LONDON (IT BOLTWISE) – Piper Sandler hebt das Kursziel für Alphabet an und stellt dabei das externe TPU-Chipgeschäft in den Mittelpunkt. Die Analysten rechnen damit, dass Google mit steigender TPU-Kapazität deutlich größere Hardware-Umsätze erzielt. Gleichzeitig wird die Strategie als wachsende Konkurrenz zur bis dahin dominierenden Rolle von NVIDIA im KI-Rechenzentrumsmarkt eingeordnet. Für Anleger wird entscheidend, welche Details Alphabet zum Hochlauf der ausgelieferten TPU-Systeme im kommenden Quartalsbericht liefert.

Piper Sandler richtet den Blick auf einen Teil von Alphabet, der bislang im Markt noch nicht vollständig eingepreist wirkte: das externe TPU-Chipgeschäft. Während NVIDIA seit Jahren als Maßstab für GPUs in vielen KI-Workloads gilt, argumentieren die Analysten, dass Googles eigene Tensor Processing Units (TPUs) zunehmend dort aufholen könnten, wo Kunden nicht nur Rechenleistung kaufen, sondern komplette, auf Effizienz und Datenflüsse optimierte Beschleuniger-Stacks erwarten. Genau in diese Lücke setzt die Anhebung des Kursziels auf 400 US-Dollar an, verbunden mit der Einschätzung „Overweight“.
Konkreter wird die Modellierung, wenn man versteht, wie ein DCF-Ansatz die Werttreiber im Zeitverlauf gewichtet. Laut den Angaben zur Herleitung korrigierte Piper Sandler die Umsatzschätzung für 2027 um 2 Prozent nach oben und hob die Projektion für das operative Ergebnis 2027 sogar um 8 Prozent an. Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Konsens liegt dabei weniger in der kurzfristigen Kursreaktion, sondern im Aufbau eines bislang jungen, extern ausgerichteten Hardwaregeschäfts: Alphabet weist bereits Erlöse aus TPU-Systemverkäufen aus, die erstmals an Kundenrechenzentren ausgeliefert wurden.
Technisch lässt sich TPUs als Spezialisierung auf KI-typische Rechenmuster beschreiben: Statt „universeller“ GPU-Durchsatzmaximierung setzt Google stärker auf ein Systemdesign, das Rechenoperationen, Speicherzugriffe und Netzwerk-/Interconnect-Aspekte enger zusammen betrachtet. Genau diese Architekturhypothese spielt in den Kapazitätsannahmen hinein, die Piper Sandler nennt: Bis Ende 2027 soll die TPU-Kapazität auf 3 Gigawatt wachsen, bis Ende 2028 auf 6 Gigawatt. Aus Sicht der Analysten ist das kein reines Produktionsdetail, sondern ein Mechanismus, der sich direkt in adressierbare Hardwareumsätze übersetzen lässt – nicht zuletzt, weil die Kundenanbindung an Training- und Inferenzpipelines mit steigender Kapazität skaliert.
Für die Quartalslogik und die Investorenerwartungen ist zudem wichtig, dass Alphabet nach eigenen Angaben Erlösanteile aus bestehenden TPU-Vereinbarungen erst später in den Zahlen „realisiert“. So stieg der Cloud-Umsatz im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar, gleichzeitig aber betonte die Finanzchefin Anat Ashkenazi, dass der Großteil der Erlöse aus vorhandenen TPU-Abmachungen überwiegend 2027 erwartet wird. Daraus folgt: Die laufenden Cloud-Zahlen liefern zwar Rückenwind, doch die Bewertung des TPU-Geschäfts hängt davon ab, wie schnell und in welchem Volumen die ausgelieferten Systeme im Jahresverlauf weiter hochgefahren werden.
Piper Sandler skizziert dabei ein ambitioniertes Wachstumsprofil bis 2028. In der Modellrechnung soll das neu ausgewiesene externe TPU-Chipgeschäft auf einen Hardwareumsatz von rund 104 Milliarden US-Dollar anwachsen. Der Sprung in der Projektion wird besonders deutlich, wenn man die Bandbreite der Umsatzannahmen betrachtet: von etwa 8 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 51 Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr. Hintergrund ist die Verknüpfung von Kapazität und Investitionslogik: Piper Sandler kalkuliert mit Investitionsausgaben von rund 30 Milliarden US-Dollar je Gigawatt TPU-Kapazität, was in der Modelllogik etwa einer Million Chips entspricht. Entscheidend wird damit nicht nur, ob mehr Kapazität bereitsteht, sondern ob die Auslieferungen in genügend großem Umfang durch Kundennachfrage „abgenommen“ werden.
Im Wettbewerbskontext wird das Ganze als potenzielle NVIDIA-Bedrohung gerahmt. Google verfolgt den Ansatz, innerhalb weniger Jahre einen relevanten Anteil am Rechenzentrumsumsatz zu gewinnen; im Raum steht dabei die Größenordnung, bis zu 10 Prozent des NVIDIA-Umfelds zu adressieren. Auch wenn diese Zielgröße keine Garantie für einen schnellen Technologiewechsel ist, verdeutlicht sie die strategische Richtung: TPU soll nicht nur intern effizienter werden, sondern extern als kaufbares Produkt mit planbaren Lieferketten und skalierbaren Kapazitäten auftreten. Dass Analystenkonsens und Kursziele dabei auseinanderlaufen, zeigt sich auch in den genannten Spannen: Ausgehend von 12 Empfehlungen „Strong Buy“ und weiteren Einstufungen liegt das mittlere Kursziel bei 430,78 US-Dollar, die Spanne reicht von 379 bis 475 US-Dollar.
Für den Markt bleibt der nächste Belastungstest klar: Alphabet muss im weiteren Verlauf nachvollziehbar machen, wie schnell die TPU-Systemverkäufe tatsächlich von Vereinbarungen in ausgelieferte Hardware übergehen. Der für Ende Oktober erwartete Quartalsbericht zum dritten Quartal könnte hier die ersten belastbaren Details liefern. Sollte sich das Hochlauftempo bestätigen, würde das Piper Sanderls These stützen, dass Googles TPU-Geschäft vom „Nischenposten“ zum Bewertungshebel wird. Andernfalls dürfte vor allem die Frage im Vordergrund stehen, ob die Kapazitätserweiterung schneller ausfällt als die reale Kundenadaption in produktiven Trainings- und Inferenzumgebungen.
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