SYRACUSE / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei deutsche Offiziere sind im Juni für zwei Wochen beim 174th Attack Wing zu Gast gewesen. Das Military-Reserve-Exchange-Programm koppelt National-Guard- und Reserve-Angehörige mit Partnern aus verbündeten Streitkräften. Ziel ist der strukturierte Austausch über vergleichbare Dienstposten hinweg, nicht nur die Reise selbst. Bei den Besuchen standen unter anderem die Einbindung in die „joint force doctrine“ sowie Einblicke in Cyber- und Operations-Schnittstellen auf dem Programm.

Der Austausch zwischen dem 174th Attack Wing der New York Air National Guard und zwei deutschen Offizieren zeigt, wie stark das „Military Reserve Exchange Program“ auf operatives Lernen im Alltag setzt. Gastgeber war das in Syracuse, NY ansässige 174th. Die Delegation blieb laut Bericht zwei Wochen vor Ort und traf dabei auf verschiedene Ausbildungs- und Einsatzumfelder der US-Air-Reserve- und Guard-Strukturen. Damit rückt weniger die große strategische Ebene in den Vordergrund, sondern die praktische Frage: Wie arbeiten Teams über Dienstgradgrenzen, Karrierepfade und Spezialisierungen hinweg zusammen, damit das Zusammenspiel im Bündnis später verlässlich funktioniert?
Technisch und organisatorisch ist das Programm auf Matchings ausgelegt: Es verknüpft U.S. National-Guard- und Reserve-Mitglieder mit Service-Mitgliedern verbündeter Nationen, wobei Freiwillige nach ähnlichen Military Occupational Specialties zugeteilt werden. Diese Kopplung reduziert Reibungsverluste, weil der Austauschpartner bereits die Sprache und Logik der eigenen Aufgabenwelt mitbringt. Gegründet wurde das Austauschformat 1986, und in diesem Jahr wird damit 40 Jahre seit der Einführung gefeiert. Die Besonderheit aus Sicht der Teilnehmenden: Wer in eine „passende“ Spezialisierung gematched wird, kann konkrete Arbeitsweisen vergleichen, etwa wie Lagen beurteilt, Zuständigkeiten verteilt oder Schnittstellen im täglichen Betrieb gehandhabt werden.
Im Gespräch beschreibt 1st Lt. Matthais Roessler, ein Technologieberater, der dem NATO Joint Air Power Competence Center zugeordnet ist, den Kern der Reise als Austausch mit „guten Freunden“ in den USA. Er ordnete die Teilnahme zugleich als die 40. Programmgeneration ein und damit als Bestandteil einer seit Jahrzehnten etablierten Routine. Vor Ort hatten die deutschen Offiziere Einblicke in US-Air-Force-Umgebungen am Hancock Field Air National Guard Base sowie in den Eastern Air Defense Sector in Rome, NY. Interessant ist dabei der Hinweis auf die Einbettung der Air National Guard in eine „joint force doctrine“: Nicht jede Einheit bleibt im eigenen Silo, sondern wird in ein gemeinsames Planungs- und Operationsdenken gezogen. Genau hier entstehen oft die wertvollsten Lernergebnisse – weil Prinzipien, Rollen und Verantwortlichkeiten zwischen Active Duty, Air Force Reserves und der National Guard im selben Kontext verankert werden.
Auch Capt. Joshua Tewalt, Operations Officer beim deutschen Cyber und Information Domain Service, sieht den Mehrwert in der Verbindung von Cross-Training und kultureller Erfahrung. Er betonte, dass er sich als „cross-cultural kid“ versteht, weil seine Jugend durch den Wechsel zwischen den Ländern geprägt war. Seine operative Perspektive ergänzt die technische Schicht des Programms: Während der Besuch bei EADS und am Hancock Field stattfand, reiste der Austausch zusätzlich zum Stratton Air National Guard Base, wo die 109th Airlift Wing beheimatet ist. Dort ging es konkret um die Mechanik des Missionsbetriebs – etwa um den Einsatz eines ski-ausgerüsteten C-130 Hercules und darum, wie solche Plattformen unterschiedliche militärische und wissenschaftliche Aufgaben unterstützen. Solche Eindrücke sind mehr als reine Besichtigung: Sie machen sichtbar, wie logistische Annahmen, Einsatzfenster und Kommunikationsstrukturen zusammenpassen müssen, damit „Jointness“ nicht nur auf Papier existiert.
Der Gastgeber, Capt. Michael Szewil, Cyber-Systems-Flight-Commander im 152nd Air Communications Squadron (152nd Air Operations Group, 174th Attack Wing), begleitete die beiden Gäste bei den Stationen. Seine Schilderung macht deutlich, warum ein Austausch für beide Seiten funktioniert: Die Mission der 152nd Air Operations Group besteht darin, das 603rd Air Operations Center am Ramstein Air Force Base in Deutschland zu unterstützen. Dadurch ergibt sich eine Verbindung, die sich im Idealfall nicht auf allgemeine Koordination beschränkt, sondern die Brücke zwischen nationalen Strukturen und dem Bündniseinsatz konkretisiert. Szewil verwies außerdem darauf, dass er später selbst einen Teil des Austauschs in Deutschland übernehmen soll – und damit die Perspektive im Programm zyklisch zurückfließt.
Inhaltlich ordnete Szewil die Bedeutung des Austauschs zudem über den Standortbezug hinaus ein: Er erwähnte Arbeiten im Umfeld der europäischen Ukraine-Unterstützungsmission und ein breiteres Bild davon, „was NATO“ gerade umsetzt. Parallel betonte er, dass es für ausgewählte Teilnehmende nicht nur um den Blick ins Ausland geht. Die „best part“-Formulierung zielt auf das Zurückspiegeln der eigenen Organisation: Gäste übernehmen nicht selten Aufgabenlogiken, fragen nach, was intern als selbstverständlich gilt, und machen dadurch sichtbar, wie die Air National Guard und insbesondere das 174th nach außen wirkt. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt vom touristischen Erlebnis hin zu einem Lernprozess über Rollen, Prozesse und die Art, wie Teams Wissen weitergeben.
Für die technische und operative Landschaft der New York Air National Guard ist der Kontext ebenfalls relevant: Das 174th Attack Wing ist eines von fünf Wings der New York Air National Guard. Der zentrale Standort liegt am Hancock Field Air National Guard Base in Syracuse, NY. Als Primäraufgabe betreibt das 174th den MQ-9 Reaper als remotely piloted aircraft. Für Unternehmen und Technologieteams, die NATO-nahe Systeme oder Schnittstellen unterstützen, ist genau dieser Mix aus Plattformbetrieb, Kommunikations- und Cyber-Kompetenz sowie operativer Einbettung entscheidend. Denn Austauschprogramme wie dieses legen nicht nur Kontakte an, sondern trainieren die Transferfähigkeit von Arbeitsmethoden zwischen Nationen – eine Fähigkeit, die später in gemeinsamen Planungen, interoperablen IT-Prozessen und abgestimmten Entscheidungswegen gebraucht wird.
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