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SUDAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Drohnenangriffe der Rapid Support Forces (RSF) treffen laut Berichten wiederholt Strom- und Umspannwerke in mehreren Bundesstaaten. Betroffen sind unter anderem Abu Hamad und Al-Dabbah, wodurch ganze Regionen ohne Stromversorgung bleiben. Die Angriffe gefährden nach Einschätzung von Beobachtern auch Krankenhäuser, Trinkwasser und landwirtschaftliche Projekte. Gleichzeitig macht die sudanesische Regierung RSF und den möglichen Einsatz er erleichternder Startpunkte aus Äthiopien verantwortlich.

Drohnenangriffe treffen Sudans Stromnetz: Substationen ausgefallen
Drohnenangriffe treffen Sudans Stromnetz: Substationen ausgefallen (Foto: IT BOLTWISE)
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In Sudans laufendem Krieg verlagert sich der Druck zunehmend auf die technische Basis des Alltags: Seit Ende Oktober häufen sich Berichte über Drohnenangriffe auf Elektrizitätsinfrastruktur in von der Armee kontrollierten Gebieten. Im Zentrum stehen dabei nicht die Kraftwerke selbst, sondern die Schaltstellen, die Erzeugung und Verbrauch überhaupt erst miteinander verbinden. Wenn Umspannwerke ausfallen, kann Strom trotz vorhandener Generatoren lokal nicht mehr zuverlässig zu Städten, Krankenstationen oder Betrieben durchgeschaltet werden. Genau diese Kettenreaktion wird in den Meldungen als Risiko eines teilweisen Zusammenbruchs des nationalen Netzes beschrieben.

Nach Angaben aus den betroffenen Regionen starteten früh am Sonntag offenbar zeitgleiche Angriffe auf die Abu-Hamad-Umspannstation im Bundesstaat River Nile sowie auf die Al-Dabbah-Station im Northern State. Lokale Verantwortliche beschrieben, dass die Abu-Hamad-Station durch den Treffer vollständig zerstört worden sei und damit die Stromversorgung im ganzen Bundesstaat unterbrochen wurde. Bereits weniger als 24 Stunden zuvor sollen Drohnen die Haya-Unterstation angegriffen haben, die im Bundesstaat Red Sea noch im Bau war, zusammen mit Einrichtungen zur Ölverladung. Besonders gravierend ist die technische Logik: Umspannwerke übernehmen Spannungsanpassung, Netzumschaltung und Schutzfunktionen; fällt diese Infrastruktur aus, lassen sich Lastflüsse häufig nur noch mit erheblichem Aufwand oder gar nicht mehr steuern.

Die Breite der geografischen Streuung in den Berichten fällt zudem auf. Genannt werden Angriffe in zehn der 18 Bundesstaaten, darunter White Nile und Gedaref mit jeweils drei betroffenen Stationen. In White Nile sollen die Tendelti-, Mashkoor- und Um-Dabakir-Wärmekraftwerke bzw. zugehörige Anlagen getroffen worden sein; in Gedaref werden Al-Hawata und Al-Faw genannt, daneben weitere Einrichtungen. Auch Al-Jazira, River Nile, Sennar, Khartoum, Red Sea und Northern State tauchen mit konkreten Umspann- oder Anlagenbezeichnungen auf; außerdem gibt es Berichte über einen Treffer in Kadugli im Bundesstaat South Kordofan. Wichtiger als die reine Zahl ist dabei die Aussagekraft für den Betrieb: Da einheitliche technische Daten zu Schadenshöhe, Reparaturdauer und Ausfallprofilen fehlen, lässt sich nach den verfügbaren Informationen nicht belastbar in eine Rangliste der gravierendsten Regionen übersetzen.

Der sudanesische Energiesektor gilt seit Kriegsbeginn als besonders verletzlich. Bereits seit dem Ausbruch der Kämpfe im April 2023 seien thermische Erzeugungseinheiten, Übertragungsstationen, Transformatoren und Stromleitungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Die neuesten Angriffe setzen nach diesem Muster eine Infrastruktur unter zusätzliche Last, die ohnehin mit Ersatzteilmangel, Instandhaltungsrückständen und eingeschränkten Budgets kämpft. Ein ehemaliger Energieminister warnte laut seinen Angaben, die meisten großen Umspannstationen seien bombardiert und außer Dienst genommen worden; übrig blieben demnach nur wenige zentrale Knotenpunkte. Besonders kritisch ist das Timing für den Alltag: Wenn außerdem Wasser- und Abwasserpumpen auf Strom angewiesen sind, verschärfen Netzstörungen unmittelbar Versorgungsengpässe.

Parallel zu den technischen Folgen verweisen mehrere Stellen auf Auswirkungen auf Gesundheit und zivile Infrastruktur. Eine Gruppe von Rechtsanwälten beschreibt, dass Angriffe den Strom- und Wassernachschub gestört und damit medizinische Leistungen gefährdet hätten. Die Vereinten Nationen verurteilen derweil die Eskalation der Drohnenangriffe durch beide Seiten und stellten dabei den Schutz von Zivilisten und kritischer Infrastruktur in den Mittelpunkt. In einem Statement wurde außerdem von Toten unter Zivilisten die Rede gemacht, darunter Frauen und Kinder, nicht nur innerhalb Sudans, sondern auch in der Region Abyei. Für Krankenhäuser bedeutet das in der Praxis vor allem eine knappe Reserve an Energie für medizinische Geräte, einen Ausfall von Aufbereitungsprozessen für Trinkwasser sowie zusätzliche Belastungen für Logistik und Kühlung.

Auch die politische Verantwortung bleibt umkämpft. Die sudanesische Regierung macht RSF für die Angriffe verantwortlich und erhebt zugleich Vorwürfe, Äthiopien ermögliche die Nutzung seines Territoriums für Starts von Drohnen gegen Anlagen in Sudan. Dabei heißt es, das Außenministerium habe diplomatische Vertretungen über die behaupteten Standorte innerhalb Äthiopien informiert, die für die Drohnenoperationen genutzt würden. Zudem soll der sudanesische Außenminister während eines Besuchs in Moskau behauptet haben, ukrainisches Militärpersonal unterstütze die RSF und helfe beim Training für den Drohnenbetrieb. Die Häufung, geografische Ausweitung sowie die offenbar steigende Präzision einzelner Treffer deuten in der Gesamtbetrachtung der Lage auf verfügbare Mengen an leistungsfähigeren Langstrecken-Drohnen und auf ausgereiftere Einsatzfähigkeit hin – genau deshalb wird das Thema für Technikverantwortliche in Versorgungsunternehmen und für internationale Hilfs- und Medizininstitutionen so dringlich.

Für Unternehmen und Behörden ergibt sich daraus ein klarer Handlungsimpuls: Resilienz im Energiesystem lässt sich nicht nur über die Stromerzeugung denken, sondern über die gesamte Kette aus Umspann-, Schalt- und Schutztechnik. Wo die Netzstruktur stark von einzelnen Knoten abhängt, steigen die Auswirkungen einzelner gezielter Treffer. Aus technischer Sicht rückt damit neben dem physischen Schutz von Schlüsselkomponenten auch das Zusammenspiel mit Notstromkonzepten, Ersatzteil-Logistik und Reparaturkapazitäten in den Vordergrund – insbesondere, wenn Winter- oder Saisonzyklen die landwirtschaftliche Versorgung zusätzlich unter Druck setzen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich der Angriffsdruck verlagert oder ob der ohnehin angeschlagene Netzbetrieb weiter erodiert.

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