LAUREL, MD / LONDON (IT BOLTWISE) – AvengerCon X feierte 2026 sein 10-jähriges Bestehen und brachte die Hacker-Kultur für die Cyber Mission Force zurück nach Maryland. Neben Vorträgen, Trainings-Workshops und einem Hacker-Village stand erstmals wieder eine FPV-Drohnen-Rennstrecke auf dem Programm. Entscheidend ist dabei weniger der Event-Glanz als die Struktur: Rang wird bewusst gegen Ideen getauscht, damit auch Junioren ihre ersten Talks halten können. Damit liefert die Community ein konkretes Muster, wie Security-Wissen im militärischen Umfeld skalierbar bleibt, ohne die Lernkultur zu verlieren.

AvengerCon X ist in Laurel, Maryland, in die nächste Runde gegangen – und zwar als bewusst „freies“ Format für jene, die die Cyberspace-Operationen im Umfeld der Department of War begleiten. Die Veranstaltung kehrte für ihr zehnjähriges Jubiläum ins Umfeld des Kossiakoff Centers auf dem Campus der Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory zurück und machte damit deutlich, dass Infrastruktur und Nähe zu Forschungseinrichtungen eine Rolle spielen. Anders als bei vielen klassischen Konferenzen stand weniger die Bühne im Vordergrund, sondern das Prinzip, dass Teilnehmende ihre eigenen Ideen entwickeln und in einem geschützten Rahmen austesten können. Laut den Organisatoren knüpft die Community an diesen Rhythmus aus Lernen, Teilen und Nachjustieren an.
Der technische Kern des Programms ließ sich in mehrere „Lernmodi“ aufteilen: Vorträge im Hauptauditorium, Sessions in den APL-Klassenräumen und ein Hacker-Village als informelle Austauschfläche. Dazu kamen Trainings-Workshops, die typischerweise eine Brücke zwischen Theorie und praktischer Umsetzung schlagen. Besonders sichtbar war die Kombination aus Cyber Security und physischer Umsetzung beim FPV Drone Race, das im Rahmen des Programms als gesonderter Wettbewerb organisiert wurde. Für die Cyber Mission Force hat das mehr als Event-Charakter: Wer FPV fliegt, lernt Latenzen, Funkumgebung, Sensorik und Fehlerbilder kennen – Fähigkeiten, die sich in sicherheitsrelevante Denkmodelle übertragen lassen, etwa bei Incident-Response und der Analyse unerwarteten Verhaltens.
Im Eröffnungsblock wurde vor allem die Rolle der Community-Spender betont: Gastgeber sind Freiwillige aus der 780th Military Intelligence Brigade (Cyber) und dem Praetorians-Netzwerk, um die „Hackers“ des U.S. Cyber Command und des Department of War zu unterstützen. Event Lead war Capt. Ken McGaffey, gefolgt von Dr. Joe Billingsley von der Military Cyber Professionals Association (MCPA). In der Darstellung wurde herausgestellt, dass die MCPA keine klassische Branchenvereinigung sei, sondern einen mission-orientierten Zusammenschluss. Diese Abgrenzung ist nicht nur organisatorisch, sondern wirkt auf die Kultur: Wenn der Zweck nicht Lobbyarbeit ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte operational nutzbar bleiben und weniger politisch aufgeladen sind.
Der konzeptionelle Unterbau wurde von den Keynote-Speakern Army Maj. Skyler Onken und Capt. Andreas Kellas beschrieben, beide ehemalige Praetorians. Onken erinnerte daran, dass sich die Entstehung von AvengerCon aus dem Ziel speiste, Hacker-Identität und Soldatenrollen nicht gegeneinander auszuspielen. Stattdessen sollte eine Kultur entstehen, in der Neugier, Disruption und die Suche nach Loopholes in einem sicheren Rahmen diskutiert werden. Kellas ergänzte, dass „Hacker“ und „Soldat“ nicht nur parallele Tätigkeiten sind, sondern Fähigkeiten, die sich gegenseitig verstärken können – allerdings nur, wenn man Lernräume schafft, die auch geringe Erfahrungsstufen abholen. Genau hier liegt der Vergleich zu bekannten öffentlichen Formaten: Während DEF CON als Referenz für Hacker-Kultur dient, versucht AvengerCon die Inhalte intern zugänglich zu machen.
