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LONDON (IT BOLTWISE) – Die Produktivität in den USA ist im dritten Quartal deutlich stärker gestiegen als erwartet. Gleichzeitig sinken die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe weiter, was die Erwartung stabiler Arbeitsmärkte stützt. Fed-Mitglied Beth Hammack plädiert derweil für eher kleinere und häufigere Zinsschritte statt großer Einmalbewegungen. Parallel verlangsamt sich der Rechenzentrumsbau in den USA spürbar – auch das wirkt auf Tech- und Infrastrukturpläne.

US-Konjunktur liefert Rückenwind: Fed-Favorit für kleine Zinsschritte und Data-Center-Bremse
US-Konjunktur liefert Rückenwind: Fed-Favorit für kleine Zinsschritte und Data-Center-Bremse (Foto: IT BOLTWISE)
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Die neue Datenlage aus den USA verändert das Konjunkturbild für den kurzen Horizont spürbar: Im dritten Quartal ist die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft laut Arbeitsministerium um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen – deutlich mehr als die von Volkswirten erwarteten 2,9 Prozent. Für das zweite Quartal liegt zudem eine Revision vor: Die Produktivität wurde auf 2,1 Prozent nach oben angepasst (vorläufig 1,4 Prozent). In der Praxis ist das nicht nur eine Statistik für Makro-Fans. Höhere Produktivität bedeutet häufig, dass Unternehmen mit gleichem oder geringerem Ressourceneinsatz mehr Output erzielen, was Kosten- und Inflationsdruck dämpfen kann – zumindest theoretisch. Gerade wenn Löhne und Preise zeitversetzt reagieren, kann diese Lücke zwischen Produktionsleistung und Inflationserwartungen an den Märkten die Frage neu justieren, wie lange eine restriktive Geldpolitik noch nötig ist.

Dass gleichzeitig die Arbeitsmarktsignale nicht kippen, liefert der Erzählung zusätzlichen Halt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der Woche bis zum 31. Oktober erneut gefallen: auf 189.000. Das sind 6.000 Anträge weniger als der nach oben korrigierte Wert der Vorwoche (195.000). Erwartet worden waren laut befragten Ökonomen 197.000 neue Anträge. Damit bleibt die Tendenz intakt, dass der Arbeitsmarkt zwar nicht überhitzt, aber auch nicht in eine schnelle Verschlechterung gerät. Für die Geldpolitik ist das ein wichtiger Hebel, weil die Notenbank bei der Abwägung zwischen Inflationsrisiken und Beschäftigungsstabilität häufig auf genau diese Mischung aus Aktivität und Kostenentwicklung schaut. Kommt dann noch hinzu, dass die Lohnstückkosten im Berichtszeitraum um 0,7 Prozent gesunken sind (nach revidiertem Anstieg von 1,9 Prozent im Vorquartal), passt das Bild eher in Richtung disinflationierender Effekte als in Richtung eines neuen Inflationsschubs.

Vor diesem Hintergrund setzt Fed-Mitglied Beth Hammack einen klaren politischen Akzent: Die Präsidentin der Cleveland-Fed bekräftigte erneut, dass die Geldpolitik weiter gestrafft bleiben müsse, um die Inflation erfolgreich einzudämmen. Entscheidend ist jedoch die Wahl des Instrumententimings. Hammack argumentiert dafür, eher kleinere, dafür häufiger wiederholte Zinsanpassungen vorzunehmen statt großer, einmaliger Schritte. Diese Logik zielt aus ihrer Perspektive darauf, dass Haushalte, Unternehmen und Finanzmärkte weniger abrupt belastet werden. Technisch betrachtet ist das auch eine Frage der Marktmechanik: Bei großen Sprüngen preisen Anleger mehr Volatilität ein, und Unternehmen müssen ihre Zins- und Refinanzierungsannahmen neu justieren. Kleinere Schritte reduzieren zwar nicht automatisch das Niveau restriktiver Bedingungen, aber sie können die Übergangsphase glatter machen – ein Faktor, den man gerade bei Kreditmärkten und Laufzeitstruktur von Zinsrisikoprämien spürt.

Während Geldpolitik damit stärker über die Finanzierungsbedingungen wirkt, zeigt sich in einem ganz anderen Teil der Infrastruktur gerade eine reale Verzögerung: Der Bau von Rechenzentren kommt laut einem Bericht von Globaldata nicht mehr so zügig voran wie zuvor. Die Projekte benötigen demnach inzwischen rund 33 Prozent länger, nur um überhaupt in Gang zu kommen. Als Treiber nennt der Bericht unter anderem wachsenden Widerstand gegen lokale Rechenzentren in den USA. Das ist aus Marktsicht bemerkenswert, weil die USA den globalen Rechenzentrumsboom aktuell dominieren: Für das Jahresende wird eine Kapazität von 56 Gigawatt prognostiziert, während China mindestens 24 Gigawatt beitragen soll. Wenn der Engpass nicht mehr nur in der Hardware liegt, sondern bereits in Genehmigungen und Akzeptanz, verschiebt sich das Timing für Cloud- und KI-Projekte. Für Unternehmen heißt das praktisch: Selbst wenn die Nachfrage da ist, können Stromanschlüsse, Bauphasen und lokale politische Prozesse die Rollout-Geschwindigkeit bremsen.

Auch geopolitisch-institutionell liefert der Abend Beispiele dafür, wie schnell Planungssicherheit zerbrechen kann. In Paraguay trat Präsident Santiago Pena nach einer Bankpleite zurück. Hintergrund ist ein erwartetes Amtsenthebungsverfahren im Kongress, nachdem eine Bank zusammengebrochen war, zu der Pena enge Verbindungen unterhalten haben soll. Unabhängig davon, wie die politische Bewertung im Detail ausfällt, ist der Signalwert für internationale Investoren klar: Finanz- und Vertrauensfragen können den politischen Kalender dominieren und damit Entscheidungen in Wirtschaft und Regulierung beschleunigt oder verlangsamt beeinflussen. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft kommt dazu, dass Signale aus Regierung und Aufsicht auch direkt in Handels- und Investitionsrisiken eingepreist werden.

Schließlich zeigt ein juristischer Meilenstein in Europa, wie parallel zur Konjunktur- und Infrastrukturdebatte auch Wettbewerbsfragen über die Gerichte laufen. Das höchste Gericht der Europäischen Union hat die Nichtigerklärung staatlicher Beihilfen für KLM zur erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Konkret geht es um Hilfen in Milliardenhöhe im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Für den Wettbewerb ist das relevant, weil der Fall im Kontext einer Anfechtung durch Ryanair stand – und weil die Entscheidung zugleich den rechtlichen Prüfrahmen für ähnliche Beihilfeentscheidungen schärfen kann. Zusätzlich hatte Ryanair auch gegen Beihilfen für Condor im Zuge der Pandemie geklagt, dort geht es um einen Umstrukturierungsplan über 321 Millionen Euro. Für Airlines und ihre Finanzierungsteams bedeutet das: Staatliche Unterstützungsmechanismen sind nicht einfach „durch“, sondern bleiben vom Ausgang gerichtlicher Detailprüfungen abhängig. Damit steigt die Bedeutung einer sauberen Dokumentation von Begründungen, Wettbewerbswirkungen und zeitlicher Zweckmäßigkeit – genau die Themen, die in der Praxis bei jedem neuen Beihilfeantrag wieder auftauchen.

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