LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Altus Group veröffentlicht für das zweite Quartal 2026 eine europaweite Datensatzanalyse zu CRE-Bewertungstrends. Der paneuropäische Wertzuwachs fällt auf 0,3 % und damit schwächer aus als noch im ersten Quartal. Getragen wird die Entwicklung weiterhin vor allem von besseren Cashflow-Grundlagen, während steigende Bewertungsrenditen das Gesamtniveau dämpfen. Besonders im Bürosektor stabilisieren sich die Werte, und Deutschland wirkt dabei als Bremse.

Altus Group: CRE-Bewertungen in Europa steigen im Q2 2026 nur noch 0,3 %
Altus Group: CRE-Bewertungen in Europa steigen im Q2 2026 nur noch 0,3 % (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Stimmung in europäischen Gewerbeimmobilien bleibt zwar positiv, aber sichtbar weniger dynamisch: In der Datensatzanalyse der Altus Group zum zweiten Quartal 2026 steigt der Wert der beobachteten offenen, diversifizierten Immobilienfonds um 0,3 %. Damit setzt sich zwar die Serie positiver Quartalswerte fort – das achte Quartal in Folge – zugleich sinkt das Tempo gegenüber dem ersten Quartal, in dem die Steigerung noch bei 0,6 % lag. Für Marktteilnehmer ist das vor allem deshalb relevant, weil sich an dieser Stelle die Frage verlagert: weniger „Ob“ sich Werte entwickeln, sondern „wie stark“ und „über welche Treiber“.

Technisch betrachtet beruht der Blick auf eine breite Datenbasis: Für das Q2 2026 fließen europaweite Fonds mit rund 30 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen ein, aktiv in 16 Ländern. Die Analyse deckt insbesondere die Segmente Industrie, Büro, Einzelhandel und Wohnen ab – also genau jene Sparten, in denen in den letzten Quartalen sehr unterschiedliche Miet- und Renditeverläufe zu beobachten waren. Die Altus Group kompiliert dafür vierteljährlich CRE-Bewertungsdaten; der Datensatz dient damit als konsolidierte Momentaufnahme darüber, wie sich Annahmen und Kapitalmarktparameter in Bewertungen niederschlagen.

Der zentrale Mechanismus hinter der Entwicklung bleibt laut Datensatz: Die Wertsteigerungen werden weiterhin vor allem durch sich verbessernde Cashflow-Grundlagen gestützt. Dazu zählen steigende Markt- und Vertragsmieten, leichte Zuwächse bei der Vermietungsquote sowie niedrigere Annahmen zu Investitionsausgaben. Entscheidend ist jedoch der Vorjahres- und Quartalsabgleich: Zwar bleiben Cashflows die wichtigste Quelle für das Wertwachstum, der Beitrag aus dem Cashflow-Bereich lässt im Vergleich zum Vorquartal aber nach. Gleichzeitig drücken Bewertungsrenditen weiter nach außen auf das Gesamtniveau, denn mit dem Renditeanstieg im vergangenen Jahr verlieren Bewertungen rechnerisch an „Luft“, selbst wenn operative Kennzahlen nicht kippen.

Innerhalb des Marktes zeichnen sich außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Anlageklassen ab. Wohnimmobilien bleiben die stärkste Kategorie: Der Sektor legt im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal um 0,7 % zu und erzielt zudem mit 3,3 % im Jahresvergleich die höchste Wertsteigerung unter den wichtigsten Immobilienarten. Industrieimmobilien hingegen wachsen nur moderat: Im Quartalsvergleich beträgt der Zuwachs 0,1 %, weil langsameres Mietwachstum und geringere Cashflow-Zuwächse – von 1,1 % im ersten Quartal auf 0,3 % im zweiten – durch einen leichten Renditeanstieg teilweise ausgeglichen werden. Auch im Jahresverlauf zeigt sich die Abschwächung: Industrieimmobilien steigen in den letzten 12 Monaten um 1,8 %, nach zuvor noch 2,8 % im vorherigen Jahreszeitraum.

