BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Wirtschaft in Deutschland hat ihre Ausgaben für interne Forschung und Entwicklung 2025 nur geringfügig auf 92,9 Milliarden Euro erhöht, während das FuE-Personal um 1,2 Prozent zurückging. Erstmals seit 2016 sinken zudem die externen FuE-Aufwendungen, auch wenn die Gesamtinvestitionen noch leicht zulegen. Der Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt rutscht auf 3,07 Prozent. Besonders auffällig ist der Rückgang in der Kfz-Industrie, während Maschinenbau und Teile der Pharmaindustrie gegenhalten.

Die Forschung in der deutschen Industrie zeigt 2025 ein widersprüchliches Bild: Mehr Geld fließt zwar weiterhin in interne Forschung und Entwicklung, aber die Kapazitäten in Form von Vollzeitstellen gehen gleichzeitig spürbar zurück. Laut FuE-Unternehmensbefragung des Stifterverbands im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums stiegen die unternehmensinternen FuE-Ausgaben von 92,5 Milliarden Euro (2024) auf 92,9 Milliarden Euro (2025). Im selben Zeitraum sank das FuE-Personal um 6.654 auf 547.447 Vollzeitstellen. Diese Entkopplung aus Budgetwachstum und Personalabbau ist für viele Unternehmen ein Hinweis darauf, dass Effizienzprogramme, Priorisierungen in der Projektlandschaft und teils auch Organisationsanpassungen stärker wirken als ein breiter Ausbau neuer Forschungsaufgaben.
Technisch und organisatorisch relevant wird dabei, wie sich die Aufteilung zwischen interner und externer FuE verändert. Erstmals seit 2016 sinken die externen FuE-Aufwendungen: Unternehmen kürzten ihre Ausgaben für Auftragsforschung, die an andere Unternehmen, Hochschulen oder Forschungseinrichtungen geht, um 0,9 Prozent auf rund 32,7 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei rund 33 Milliarden Euro. Gleichzeitig verschiebt sich auch die makroökonomische Zielkennzahl: Der Anteil der internen FuE-Aufwendungen am Bruttoinlandsprodukt lag 2025 bei 3,07 Prozent nach 3,12 Prozent im Jahr 2024. Das bedeutet nicht zwingend, dass Forschung im Sinne von Gesamtinvestitionen verschwindet, aber die Wachstumsdynamik reicht offenbar nicht aus, um den Abstand zum 3,5-Prozent-Ziel zügig zu verringern.
Für die Einordnung lohnt der Blick auf die Struktur der FuE-Beteiligten. Die Wirtschaft trägt dabei 2,05 Prozent zu den FuE-Aufwendungen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bei (2024: 2,11 Prozent), was laut Erhebung etwa zwei Drittel der Gesamtsumme entspricht. Der Rest verteilt sich auf Hochschulen, staatliche Forschungseinrichtungen sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck. Bundesministerin Dorothee Bär ordnet die Entwicklung in ihrer Stellungnahme so ein, dass die Aufwärtsbewegung in der Finanzierung zwar grundsätzlich positiv sei, aber hinter den Erwartungen zurückbleibe: „Dass Unternehmen mehr in Forschung und Entwicklung investieren, ist erst einmal eine gute Nachricht. Die Aufwärtsbewegung bleibt allerdings hinter den Erwartungen zurück. Das zeigt: Es ist noch Luft nach oben!“ Zudem verknüpft sie die Messwerte mit dem politischen Anspruch, Schwerpunkte in Schlüsseltechnologien wie KI, Biotechnologie oder Fusion zu setzen und Zukunftsinvestitionen auch in angespannten Haushaltszeiten prioritär zu behandeln. Daraus folgt: Nicht nur die absolute Höhe der FuE-Ausgaben, sondern auch ihr Tempo und die Passung zu strategischen Technologiepfaden werden zum unternehmerischen wie staatlichen Steuerungsthema.
Branchen zeigen diese Steuerungslogik besonders klar. In der Kfz-Industrie und bei ihren zentralen Zulieferern wurden laut Daten FuE-Aufwendungen und FuE-Personal heruntergefahren: Interne FuE-Aufwendungen gingen um fast 1,5 Milliarden Euro zurück (minus 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Auch die Auftragsforschung fiel um 1,6 Prozent, das FuE-Personal sogar um 5,8 Prozent. Der Text ordnet das mit Kostendruck begründet durch sinkende Umsätze und reduzierte Gewinne. Gleichzeitig ist diese Branche für das deutsche Innovationssystem besonders wichtig, weshalb die Sichtbarkeit der Rückgänge in kaum einer anderen Struktur so stark ausfällt. In der Informations- und Kommunikationsbranche, zu der unter anderem Softwareprogrammierung zählt, bremst sich das Wachstum ebenfalls: Interne Aufwendungen sanken 2025 um zwei Prozent auf knapp acht Milliarden Euro, während externe Aufwendungen um 6,2 Prozent ausgeweitet wurden. Das FuE-Personal stieg dagegen nur leicht um 0,6 Prozent, und der Abschwung wird vor allem auf Großunternehmen zurückgeführt, während mittelständische Firmen im Durchschnitt eher Zuwächse verzeichnen.
Daneben liefert die Erhebung aber auch Beispiele für gezielte Gegenbewegungen. Im Maschinenbau stiegen die internen FuE-Aufwendungen trotz konjunktureller Schwierigkeiten um neun Prozent, die externen sogar um knapp 25 Prozent. Parallel wurde das FuE-Personal um 4,2 Prozent aufgestockt; die Quelle spricht hier von einer breitgetragenen FuE-Offensive. Auch die pharmazeutische Industrie zeigt mit 10,4 Prozent Wachstum bei den internen FuE-Aufwendungen eine starke Rate. Allerdings weist der Bericht darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Anstiegs auf Veränderungen in der Organisation der Forschung zurückgeht: Aufgaben, die zuvor extern vergeben wurden, führten Unternehmen 2025 stärker innerhalb der Firma aus. Für Entscheider ist das ein wichtiger Unterschied, denn mehr „interne“ FuE kann in Teilen auch eine Verlagerung von Dienstleistungsbeziehungen bedeuten, nicht automatisch eine vollständig zusätzliche Forschungsaktivität.
Aus der Gesamtschau ergibt sich damit eine Transformation mit unterschiedlichen Entwicklungspfaden innerhalb der Wirtschaft. Melanie Maas-Brunner beschreibt den Kernpunkt in ihrer Einschätzung so: „Die Entwicklung verdeutlicht: Deutschland befindet sich in einer Transformation.“ Sie nennt dabei als zentrale Probleme, dass große Automobilunternehmen ihre FuE-Aktivitäten reduzieren und Personal abbauen und dass zudem ein Nachlassen des Aufholprozesses bei digitalen Technologien erkennbar sei. Gleichzeitig fordert sie eine zielgerichtete, agendabetreute Innovationsförderung, damit Ressourcen effektiv eingesetzt werden können, sowie mehr Freiraum für Experimente, etwa in Form von Reallaboren, die mit einem flexibleren Rechtsrahmen und niedrigschwelligen Förderinstrumenten unterstützt werden. Für das laufende Jahr 2026 rechnen die Unternehmen laut Quelle mit einem weiteren Rückgang der internen FuE-Aufwendungen um 1,8 Prozent. Das macht deutlich, wie eng die nächste Phase an Budgetdisziplin, Personalplanung und die Fähigkeit gekoppelt ist, FuE-Projekte schneller in marktfähige Produkt- und Prozessinnovationen zu überführen.
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