MAINBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Ariston Group hält trotz harter Marktschwankungen am Standort Mainburg fest. Der Konzern sieht im deutschen Heizungsmarkt langfristig weiteres Wachstum, obwohl der CCS-Zukauf zunächst mit einem massiven Gewinneinbruch und einem Einbruch der Heizungsnachfrage zusammenfiel. Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen eine neue Produktionslinie, Logistik-Ausbau sowie Forschung und Ausbildung rund um die Marke Wolf. Merloni fordert dabei vor allem planbare Rahmenbedingungen statt abrupter Kurswechsel.

Die Ariston Group hat in Deutschland bereits vor rund vier Jahren eine Wette platziert, die in ihrer Größenordnung eher nach Konzernstrategie als nach alltäglicher Standortpflege klingt: Für die deutsche Centrotec Climate Systems (CCS) zahlte der italienische Hersteller eine Milliarde Euro und eigene Aktien. Zum CCS-Portfolio zählen unter anderem Marken wie Wolf (Wärmepumpen) und Brink (Raumlüfter) – und damit genau die Produktkategorien, die im Zuge der Energiewende in den Fokus der Nachfrage rücken. Was zunächst nach einer naheliegenden Verstärkung für den wichtigsten Absatzmarkt Europas wirkte, brachte in der Praxis aber eine Phase hoher Volatilität mit sich, die Konzernchef Paolo Merloni heute zwar kritisch kommentiert, zugleich aber als vorübergehend einordnet.
Im Kern geht es dabei um das Zusammenspiel aus politischer Zielsetzung, industrieller Umstellung und dem Tempo der Lieferketten. Als Beispiel nennt Merloni das deutsche Heizungsgesetz mit Fokus auf erneuerbare Energien und Wärmepumpen – und zwar mit der pointierten Rückschau, dass „Man kann nicht ein ganzes Land innerhalb von drei Jahren auf Wärmepumpen umstellen.“ Der Hintergrund ist technisch und operativ: Wärmebereitstellungssysteme lassen sich nicht wie Software-Features innerhalb weniger Releases umstellen. Produktion, Logistik, Service-Strukturen und die Ausbildung von Fachkräften müssen Schritt halten, andernfalls entstehen Engpässe und ein Nachfrageknick, der sich später nur mit Verzögerung wieder stabilisiert.
Die Marktdaten aus dem Text unterstreichen diese Dynamik deutlich. 2023 wurden in Deutschland laut Quelle 1,3 Millionen Heizungen abgesetzt – so viele wie seit 28 Jahren nicht. Bereits im Folgejahr fiel der Markt dann um 47 Prozent ein. CCS habe sich aus Merlonis Sicht erst „heute, zwei Jahre später“ wieder erholt, allerdings auf niedrigerem Niveau: Für 2025 deuten die Zahlen auf eine Stabilisierung hin, während die Ergebnisentwicklung zunächst spürbar nachlief. So nennt die Quelle für das vergangene Jahr 2,8 Milliarden Euro Umsatz bei 132 Millionen Euro Gewinn – in etwa vergleichbar mit dem Vor-CCS-Niveau. Im Jahr 2024 dagegen sank der Umsatz auf 2,63 Milliarden Euro, und der Gewinn ging auf 2,5 Millionen Euro zurück, ein Rückgang um 98,7 Prozent.
Merloni bleibt dennoch bei seinem Kurs und verknüpft das operative Festhalten an Deutschland mit konkreten Investitionen in den Standort Mainburg, wo auch die Marke Wolf sitzt. Seit Anfang des Jahres steht dort auf 4.500 Quadratmetern – auf drei Stockwerken verteilt – der „Campus Wolf“. Dort soll Forschung zur Energiewende betrieben und Fachpersonal ausgebildet werden. Zusätzlich nennt die Quelle Investitionen von 60 Millionen Euro in den vergangenen vier Jahren, verteilt auf Logistik, eine neue Produktionslinie sowie Forschung und Ausbildung. Diese Investitionslogik ist auch aus Industrielogik heraus plausibel: Wer in energieeffiziente Heizungstechnologien hineinwachsen will, braucht nicht nur Maschinen, sondern auch Engineering-Kompetenz, Schulungsangebote und eine Produktionskette, die Schwankungen in der Stücknachfrage abfedern kann.
Die Kapitalmarktseite bleibt derweil ein Unterschied zu den operativen Plänen. Die Quelle verweist darauf, dass die Börsenperformance nach der CCS-Übernahme skeptisch betrachtet wird: Beim Börsengang 2021 wurden die Aktien zu 10,25 Euro pro Stück verkauft, heute notieren sie rund bei 3,50 Euro. Genau deshalb wirkt die positive Einschätzung von Mediobanca-Analyst Alessandro Tortora als Kontrast zur eigenen Zurückhaltung vieler Anleger, zumal er sagt: „Ariston ist im Bereich des Heizungs- und thermischen Komforts ein Allrounder, der die Marktentwicklung begleiten kann.“ Die zugrunde liegende These lautet: Mit strategischen Akquisitionen könne Ariston die Marktzyklen in den Kernmärkten Deutschland und Italien abfedern – dort, so die Quelle, entstehen auch besonders große Umsatzanteile.
Spannend ist zudem, wie das Management die Unternehmensgeschichte als Argumentationslinie nutzt. Merloni beschreibt das Unternehmen als europäisch mit „tiefen Wurzeln in Italien und Deutschland“ und verweist auf die Gründung 1930 als Waagenhersteller in einer Region Mittelitaliens, später erweitert um Sanitärtechnik. Diese Kontinuität dient nicht als reine Historienpflege, sondern als historisch plausibles Fundament für industrielle Laufbahnen: Installationsgewerke, Service-Netzwerke und Fertigungs-Know-how funktionieren am besten, wenn sie über Jahre aufgebaut und nicht nur per Zukauf kurzfristig zusammengefügt werden. Ergänzend bleibt die Quelle auch bei weiteren Schritten im Konzern aktiv, etwa dem Kauf der italienischen Riello Group für rund 320 Millionen Euro im Bereich Klimakomfort und Verbrennungstechnologien sowie dem Joint Venture mit Lennox, das die Präsenz in mehreren Ländern samt Produktionseinheiten stärken soll. Entscheidend ist dabei weniger jede einzelne Transaktion als das Muster: Ariston versucht, sowohl Technik- als auch Markt-Zugänge entlang der Wertschöpfungskette zu verdichten.
Für die nächsten Monate rückt damit eine politische Kernforderung in den Vordergrund, die Merloni explizit formuliert: Vorhersehbare Rahmenbedingungen. „Wir glauben, dass der Markt sich auf der Grundlage von langfristigen Leitlinien entwickeln sollte, ohne abrupte Kurswechsel“, sagt er. Das ist für Unternehmen im Heizungs- und Gebäudetechnik-Umfeld mehr als ein Management-Satz, denn Investitionsentscheidungen in Anlagen, Komponenten und Personal treffen häufig auf deutlich längere Vorlaufzeiten als politische Programme. Wer die Nachfragezyklen stabilisieren will, muss deshalb Zielbild, Umsetzungsrhythmus und Kapazitätsaufbau zusammenbringen – und genau daran entscheidet sich, ob die Milliardeninvestition in Deutschland in der Ergebnisrechnung weiterhin als Chance statt als Belastung gelesen wird.
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