LONDON (IT BOLTWISE) – Die Adler Group digitalisiert ihren Berliner Immobilienbestand mit einer neuen Mieter-App und automatisierten Workflows für Schaden- und Dokumentenprozesse. Ergänzend startet eine KI-basierte Mieterhotline im 24/7-Betrieb, die eine Kommunikation in 14 Sprachen ermöglichen soll. Parallel verlagert das Unternehmen die Wärmeversorgung schrittweise auf klimafreundlichere Systeme und nutzt dafür bereits die Technologieplattform PAUL Net Zero. Ziel ist es, Reparaturen zu beschleunigen und zugleich die Energieeffizienz des Portfolios zu erhöhen.

Die Modernisierung eines Immobilienportfolios beginnt selten in den eigenen Leitstellen, sondern im Alltag der Mieter. Genau dort setzt die Adler Group an, wenn sie ihren Berliner Bestand vor allem über eine modernisierte Mieterkommunikation und digitalisierte Prozesse effizienter machen will. Hintergrund sind rund 17.500 Wohn- und Gewerbeeinheiten, deren Betreuung nicht nur zuverlässige Instandhaltung erfordert, sondern auch schnellere Wege für Meldungen, Rückfragen und Dokumentenaustausch. Mit der Kombination aus App, KI-gestützter Hotline und digitalem Ticketing versucht das Unternehmen, die bisherigen Medienbrüche zwischen Mieter, Hauswart und interner Verwaltung zu reduzieren.
Technisch betrachtet steht mit der geplanten Mieter-App zum Frühjahr ein zentrales Bedien- und Informationsobjekt im Mittelpunkt. Die Anwendung soll die Meldung von Schäden vereinfachen und beschleunigen; entscheidend ist dabei, dass der Status transparent nachverfolgt werden kann. Zusätzlich fungiert die App als zentrale Ablage für mieterrelevante Dokumente wie Mietverträge und Nebenkostenabrechnungen, wodurch sich der Zugriff für Mieter unmittelbar verbessert. Für Betreiber ist das mehr als Komfort: Sobald Dokumente strukturiert abgelegt und Prozesse an einem digitalen Status hängen, lassen sich Anfragen in der Regel schneller priorisieren und intern konsistenter bearbeiten.
Auf der Kommunikationsebene ergänzt die Adler Group diese App-Strategie durch eine KI-basierte Mieterhotline. Sie soll 24/7 in 14 Sprachen einen Dialog für sämtliche Mietangelegenheiten ermöglichen; für Notfälle bleibt jedoch eine persönliche Hotline bestehen. Diese Aufteilung ist in der Praxis wichtig, weil KI-gestützte Assistenz vor allem bei wiederkehrenden Anliegen zuverlässig skaliert, während Notfälle häufig eine Eskalation mit besonderer Dringlichkeit verlangen. Auch die internen Arbeitsabläufe werden über ein digitales Ticketing-System verdichtet: Hauswarte können Gefahren, Mängel oder Reparaturbedarfe im Rahmen von Objektbegehungen vor Ort digital erfassen. Wenn zudem bei Wohnungsabnahmen und -übergaben Protokolle digital erstellt werden, können daraus bei Bedarf automatisch Tickets entstehen – das verkürzt Wege und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Informationen in Übergaben verloren gehen.
Mit dem 1. August erweitert das Unternehmen die Logik hinter kleineren Reparaturen um eine Koordination über den Kooperationspartner GIG24. Dazu will die Adler Group klar definierte Service-Levels etablieren: In etwa 60 Prozent der Fälle soll ein kurzfristiger Reparaturtermin angeboten werden, und 60 Prozent der gemeldeten Mängel sollen innerhalb von sieben Arbeitstagen behoben werden. Diese Zahlen sind besonders relevant, weil sie die Zielkonflikte zwischen Planbarkeit, Kapazität und Bearbeitungsqualität in messbare Erwartungen überführen. Gleichzeitig stellt das Unternehmen die Organisationsstruktur abteilungsübergreifend stärker auf Mieterbedürfnisse aus, also so, dass Ticket-Flows nicht an internen Zuständigkeitsgrenzen hängen bleiben.
Neben den Kommunikations- und Prozessverbesserungen verankert die Adler Group ihre Digitalstrategie auch in der technischen Energieinfrastruktur. Der Schwerpunkt liegt auf CO2-Neutralität und Energieeffizienz: Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll der gesamte Gebäudebestand in Berlin auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung umgestellt werden. Erste Schritte seien bereits umgesetzt, heißt es mit 19 Objekten, die die Technologieplattform PAUL Net Zero nutzen. Dort werden hocheffiziente Wärmepumpensysteme mit KI-gestützter Energieoptimierung kombiniert; ergänzend kommen intelligente Steuerungs- und Monitoring-Systeme zum Einsatz. Aus Betreiberperspektive ist diese Architektur attraktiv, weil sie Prognosen und Regelung nicht nur auf Basis starrer Zeitpläne ermöglicht, sondern auf laufenden Mess- und Betriebsdaten aufsetzen kann.
Dass Digitalisierung hier nicht nur ein „Frontend-Thema“ ist, zeigt sich auch an der Verbindung von operativen Datenflüssen und Energieoptimierung. Wenn ein Gebäude in Echtzeit überwacht wird, können Muster in Verbrauch, Temperaturführung und Anlagenverhalten früher erkannt werden als im reinen Ablese- oder Wartungsrhythmus. Auf dieser Basis lassen sich Maßnahmen besser planen, während gleichzeitige Effizienzgewinne im Betrieb messbar werden. Für Mieter bedeutet das perspektivisch weniger Schwankungen und eine zuverlässigere Versorgung, sofern die technischen Regelkreise sauber mit den Betriebsabläufen der Verwaltung verzahnt werden.
Dr. Karl Reinitzhuber, CEO der Adler Group, betont in diesem Zusammenhang, dass die konsequente Digitalisierung und der Einsatz von KI-Tools Vorteile für Unternehmen und Mieter bringen sollen – von der internen Verwaltung über die Mieterkommunikation bis hin zur Energieoptimierung. Gleichzeitig stellt das Unternehmen laut eigener Darstellung die klimafreundliche Wärmeversorgung in den Mittelpunkt, um langfristig Mieterzufriedenheit zu sichern und den Portfoliowert zu stärken. Für die Branche ist das vor allem ein Signal, dass sich KI- und Automatisierungskonzepte im Immobilienbereich zunehmend entlang ganzer Prozessketten etablieren: vom Ticket bis zur Anlage, vom Status-Update bis zum Monitoring. Genau diese End-to-End-Sicht entscheidet in der Praxis, ob Projekte bei der Instandhaltung und beim Energieverbrauch nur „Pilotcharakter“ haben – oder ob sie sich nachhaltig in den Betrieb integrieren lassen.
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