LONDON (IT BOLTWISE) – Berkshire Hathaway stockt seine Alphabet-Position im zweiten Quartal stark auf und setzt damit deutlich auf Cloud-Wachstum. Gleichzeitig meldet Alphabet erstmals in der Unternehmensgeschichte einen negativen Free Cashflow von minus 5,9 Milliarden Dollar. Grund sind stark gestiegene Investitionen: Die Capex-Spitze liegt laut Prognose nun bei 195 bis 205 Milliarden Dollar. Für Anleger verschiebt sich damit der Blickwinkel von den nächsten Quartalen auf das nächste Jahrzehnt.

Alphabet erstmals mit negativem Free Cashflow: Warum Buffett trotzdem kauft
Alphabet erstmals mit negativem Free Cashflow: Warum Buffett trotzdem kauft (Foto: IT BOLTWISE)
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Berkshire Hathaway erhöht seine Alphabet-Quote um 83 Prozent auf rund 106 Millionen Aktien und bringt damit etwa 37,8 Milliarden Dollar an frischem Kapital ins Spiel. Interessant ist dabei weniger die Höhe der Aufstockung als die Signalkraft: Laut den im Artikel genannten Zahlen war es für Berkshire das erste Quartal seit 14 Quartalen, in dem der Konzern insgesamt als Netto-Käufer am Aktienmarkt auftrat. Dazu passen auch die genannten 23,5 Milliarden Dollar Käufe bei 3,7 Milliarden Dollar Verkäufen sowie die zusätzliche Privatplatzierung mit 10 Milliarden Dollar im Juni, die direkt ins Unternehmen fließt. Für viele Investoren bedeutet das: Die Kapitalallokation wirkt nicht wie eine kurzfristige Marktreaktion, sondern wie eine klare Positionierung mit Gewicht, gerade dann, wenn man weiß, dass Berkshire über lange Zeit erhebliche Cash-Reserven aufgebaut hat.

Doch in derselben Entwicklung steckt auch der Kontrast, der den Quartalsblick schnell verengt. Alphabet verbrennt nämlich zum ersten Mal in der Firmengeschichte Geld auf der Free-Cashflow-Ebene: Für das zweite Quartal wird ein Free Cashflow von minus 5,9 Milliarden Dollar gemeldet. Technisch lässt sich der Bruchpunkt relativ sauber erklären: Die Investitionen steigen auf 45 Milliarden Dollar, im Vergleich zum Vorjahr also in etwa auf das Doppelte. Gleichzeitig hebt Alphabet die Capex-Spanne für das Gesamtjahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an, und laut den Angaben fanden im ersten Halbjahr 2026 keine Aktienrückkäufe statt – nach 108 Milliarden Dollar in den beiden vorherigen Jahren zusammen. Diese Kombination ist mehr als eine Ausreißer-Periode, weil sie in das gleiche Muster fällt wie bei großen KI- und Cloud-Infrastrukturtreibern.

Genau hier wird der Blick auf den Branchenmaßstab entscheidend. Im Artikel wird die Erwartung angeführt, dass sich die Capex-Budgets der Hyperscaler 2026 auf insgesamt rund 800 Milliarden Dollar belaufen könnten, mit einer Steigerung auf eine Billion Dollar im Jahr 2027. Wenn der freie Cashflow der gesamten Branche im vierten Quartal 2026 sogar ins Negative kippen könnte – mit einem Defizit von über 100 Milliarden Dollar im Folgejahr –, dann ist das für Alphabet weniger ein isoliertes Problem als ein Spiegel der Infrastruktur-Realität. Der Punkt für die Bewertung: Wer die roten Cashflow-Zahlen betrachtet, vergleicht sie häufig mit einer Phase, in der KI- und Rechenzentrumsinvestitionen noch nicht so stark in der S-Kurve steckten. Der operative Hebel dämpft jedoch den Effekt: Im Artikel heißt es, dass Google Cloud im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar wuchs, mit einer operativen Marge von 35,6 Prozent. Ebenso übertraf das Umsatzergebnis insgesamt von 119,8 Milliarden Dollar laut den genannten Werten die Konsensschätzungen deutlich.

