LONDON (IT BOLTWISE) – Amazon Leo will Mobilfunk direkt per Satellit für kompatible Geräte anbieten und dafür ein Direct-to-Device-System mit bis zu 5.105 Satelliten aufbauen. Die Beantragung beim U.S. Federal Communications Commission zielt auf Betrieb und Start der ersten Bereitstellung ab 2028. Technisch setzt das Vorhaben auf Signalverarbeitung im Orbit statt „Bent Pipe“, ergänzt durch Laser-Links zwischen den Satelliten und digitale Strahlformung. Damit sollen auch Regionen außerhalb von Funkmasten und Krisengebieten besser angebunden werden, inklusive Notfall- und Kommunikationsdiensten.

Amazon Leo plant Direct-to-Device: bis zu 5.105 Satelliten ab 2028
Amazon Leo plant Direct-to-Device: bis zu 5.105 Satelliten ab 2028 (Foto: IT BOLTWISE)
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Amazon Leo macht aus dem traditionellen Satelliten-Backhaul für Mobilfunk eine direkte Verbindung zum Endgerät: In einer Einreichung bei der U.S. Federal Communications Commission beschreibt das Unternehmen ein Amazon-Léo-Direct-to-Device-(D2D)-System, das kompatible Smartphones und andere mobile Geräte direkt aus dem Orbit ansprechen soll. Der Kern ist eine aus bis zu 5.105 Satelliten bestehende Konstellation in niedriger Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit), deren Satellitenstart laut Plan ab 2028 beginnen soll. Ziel ist es, Sprach-, Nachrichten-, Daten- und Notfalldienste dorthin zu bringen, wo Funkmasten fehlen oder Störungen die Netzverfügbarkeit einschränken.

Damit positioniert sich das Projekt klar gegen das, was in der Satellitenbranche lange als „Bent-Pipe“-Ansatz bekannt war: Satelliten leiten dort Signale im Wesentlichen ohne grundlegende Verarbeitung weiter. Leo will dagegen bereits im Orbit vorverarbeiten und erst danach weiterreichen, um Performance und Effizienz zu verbessern. Außerdem verteilt Amazon Leo seine D2D-Satelliten auf fünf Bahnschalen, die jeweils für andere geografische Breiten optimiert sind: drei Schalen für mittlere Breiten mit 580 km/55,7°, 560 km/58,2° und 510 km/56,3° Höhe beziehungsweise Neigung, plus zwei Schalen für höhere Breiten mit 570 km/73° und nahe Polaris mit 540 km/84°.

Für die Funkstrecken sieht das Konzept zwei technische Ebenen vor: Die Kommunikation zwischen Satelliten und mobilen Geräten erfolgt über dedizierte Frequenzbänder im L- und S-Band. Der Datentransport zwischen Satelliten und Bodenstationen nutzt dagegen separate Hochkapazitäts-Links in Ka- und V-Band, vergleichbar mit einem Backhaul für Mobilfunkmasten. Entscheidend für die Funkökonomie ist dabei weniger nur die Wahl der Bänder, sondern die Art, wie die Signale geformt, gebündelt und codiert werden: Geplant sind digitale Strahlformung und Beam-Hopping, um konzentrierte Signale exakt dorthin zu lenken, wo und wann sie benötigt werden, und gleichzeitig Leistungs- und Interferenzverluste zu reduzieren.

Der Antrag macht außerdem deutlich, dass Leo „Spektrum-Effizienz“ als Designziel versteht: Satelliten sollen Signalleistung in zugewiesenen Frequenzkanälen eng begrenzen, damit wenig Energie in Nachbarbänder austritt. Zusätzlich ist Dual-Polarization vorgesehen, also die parallele Auswertung unterschiedlicher Polarisationsrichtungen, um mehr Information aus demselben Frequenzbereich zu gewinnen und gerade bei schwachen Signalen leistungsschwächerer Geräte die Signalqualität zu erhöhen. Dazu kommt adaptives Modulations- und Codierungsverhalten, das die Datenkodierung in Echtzeit an die Funkbedingungen anpasst – damit steigen Durchsätze in guten Momenten, während in schlechteren Bedingungen die Verbindungsstabilität Priorität bekommt.

Für viele Unternehmen ist der Marktzugang weniger eine Frage der Satellitentechnik als der Partner- und Ökosystemstrategie. Amazon Leo kündigt Kooperationen mit Netzbetreibern wie Vodafone, DirecTV, Herotel und dem National Broadband Network in Australien an und will die D2D-Funktionalität als Ergänzung zu bestehenden Mobilfunknetzen einsetzen – insbesondere für Abdeckungslücken, wenn eine terrestrische Erweiterung zu teuer oder verwundbar gegenüber Störungen wäre. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Verträglichkeit mit anderen Nutzern: Im Text wird beschrieben, dass Leo Frequenzzuteilungsrahmen im In- und Ausland einhalten will und im Sinne einer guten Koordination mit anderen Satellitenbetreibern arbeitet, um Interferenzen zu vermeiden.

Der Zeitplan hängt zudem an einem strategischen Schritt: Nach einem verbindlichen Merger mit Globalstar im April soll Amazon dessen bestehende Satellitenoperationen, Infrastruktur und Assets übernehmen – inklusive mobiler Satellitenservice-(MSS)-Spektrum-Lizenzen mit globalen Autorisierungen. Das soll es ermöglichen, D2D-Dienste in das wachsende LEO-Portfolio von Amazon zu integrieren, das bereits um erste Generationen von Satelliten-Breitbanddiensten und um weitere Konstellationen erweitert werden kann. Schon heute wird berichtet, dass Amazon Leo mit der ersten Breitbandgeneration deployments vorantreibt und bereits über 390 Satelliten im Orbit verfügt, sodass eine rollierende Ausrollung für Festnetz-ähnliche Dienste in ersten Breitenbändern noch in diesem Jahr starten kann.

Auch der Blick auf das Geräte-Ökosystem zeigt, warum das Projekt für die Mobilfunkindustrie mehr ist als ein „Edge“-Experiment. Amazon Leo verweist auf eine Vereinbarung mit Apple, die satellitengestützte Dienste für unterstützte iPhone- und Apple-Watch-Modelle abdecken soll – darunter Emergency SOS via Satellit sowie Messages, Find My und Roadside Assistance via Satellit. Für D2D bedeutet das: Sobald Endgeräte direkt kompatibel sind, wird die Reichweite von Mobilfunkfunktionen aus der reinen Zellnetzlogik herausgelöst und kann in abgelegenen Gebieten oder bei Ausfällen konsistent verfügbar bleiben. Technisch unterfüttert wird das zudem durch optische Inter-Satelliten-Links (Laserverbindungen), die zwischen den Satelliten intelligente Traffic-Routing-Entscheidungen unterstützen sollen – ein wichtiger Baustein, um Latenz und Kapazitätsplanung im Betrieb zusammenzubekommen.


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