontext der Forensik ist auch die Nutzung von In-Memory Reverse Shells relevant, weil dadurch weniger Artefakte auf der Disk verbleiben als bei klassischen drop-and-execute-Varianten.

Die Kampagne verbindet diese Backdoor-Logik zudem mit zielnahen E-Mail-Angriffen. Es werden Versuche beschrieben, eine Bash-Datei „zip_mails.sh“ zu erzeugen, um bestimmte E-Mails in ZIP-Archive zu komprimieren und anschließend zu exfiltrieren; allerdings wird auch erwähnt, dass Syntaxfehler dazu führten, dass das Skript beim Ausführen scheiterte. In einem weiteren Schritt setzten die Akteure ein PHP-Skript namens „search_social.php“ ein, das E-Mail-Header nach Begriffen durchsucht und die Ergebnisse in einer nutzerfreundlichen Darstellung ausgibt. Der Ansatz wirkt wie ein Filter, der aus dem Mailbestand gezielt jene Absender- und Empfängerinformationen extrahiert, die mit Social-Media-bezogenen Konten verknüpft sind. Damit lässt sich nicht nur Informationsabfluss betreiben, sondern das gewonnene Material kann später für accountbezogene Angriffe wiederverwendet werden – etwa, um Login-Schritte oder Passwort-Wiederherstellungsprozesse vorzubereiten.

Über den konkreten Cluster hinaus wird eine zweite Entwicklung betont: Angreifer missbrauchen agentische, offene Penetration-Testing-Frameworks, um Angriffsabläufe über verschiedene Phasen hinweg in hoher Geschwindigkeit auszuführen. Im Umfeld solcher Tools werden u. a. ARTEX, PentAGI, Hexstrike und CAIRN genannt; ARTEX sei zwar vom Autor nach Berichten über weit verbreiteten Missbrauch deaktiviert worden, habe aber Nachfolgeversonen hervorgebracht, darunter eine kommerzielle Variante (ARTEX PRO) und eine lokale Abwandlung (ScopeWeaver). Zusätzlich werden Fälle beschrieben, in denen ARTEX in unterschiedlich motivierten Kontexten eingesetzt worden sein soll, sowie WHOIS-Asset-Mapping und systematische Reconnaissance mithilfe von PentAGI. Der zentrale Punkt für Verteidiger lautet: Agentic Frameworks „komprimieren“ Angriffszeiträume – aber sie erkaufen sich das Tempo häufig mit mehr sichtbarem Forensik-Traffic, erkennbaren Identifikatoren und code-nahen Spuren, die eine Detektion wahrscheinlicher machen.

Für Unternehmen bedeutet das eine praktische Verschiebung in der Abwehr: Nicht nur klassische Malware-Signaturen zählen, sondern die Fähigkeit, KI-generierte Skriptmuster, ungewöhnliche Persistence-Ketten und Webshell-Varianten früh zu erkennen. Da die Angreifer versucht haben sollen, Logs zu löschen und Schutzmechanismen zu umgehen, brauchen Security-Teams besonders robuste Telemetrie, etwa manipulationsresistente Logpfade sowie Monitoring über mehrere Ebenen (Host, Web-Stack und Mail-Services). Ebenso gewinnt das Thema „Script Hygiene“ an Gewicht: Wenn Schritt-für-Schritt-Kommentare in Dateien auftauchen, die funktional eigentlich nur maschinengenerierten Code enthalten sollten, kann das ein erklärender Indikator für automatisierte Generierung sein. Gerade in Umgebungen mit vielen Linux-Servern und PHP-basierten Komponenten lohnt sich außerdem die konsequente Prüfung von Authentifizierungsflows, weil hier Injizierungsmuster besonders schnell Credentials kompromittieren können.

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