Das Konzept der drei Prinzipien wurde dabei sehr praktisch übersetzt. Erstens gelte „intellectual merit over rank“: Die einheitliche Regel „Hacker Casual“ soll Teilnehmende nicht anhand des Ranges sortieren, sondern anhand der Qualität der Ideen und Beiträge. Zweitens sei „AvengerCon is for the Soldiers“ – also mit Fokus darauf, dass die ersten Talks von denen kommen, die noch am Anfang ihrer öffentlichen Wissensarbeit stehen. Drittens gehe es um den kulturellen Transfer: Wenn das Ziel ist, eine breite Community für Cyber-Warfare- und Cyber-Operations-Denkmuster zu schaffen, dann muss das Format die Hürde reduzieren, regelmäßig zu großen und kostenintensiven Veranstaltungen zu reisen. Kellas beschrieb zudem den strukturellen Engpass, den viele Konferenzen aus Kapazitäts- und Budgetgründen erzeugen.
Technisch zeigte sich die Ausrichtung auch in den Session-Themen, die von Smartphone-basierten OPSEC-Risiken über Social Engineering bis hin zu konkreten Supply-Chain- und Malware-Landschaften reichten. Beispiele aus dem Programm waren etwa Inhalte rund um mobile Anwendungen, die Service Members und deren Familien ins Visier nehmen, sowie Sessions wie „npm install && pwned“, die das Schadpotenzial typischer Ökosystem-Mechaniken verdeutlichen. Für Unternehmen und Teams außerhalb des Militärs ist das übertragbar: Moderne Angriffsflächen entstehen oft nicht durch „große“ Exploits, sondern durch kleine, wiederholbare Schritte in Build- und Abhängigkeitsketten. In diesem Kontext ist OPSEC nicht nur „Verhalten“, sondern ein Zusammenspiel aus Informationskontrolle, Logging-Disziplin und reproduzierbaren Sicherheitsprozessen.
Aus regulatorischer und datenschutzbezogener Perspektive ist der Bezug zu OPSEC besonders relevant, weil Cyber-Trainings in realitätsnahen Umgebungen schnell an Grenzen stoßen können: Wenn Teilnehmende Systeme, Kommunikationsdaten oder Muster aus operativen Kontexten nutzen, müssen Datenminimierung, Zugriffskontrollen und die sichere Aufbewahrung von Protokollen greifen. Der Bericht liefert zwar keine Details zu konkreten Compliance-Standards, aber die wiederkehrende Betonung auf Sicherheitskultur, unabhängige Feedback-Schleifen und die Mischung aus Seniorität und Junior-Beiträgen deutet auf ein Umfeld hin, das Risiken aktiv managt. Gerade bei Social Engineering und KI-gestützten Angriffs- bzw. Abwehrszenarien ist zudem wichtig, dass Trainings nicht versehentlich Muster erzeugen, die später missbräuchlich genutzt werden können.
Für die weitere Entwicklung wurde bereits ein nächster Takt gelegt: AvengerCon XI soll im Frühjahr 2027 stattfinden, während HammerCon V am 24. September 2026 ebenfalls im Kossiakoff Center auf dem JHUAPL-Gelände erwartet wird. Der Ausblick von Brigadekommandanten und Sprechern zielte dabei auf „Horizonterweiterung“ und kontinuierliches Wachstum in der Cyber Mission Force ab. Als Indikator für die Reife der Initiative tauchte das Thema „Normalisierung von Unabhängigkeit“ auf: Richards beschrieb, wie frühe Experimente oft ad hoc verliefen, dann aber zu Mustern wurden, die nicht jedes Mal neu erfunden werden müssen. Für Entwickler und Tech-Teams in Organisationen heißt das: Ein wiederholbarer Trainings- und Austauschzyklus kann genauso wichtig sein wie die einzelne Technologie. Künftig wird sich das Format vermutlich stärker auf KI-gestützte Sicherheitsarbeit, automatisierbare Übungsumgebungen und messbare Lernfortschritte stützen – sofern Kultur und OPSEC-Rahmen Schritt halten.
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