Am stärksten sichtbar wird der Rollenwechsel im Bürosektor. Dort stabilisieren sich die Werte im Laufe des Quartals, weil ein begrenztes Cashflow-Wachstum und Annahmen zu geringeren Investitionsausgaben durch einen weiteren Anstieg der Renditen ausgeglichen werden. In der Folge bleibt Büro mit 0,8 % jährlichem Wertzuwachs der schwächste unter den wichtigsten Immobiliensektoren; die Gesamtzuwächse werden dabei laut Datensatz durch Deutschland gebremst. Deutschland ist zudem die einzige Region im Datensatz, in der die Werte über das letzte Jahr hinweg gesunken sind – ein Punkt, der für das Risikomanagement vieler Portfolios unmittelbar spürbar ist, weil unterschiedliche regionale Preisniveaus und Renditeanforderungen die Bewertungskurven verschieden steuern.

Im Einzelhandel zeigt sich dagegen eine andere Dynamik: Gegenüber dem ersten Quartal steigen die Werte im zweiten Quartal um 0,5 % und damit über dem Durchschnitt. Auffällig ist der Treiber-Mix; die Wertzuwächse werden vor allem durch renditebezogene Faktoren getragen und weniger durch Cashflow-Wachstum. Zudem hebt der Datensatz hervor, dass Einzelhandelsimmobilien als einziger Sektor im vergangenen Jahr einen Rückgang der Renditen verzeichneten, was im Jahresvergleich zu einer Wertsteigerung von 2,0 % beitrug. Der „Sonstige“-Bereich entwickelt sich wiederum überproportional: +2,0 % im zweiten Quartal und 6,5 % im Jahresvergleich. Dahinter stehen starkes Mietwachstum und anhaltende Investorennachfrage, insbesondere bei Studentenwohnheimen, die rendite- und cashflowbasierte Wertentwicklung über alle Kategorien hinweg nach oben ziehen.

Für die Marktpositionierung ergibt sich daraus ein klares Bild: Die Bewertungslage in Europa ist weiterhin von operativen Fundamenten gestützt, aber die „Rechenlogik“ der Renditen bleibt ein Gegenwind. Dass sich die Quartalsrenditeauswirkungen trotz verbesserter Vermietungsindikatoren bemerkbar machen, deutet darauf hin, dass Bewertungsmodelle in der aktuellen Phase stärker als zuvor von Kapitalmarkterwartungen getrieben werden. Für Fondsmanager, Gutachter und strategische Investoren bedeutet das in der Praxis, dass sie bei der Portfoliosteuerung nicht nur Miet- und Belegungsraten verfolgen sollten, sondern auch die Annahmen zu Investitionsausgaben und die Rendite-Treiber im jeweiligen Segment eng mitmonitoren – vor allem dort, wo regionale Abweichungen wie im Bürosektor in Deutschland den Gesamttrend verzerren können.

Auch wenn der Datensatz keine direkte Prognose liefert, lässt sich aus dem Muster eine handfeste Konsequenz ableiten: Der Übergang von beschleunigter Wertentwicklung hin zu stabileren, langsamer steigenden Bewertungen erhöht den Bedarf an konsistenter Bewertungsqualität und sauberer Datenaggregation. Genau in diesem Kontext sind die vierteljährlichen, offenen Fonds-Daten nützlich, weil sie Vergleichbarkeit über Länder und Sektoren hinweg herstellen. Wer im nächsten Quartalszyklus Entscheidungen treffen muss – etwa bei Ankauf/Verkauf, Refinanzierung oder Portfolio-Umschichtungen – bekommt damit eine belastbare Messlatte, wie sich Cashflow- und Renditeeffekte gleichzeitig bewegen. Damit rückt die Frage nach der Sensitivität gegenüber Renditeannahmen stärker in den Vordergrund als die reine Betrachtung kurzfristiger Wertänderungen.


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