OSLO / MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Eine umfassende Studie über norwegische Veteranen zeigt, dass das Töten im Kampf nicht zwangsläufig die psychische Gesundheit von Soldaten beeinträchtigt. Der Kontext, in dem solche Handlungen stattfinden, spielt eine entscheidende Rolle.

Die psychische Gesundheit von Soldaten, die im Kampf getötet haben, ist ein komplexes Thema, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Eine aktuelle Studie mit über 14.000 norwegischen Veteranen zeigt, dass das Töten im Kampf nicht automatisch zu psychischen Problemen führt. Vielmehr ist der Kontext, in dem diese Handlungen stattfinden, entscheidend. Die Untersuchung konzentrierte sich auf Veteranen, die in Afghanistan und im Libanon gedient haben, und offenbarte signifikante Unterschiede in den psychischen Auswirkungen.
In Afghanistan, wo die Soldaten auf Kampfhandlungen vorbereitet waren und klare Einsatzregeln hatten, zeigten die Veteranen keine langfristigen psychischen Schäden durch das Töten. Im Gegensatz dazu litten die Veteranen, die im Libanon gedient hatten, häufiger unter Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und einer verminderten Lebensqualität. Diese Unterschiede verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass die Missionserwartungen und die Normen der Gruppe mit den Handlungen der Soldaten übereinstimmen.
Die Studie, geleitet von Andreas Espetvedt Nordstrand, einem norwegischen klinischen Psychologen, widerspricht früheren Theorien, die besagen, dass das Töten im Kampf automatisch schädlich für die psychische Gesundheit ist. Nordstrand betont, dass es vor allem die Verletzung von Gruppennormen und Einsatzrichtlinien ist, die solche Handlungen schädlich macht. Wenn Soldaten wissen, dass es in bestimmten Situationen akzeptabel ist zu töten, sind sie weniger geneigt, daraus psychische Probleme zu entwickeln.
Die Unterschiede zwischen den Einsätzen in Afghanistan und im Libanon sind bemerkenswert. Während die Mission im Libanon darauf abzielte, Spannungen zu beruhigen und Frieden zu sichern, waren die Soldaten in Afghanistan häufig mit aggressiven Gegnern konfrontiert. Diese unterschiedlichen Erwartungen und Erfahrungen könnten erklären, warum die psychischen Auswirkungen des Tötens in den beiden Gruppen so unterschiedlich sind.
Die Ergebnisse der Studie haben weitreichende Implikationen für die Vorbereitung und Unterstützung von Soldaten. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, klare Einsatzregeln und Erwartungen zu formulieren, um sicherzustellen, dass Soldaten nicht das Gefühl haben, gegen die Normen der Gesellschaft zu verstoßen. Dies gilt nicht nur für das Militär, sondern auch für andere Bereiche, in denen staatliche Gewalt eine Rolle spielt, wie die Polizei.
Nordstrand und sein Team, zu dem auch der Kriegsveteran Ronny Kristoffersen und der ehemalige Chefpsychiater der norwegischen Streitkräfte, Jon Reichelt, gehören, haben fünf Jahre an dieser sensiblen Studie gearbeitet. Die Ergebnisse könnten als Tabu angesehen werden, da sie die Annahme in Frage stellen, dass das Töten im Krieg immer schädlich ist. Dennoch ist es wichtig, diese evidenzbasierten Perspektiven in die öffentliche Debatte einzubringen, insbesondere in Zeiten erhöhter militärischer Spannungen weltweit.
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