GRAZ / LONDON (IT BOLTWISE) – ANDRITZ meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Auftragseingang von 5,9 Mrd. EUR und damit +25,2 % gegenüber H1 2025. Der Auftragsstand erreicht mit 12.602,1 MEUR einen neuen Rekordwert (+20,5 %). Gleichzeitig steigt der Umsatz um 5,2 % und die vergleichbare EBITA-Marge verbessert sich auf 8,6 %. Damit baut der Konzern die Grundlage aus, um die Prognose für 2026 mit einem Umsatzkorridor von 8,0 bis 8,3 Mrd. EUR zu stützen.

Das erste Halbjahr 2026 setzt bei ANDRITZ vor allem an der einen Stelle an, die für viele Investitionsgüter-konzerne über Quartale hinweg den Takt vorgibt: dem Auftragseingang. Mit 5,919,7 MEUR im zweiten Quartal und insgesamt 5,919,7 MEUR im ersten Halbjahr (plus 25,2 % gegenüber H1 2025) landet der Technologiekonzern nicht nur bei höheren Bestellungen, sondern verschiebt auch das Timing für die spätere Umsatzrealisierung. Für die Unternehmensplanung ist das mehr als nur eine Kennzahl auf der Gewinn- und Verlustseite: Ein wachsender Auftragsstand von 12.602,1 MEUR (+20,5 % gegenüber Jahresende 2025) wirkt wie ein Puffer, der die Auslastung der Projektteams, die Beschaffung von Komponenten und die Kapazitätsplanung in Fertigungs- und Serviceeinheiten stabilisiert.
Technisch lässt sich der Effekt am besten verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie solche Projekte typischerweise entstehen: Ein Großauftrag bündelt Ingenieurleistungen, Lieferumfänge und teils mehrjährige Service- und Modernisierungspakete. Genau darin liegt die Logik des aktuellen Halbjahresberichts. ANDRITZ führt das Wachstum explizit auf das außergewöhnlich starke erste Quartal zurück und nennt als zusätzliche Treiber die Nachfrage nach erneuerbaren Energien, Elektrifizierung sowie Ressourceneffizienz. In der Praxis bedeutet das häufig, dass Betreiber nicht nur neue Anlagen bestellen, sondern bestehende Infrastrukturen nachrüsten müssen, um Schwankungen auszugleichen, Wirkungsgrade zu erhöhen oder regulatorische sowie wirtschaftliche Anforderungen über den Lebenszyklus zu erfüllen.
Der Blick auf die Geschäftsbereiche zeigt zudem, dass der Auftragsschub nicht aus einer einzigen Nische kommt. Im Bereich Hydropower klettert der Auftragseingang auf 2.445,9 MEUR (+81,8 % gegenüber H1 2025). Als Beispiele nennt der Konzern die Modernisierung des Wasserkraftwerks Strandfossen in Norwegen sowie fünf rotierende Phasenschieber für Kolumbien. Solche Komponenten sind für die Netzstabilität relevant, weil sie helfen, den Betrieb bei variabler Einspeisung besser zu beherrschen; damit adressieren sie einen Engpass, der in vielen Stromsystemen mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien sichtbar wird. Gleichzeitig steigt der Umsatz im Segment Hydropower um 12,5 %, was ANDRITZ vor allem mit der Abarbeitung eines in den vergangenen Quartalen aufgebauten hohen Auftragsstands erklärt.
Während Hydropower den starken Impuls liefert, zeigt Pulp & Paper, wie Nachfrage nach integrierten Wertschöpfungsketten und Serviceleistungen zusammenwirkt. Der Auftragseingang erreicht 1.886,3 MEUR (+8,8 %), und der Konzern verweist auf Investitionen in neue Zellstoffwerke, insbesondere in China, wo Papierhersteller die Zellstoffproduktion zunehmend in die eigene Kette integrieren. Diese Entwicklung wirkt in zwei Richtungen: Erstens erhöhen neue oder erweiterte Produktionslinien den Bedarf an Anlagenlieferungen; zweitens bleibt die Betriebsstabilität ein Dauerprojekt, das Servicegeschäft und Modernisierungen kontinuierlich unterstützt. Entsprechend wächst der Umsatz in Pulp & Paper um 6,6 %, getragen sowohl von Anlagenlieferungen als auch vom Service.
Auch Metals ist ein zentraler Baustein, aber mit anderer Dynamik. Der Auftragseingang steigt hier auf 910,1 MEUR (+4,3 %), während Environment & Energy bei 677,4 MEUR (-12,7 %) bleibt. In Metals nennt ANDRITZ eine Verbesserung der Investitionstätigkeit in der Stahlindustrie, während die Investitionsbereitschaft der Automobilindustrie insgesamt noch verhalten bleibt, jedoch erste Stabilisierungssignale zeigt. Dadurch verbessern sich die Auftragseingänge sowohl bei Metals Processing als auch bei Metals Forming im zweiten Quartal. Als konkrete Beispiele werden Verarbeitungsanlagen in Indien und China für hochfeste, hochwertige Stähle sowie Schlüsselkomponenten für ein integriertes Edelstahlwerk in der Türkei genannt. Diese Mischung aus Geografie und Anwendungsfall ist für die Branche typisch: Stahl- und Komponenteninvestitionen reagieren häufig auf unterschiedliche Industriezyklen, während Modernisierung und Effizienzprogramme in vielen Fällen kurzfristig weniger volatil sind als reine Wachstumsprojekte.
Entscheidend für das Ergebnisbild ist schließlich nicht nur der Umsatz, sondern die Profitabilität. ANDRITZ hebt die vergleichbare EBITA-Marge auf 8,6 % im ersten Halbjahr an (H1 2025: 8,3 %). Das entspricht im ersten Halbjahr einem vergleichbaren EBITA von 329,7 MEUR (+8,7 %), während der Umsatz um 5,2 % wächst. Im zweiten Quartal liegt die vergleichbare EBITA-Marge sogar bei 8,9 % (Q2 2025: 8,4 %), parallel steigt das vergleichbare EBITA auf 182,4 MEUR (+14,9 %). Für Entscheider in der Industrie ist das relevant, weil es ein Signal für die Qualität der Projektkalkulation und die Fähigkeit zur Steuerung von Kosten- und Leistungsumfängen über mehrere Quartale hinweg ist. Gleichzeitig bleibt Environment & Energy ein Hinweis darauf, dass nicht jeder Bereich im selben Tempo wächst; für die Gesamtentwicklung spricht jedoch der breite Mix aus Hydropower, Pulp & Paper und Metals.
Vor diesem Hintergrund bestätigt der Vorstandsvorsitzende Dr. Joachim Schö nbeck die Prognose für 2026 und verknüpft sie mit einer konsequenten Projektabwicklung. Operativ bedeutet das: Bei steigenden Bestellungen müssen Projektmanagement, Lieferketten, Engineering-Ressourcen und die Koordination von Partnern so zusammenlaufen, dass aus dem Auftragseingang keine Ertragsfalle wird. Finanziell erwartet ANDRITZ weiterhin eine Rückkehr zum Wachstum; für 2026 prognostiziert der Konzern einen Umsatz zwischen 8,0 und 8,3 Mrd. EUR. Die vergleichbare EBITA-Marge soll voraussichtlich weiterhin auf hohem Niveau zwischen 8,7 % und 9,1 % liegen. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit im laufenden Jahr vor allem auf die Frage, ob der erhöhte Auftragsstand die erwartete Umsatzkurve trägt, ohne dass zusätzliche Risiken in Form von Kostensteigerungen oder Terminverschiebungen die Marge drücken.
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