FARNBOROUGH / LONDON (IT BOLTWISE) – BAE Systems stellt auf der Farnborough Airshow seinen unbemannten Kampfflugzeug-Demonstrator Brontanax vor. Das CCA-Konzept (Collaborative Combat Aircraft) soll 2027 mit ersten Flugtests starten und perspektivisch bis 2030 in den Dienst gelangen. BAE positioniert das System mit mehr Tarnfähigkeit als Wettbewerber und mit einem Zielkorridor von unter 25% der Kosten eines klassischen Fighters. Damit verschiebt sich der Wettbewerb in einem Markt, in dem mehrere Hersteller gleichzeitig auf „loyale Wingmen“ setzen.

BAE Systems startet mit Brontanax in den Markt für kollaborative Kampfflugzeuge
BAE Systems startet mit Brontanax in den Markt für kollaborative Kampfflugzeuge (Foto: IT BOLTWISE)
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BAE Systems setzt bei kollaborativen Kampfflugzeugen (Collaborative Combat Aircraft, CCA) auf Geschwindigkeit und industrielle Eigenleistung: In Farnborough zeigt das Unternehmen mit Brontanax einen unbemannten „Wingman“-Ansatz, der sich bewusst in einen Markt schiebt, der gerade deutlich enger getaktet wird. Das Flugzeugmodell ist laut Unternehmensangaben in etwa so groß wie ein Hawk-Trainingsflugzeug und soll nach aktuellen Plänen bereits im nächsten Jahr mit den Flugtests beginnen. Technisch interessant ist dabei weniger der klassische „Stealth-Jäger“-Vergleich, sondern die Rolle, die das System im Verband übernehmen soll: Brontanax ist als Plattform gedacht, die zusammen mit bemannten Jets agiert und dadurch Einsatzprofile erweitern kann, ohne dass jedes zusätzliche Flugziel automatisch einen weiteren bemannten Piloten und eine entsprechende Ausbildung nach sich zieht.

Für die Einordnung lohnt der Blick auf die Marktlogik der CCAs. Diese Systeme werden häufig als „loyal wingmen“ beschrieben, weil sie nicht als Ersatz für den bemannten Kernjäger gedacht sind, sondern als ergänzende Assets. In der Praxis heißt das: Sie sollen sich in die Missionskette einfügen – mit eigener Sensorik, Funk- und Datenverbindungen sowie Flugsteuerung – und je nach Aufgabe Ziele unterstützen, Bedrohungen bewerten oder im Verbund Druck auf gegnerische Abwehrsysteme erhöhen. Gleichzeitig werden CCAs als deutlich günstiger als ein traditioneller Fighter eingeordnet; in der Berichterstattung wird ein Zielwert von etwa einem Drittel der Kosten genannt. Für Beschaffer bedeutet das eine veränderte Stücklistenlogik: Statt weniger, teurer Plattformen rückt die Option näher, mehr Luftwirkung pro Budget zu skalieren.

BAE verankert Brontanax in einer Zeitlinie, die sowohl politisch als auch operativ auf Zugkraft ausgelegt ist. Der neue britische Verteidigungsminister Wes Streeting sagte auf der Airshow, man wolle Brontanax als operational concept demonstrator nutzen und 2027 „in die Luft“ bringen. BAE selbst betont zudem, dass die Entwicklung ohne die sonst häufig übliche staatliche Mitfinanzierung vorangetrieben werde – die Firma habe dafür bereits „hundreds of millions of pounds“ investiert. Der CEO Charles Woodburn wird dabei sinngemäß mit dem Argument zitiert, BAE habe das eigene Risiko nicht auf die Politik ausgelagert, sondern das Marktpotenzial früh erkannt. Dass BAE das System bereits seit 2022 gemeinsam mit der Royal Air Force entwickelt, erklärt auch den Reifegrad: Am Standort Warton im Nordwesten Englands soll schon ein vollständig aufgebautes Exemplar existieren, was die Hürde für einen schnellen Übergang von Demonstrator zu Testkampagne reduziert.

Technisch stellt BAE Brontanax so dar, dass die Plattform sowohl Leistungsziel als auch Kosten- und Updatefähigkeit adressieren soll. Das Unternehmen wirbt mit mehr Tarnfähigkeit als bei konkurrierenden CCAs und nennt als Zielrahmen, 70% bis 80% der Fähigkeiten eines Kampfflugzeugs abzubilden – bei gleichzeitig weniger als 25% der Kosten. Die angegebene Preisspanne liegt bei rund 25 Millionen US-Dollar pro Exemplar. Entscheidend ist außerdem das Software-Design: Eine offene Architektur und ein modularer Aufbau sollen dafür sorgen, dass Upgrades sowie Konfigurationen für unterschiedliche Missionen schneller eingespielt werden können. Dass BAE dafür auch nicht-militärische Zulieferer in die Wertschöpfung einbeziehen will, deutet auf eine bewusste Entkopplung von Hardware-Refresh-Zyklen und Software-Iteration hin – ein Muster, das man aus der Softwareisierung von Luftfahrtsystemen kennt, etwa wenn Avionik-Funktionen stärker über standardisierte Schnittstellen weiterentwickelt werden.

Im Hintergrund steht zudem ein Wettrennen um Tests und Serienfähigkeit. Am selben Standort wird beispielsweise Boeing mit dem MQ-28 Ghost Bat gezeigt, der laut Angaben bereits Flugtests gestartet habe und perspektivisch für Australien 2028 fliegen könnte. Damit entsteht ein Vergleichsmaßstab, der nicht nur die reine Technik betrifft, sondern auch die Umsetzungsgeschwindigkeit vom Prototypen zum flugfähigen System. BAE nennt für Brontanax eine potenzielle Indienststellung bis 2030; damit positioniert sich das Unternehmen zwischen „früher Testkampagne“ und „programmnaher Serienplanung“ – und versucht gleichzeitig, frühzeitig Rahmenbedingungen für einen nationalen Auftrag zu sichern. Dass das System mit dem britischen CCA-Programm „Storm Fighter“ verknüpft ist, passt dazu: Großbritannien will dem Vernehmen nach initial 300 Millionen Pfund (entspricht 401 Millionen US-Dollar) in ein souveränes CCA-Programm stecken, um die eigene Industriebasis zu stärken und Abhängigkeiten von ausländischen Plattformen zu reduzieren.

Aus Unternehmenssicht bedeutet das: Wer CCAs baut, verkauft zunehmend nicht nur eine Luftplattform, sondern ein Update- und Integrationsversprechen – inklusive der Frage, wie zuverlässig sich Softwareänderungen im Feld anwenden lassen und wie schnell unterschiedliche Sensor- oder Funktionspakete nachgezogen werden können. Gerade weil BAE Brontanax als offenen, modularen Baukasten beschreibt, wird der Wettbewerb über Schnittstellen, Datenpfade, Missions-Software und Kommunikationslogik entschieden werden. Für die KI-Entwicklung ergeben sich daraus ebenfalls praktische Ansatzpunkte: Die Systeme müssen in der Lage sein, im Verband verlässlich zu koordinieren, Eingaben zu interpretieren und Entscheidungen in Echtzeit zu unterstützen – ohne dass jede Mission eine komplette Neuprogrammierung erfordert. Gleichzeitig bleibt der Markt eng getaktet: Mit mehreren Herstellern, die auf CCAs setzen, steigt der Druck, schon im Demonstrator messbare Leistungs- und Kostenkriterien zu zeigen, bevor Budgets in die nächste Vertragsstufe übergehen.


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