Auch die Marktreaktionen im Umfeld der großen Adressen zeigen, dass es nicht nur eine einheitliche Story gibt. Während Berkshire massiv aufstockt, werden im Artikel Rücknahmen bei anderen Großinvestoren genannt: Tiger Global reduziert um 45 Prozent, H&H International um fast 47 Prozent und Bridgewater um knapp 34 Prozent. Das macht ein wichtiges Detail klar: Institutionelle Beteiligung folgt nicht automatisch dem gleichen Zeithorizont. Manche sehen offensichtlich eher die kurzfristige Cash-Belastung als dominantes Risiko, andere gewichten den Unternehmens- und Produkt-Zyklus stärker. Der Marktpreis kann dabei ebenfalls täuschen: Das im Text genannte Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 liegt spürbar unter dem Fünfjahresmedian. Genau diese Lücke wird oft genutzt, um Capex-Phasen zu „normalisieren“ – aber sie beantwortet nicht die Frage, ob die Investitionen zeitlich und strukturell zu den Umsätzen durchschlagen.

Regulatorik spielt in diesem Umfeld weiterhin eine zweite Rolle, sie wird aber selten zum alleinigen Treiber der Ergebnisentwicklung. Laut den Angaben wurde ein Plan für den Android-App-Store durch einen US-Richter zurückgewiesen, der damit echte Wettbewerbsspielräume bei der Installation von Konkurrenz-Stores verlangte; Google habe daraufhin Änderungen zugesagt. Parallel nennt der Artikel eine digitale Werbesteuer, die Maryland einnimmt, und die Zusicherung von Rückerstattungen durch Google. In Summe bleibt das für Unternehmen vor allem ein Kosten- und Prozessrisiko: Es wirkt auf Compliance-Abläufe, technische Integrationen und potenziell auf künftige Geschäftsmodelle – aber die Kapitalallokation und die Cloud-Performance entscheiden in dieser Phase typischerweise darüber, ob sich die KI-Infrastruktur-Investitionen in belastbare Cash-Erträge übersetzen.

Am Ende lassen sich aus den genannten Zahlen zwei Wahrheiten ableiten, die sich nicht gegenseitig aufheben. Erstens: Die operative Substanz trägt die Story, besonders über das Cloud-Wachstum, das mit 82 Prozent Wachstum und einer operativen Marge von 35,6 Prozent im Text verankert ist. Zweitens: Die Kapitalintensität verschiebt sich gerade so stark nach oben, dass Alphabet selbst zeitweise stärker in der Rolle des „Cash-Capex-Verursachers“ wirkt als in der Rolle des „Effizienzvorsprungs“, den man der Branche gern zuschreibt. Für Anleger heißt das praktisch: Wer die Aktie hält, kauft weniger eine Momentaufnahme der nächsten fünf Quartale, sondern – in der Logik des Free-Cashflow-Problems – eine Erwartung an die nächsten fünf Jahre und länger. Gerade Buffett-orientierte Investitionsthesen lassen sich dadurch nicht einfach als Widerspruch zu negativen Cashflow-Zahlen lesen, sondern als Wette darauf, dass die Investitionen später in wiederkehrende Zahlungsströme übergehen.

Für die Umsetzung bedeutet das auch für Nicht-„Value“-Investoren: Beim Controlling sollte der Fokus nicht bei einem einzigen Cashflow-Statement enden. Entscheidend ist, wie sich Capex-Volumen, Auslastung der Rechenzentren und die Ergebnisqualität in der Cloud über mehrere Quartale hinweg synchronisieren. Wenn der operative Gewinnlauf die Investitionswelle bislang abfedert, entsteht ein Zeitfenster, in dem die Bewertung noch stark auf Wachstum reagiert, während der Free-Cashflow kurzfristig korrigiert. In dieser Phase wird es besonders relevant, die Messlatte zu klären: Nicht „Warum ist Free Cashflow negativ?“, sondern „Wann wird daraus wieder freier Cashflow und wie nachhaltig?“


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