LONDON (IT BOLTWISE) – Der weltweite KI-Boom erhöht den Strombedarf spürbar und stellt Netzausbau und Verteiltechnik unter Druck. Laut Internationaler Energieagentur sollen die Investitionen bis 2030 um rund 50 Prozent auf 600 Milliarden US-Dollar steigen. Ein neuer Amundi-ETF bündelt dafür die Wertschöpfung rund um Stromnetze und investiert in 96 Unternehmen. Anleger erhalten damit thematischen Zugang zu Hardware, Netzsteuerung und Projektierung entlang der Elektrifizierung.

Wer in den letzten Monaten auf den KI-Asset-Zug aufgesprungen ist, hat häufig zuerst Rechenzentren, Halbleiter und Cloud-Kapazitäten im Blick gehabt. Genau diese Verschiebung im Energiesystem macht aber eine zweite Infrastruktur-Schicht zum Engpass: Ohne belastbare Übertragungs- und Verteilnetze bleibt die Rechenleistung nicht nur teuer, sondern kann auch schneller zum Liefer- als zum Nachfragefaktor werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) zeigt diese Dynamik in Zahlen: Der weltweite Stromverbrauch soll bis 2030 jährlich durchschnittlich um 3,6 Prozent steigen, und zusätzlich warten bereits Energie- und Großverbraucherprojekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 2.500 Gigawatt auf Netzanschlüsse. Damit rückt der Netzausbau als infrastrukturelle „Runway“ in den Vordergrund – und es entsteht ein Markt, der nicht nur mit KI, sondern zugleich mit Elektromobilität, Wärmepumpen und der Energiewende zusammenspielt.
Für die Größenordnung ist entscheidend, wie stark der Kapitalbedarf bis 2030 angehoben werden muss. Die IEA nennt für die Stromnetze Investitionen, die von derzeit 400 Milliarden auf etwa 600 Milliarden US-Dollar steigen sollen. Das ist nicht nur ein Wachstumsversprechen, sondern wirkt sich auch auf die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen entlang der Netz-Wertschöpfungskette aus: Projektierung und Bau von Leitungen, Modernisierung bestehender Anlagen, Betrieb und Ausbau von Umspannwerken sowie die Netzsteuerung, die Schwankungen aus erneuerbaren Einspeisungen ausgleichen muss. Der neue thematische Fonds, der an die Elektrifizierungslinie angelehnt ist, greift genau dort an und ordnet Unternehmen nicht als „KI-Wetten“, sondern als Infrastruktur- und Komponentenlieferanten in den zukünftigen Stromfluss ein.
Der Amundi Global Electrification Infrastructure UCITS ETF Acc wurde am 29. September 2026 aufgelegt und ist seit dem 20. Oktober an der Xetra und der Euronext Paris handelbar. Er bildet den Solactive Global Electrification Infrastructure Index physisch nach und umfasst aktuell 96 Unternehmen. Physisch nachzubilden bedeutet in der Praxis: Der Fonds hält die im Index enthaltenen Wertpapiere statt synthetischer Abbildung über Derivate. In der Zusammensetzung finden sich unter anderem Anbieter für den Bau und die Modernisierung von Übertragungs- und Verteilungsnetzen, Hersteller von Schaltanlagen, Transformatoren und elektrischen Verbindungssystemen sowie Energieversorger und Anbieter moderner Netzsteuerungstechnik. Dadurch deckt der ETF sowohl den Ausbau erneuerbarer Energien als auch den höheren Strombedarf durch Rechenzentren, Industrieprozesse und Elektromobilität ab – also die beiden Treiber, die sich in der Realität häufig gegenseitig verstärken.
Bei den größten Positionen wird sichtbar, wie breit der Fonds das Thema „Netze“ technisch interpretiert. Mit 5,61 Prozent führt Quanta Services: Das Unternehmen plant, errichtet und modernisiert Stromübertragungsleitungen, Umspannwerke und weitere Energieinfrastruktur. Gerade im Zusammenspiel aus neuen Kraftwerksanschlüssen und zusätzlicher Last durch Rechenzentren kann das Geschäftsmodell stark profitieren, weil Netzkapazität nicht nur aufgebaut, sondern auch in Betrieb gehalten und modernisiert werden muss. Die vom Unternehmen gemeldeten Kennzahlen untermauern den Investitionszyklus: Für das Quartal zum 29. Oktober 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent auf 12,0 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich von 3,33 auf 6,06 US-Dollar, und der Gesamtauftragsbestand erreichte 63,7 Milliarden US-Dollar. Auf Platz zwei folgt TE Connectivity mit 5,56 Prozent – ein Signal dafür, dass „Unsichtbarkeit“ in der Elektrotechnik ein Vorteil ist: Steckverbinder, Sensorik und Verbindungstechnik entscheiden mit darüber, ob Strom und Daten in Hochleistungsumgebungen zuverlässig übertragen werden.
Auch ABB, ebenfalls mit einer großen Gewichtung von 5,44 Prozent, zeigt, wie stark die Infrastruktur-Komponente in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnt. Der Schweizer Konzern adressiert mit elektrischen Verteil- und Automatisierungssystemen genau die Schicht zwischen Energieerzeugung und nutzbarer Leistung. Für das dritte Quartal meldete ABB einen um 40 Prozent gestiegenen Auftragseingang auf 12,1 Milliarden US-Dollar; besonders relevant ist dabei das Rechenzentrumsgeschäft, das nach Unternehmensangaben dreistellig zulegte. Ergänzend kündigt ABB ein Gleichstrom-Portfolio (Infinitus) an, das auf steigende Leistungs- und Effizienzanforderungen moderner KI-Rechenzentren zugeschnitten ist. Dass dazu auch ein neuartiger Transformator gehört, der ab der zweiten Jahreshälfte 2027 verfügbar sein soll, deutet auf eine langfristige Industrialisierung hin – und nicht nur auf kurzfristige Bestellungen. Ergänzend wirkt sich die Fondskonstruktion auf die Risikostruktur aus: Die vier größten Unternehmen vereinen etwa 22 Prozent des Portfolios, während der Branchenmix stärker Richtung Industrieunternehmen (60,6 Prozent) und Energieversorger (31,2 Prozent) verschiebt; Informationstechnologie macht dagegen 7,9 Prozent aus.
Für Anleger ist damit vor allem das Spannungsfeld aus Bewertung und Ausführungsrisiko relevant. Der Fonds ist noch jung: Seit Auflage hat er zunächst 2,1 Prozent gewonnen, und langfristige Performanceverläufe fehlen. Gleichzeitig sind bei vielen Elektrotechnik- und Infrastrukturspezialisten Wachstumserwartungen bereits in den Kursen sichtbar eingepreist. Verzögerungen beim Netzausbau, steigende Kosten oder schwächere Auftragseingänge könnten daher zu Rücksetzern führen – allerdings liefern hohe Auftragsbestände bei mehreren Schwergewichten auch eine fundamentale Basis für die nächsten Jahre. Am Ende eignet sich der Amundi Global Electrification Infrastructure UCITS ETF Acc vor allem für langfristig orientierte Depots, die den KI-Impuls nicht über einzelne Technologiefirmen abbilden wollen, sondern über die physische Infrastruktur, die den nächsten Strombedarf tatsächlich in nutzbare Kapazität übersetzt.
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