LONDON (IT BOLTWISE) – Die israelische Großbank Bank Leumi wagt den Krypto-Handel erneut und will Kunden den Kauf, das Halten und den Verkauf von Bitcoin, Ether und Solana direkt über „Leumi Trade“ ermöglichen. Die Einführung soll laut Projektplan Anfang 2027 erfolgen, abhängig von der Genehmigung durch die Bank of Israel. Damit knüpft Leumi an einen gescheiterten Vorstoß aus dem Jahr 2022 an, der an derselben regulatorischen Hürde stoppte. Neu ist vor allem ein deutlich klarerer Rechts- und Aufsichtsrahmen für Wallet-Sicherheit und Kapitalanforderungen.

Bank Leumi, die größte Bank Israels, legt den Krypto-Handel nicht neu auf, sondern setzt auf einen zweiten Anlauf mit einem konkreten Produktpfad: Kunden sollen ausgewählte digitale Assets über die Kapitalmarkt-App „Leumi Trade“ erwerben, verwalten und wieder verkaufen können. Geplant ist das über die digitale Investment-Sparte der Bank sowie die mobile Banking-Umgebung „PEPPER“, wobei die Börsen- und Wallet-Abläufe in „einer dedizierten, gesicherten“ App-Sektion stattfinden sollen. Als Ziel nennt die Planung Anfang 2027, und damit hängt der Rollout erneut nicht an technischen Fragen, sondern an der regulatorischen Freigabe der Bank of Israel.
Der Kern des Interesses liegt in der Systemarchitektur. Galaxy Digital liefert nach Angaben der Beteiligten beide Teile des Stapels: Für die Ausführung kommt „GalaxyOne Institutional“ zum Einsatz, eine Plattform, die für Banken und Asset Manager gebaut wurde, während die Verwahrung („custody“) über „GK8“ läuft. GK8 ist ein Hersteller von Wallets mit „air-gapped“ Konzept, also einer strikt abgesicherten Umgebung, die nicht mit dem Internet verbunden ist, und GK8 wurde nach dem Zusammenbruch von Celsius von Galaxy übernommen. Für Bank Leumi bedeutet das: Handel und Verwahrung sollen in ein bestehendes Frontend integriert werden, das Kunden bereits für Aktien und Anleihen nutzen, statt dass Nutzer zwischen mehreren Anwendungen und Schnittstellen springen müssen.
Leumi versucht damit, ein Stück des früheren Scheiterns von 2022 zu korrigieren. Damals hatte PEPPER angekündigt, BTC- und ETH-Trading über die Infrastruktur eines Tokenisierungs- und Krypto-Dienstleisters namens Paxos zu ermöglichen. Diese Variante kam jedoch nie in Produktion, weil die notwendige aufsichtsrechtliche Freigabe nicht erteilt wurde. Auch der Plan, der in 2022 bereits inhaltlich ähnlich angelegt war, blieb an derselben regulatorischen Tür hängen. Der zweite Anlauf wirkt daher weniger wie ein komplett neues Experiment, sondern eher wie ein „Wiederanlauf mit vorbereitetem Rahmen“, bei dem die entscheidende Annahme lautet: Das Regelwerk lässt inzwischen eine niedrigere Hürde für den Retail-Zugang zu.
Warum die Chancen heute besser wirken, hängt mit mehreren Änderungen zusammen, die in den letzten Jahren in Israel vorgenommen wurden. Bis in den Sommer hinein konnten Banken Krypto-bezogene Einzahlungen automatisch verzögern oder pauschal ablehnen; zudem blieb lizenzierten Firmen oft nur eine kurze Liste von Coins, ohne klare Regeln zu Custody im Verhältnis zum Kapital. In der Mitte von 2026 entfernte die Bank of Israel die Einzahlungen-bedingten Verzögerungen und stellte pauschale Zurückweisungen von Geldern aus dem Kreis lizenzierter Anbieter unter ein Verbot. Parallel definierte die Kapitalmarktaufsicht Sicherheits- und Kapitalstandards für Wallets: Für Nicht-Custody-Firmen werden 2 Millionen Neue Israelische Schekel genannt, mit Custody 2,5 Millionen Neue Israelische Schekel; hinzu kommt die Pflicht zur Trennung von Kundenvermögen („mandatory customer-asset segregation“). Dazu kam am 1. August eine Öffnung des Handels für die Top-50-Coins nach Marktkapitalisierung oberhalb einer 500-Millionen-USD-Schwelle. Für eine Bank wie Leumi ist das im Ergebnis ein klarerer, planbarer On-Ramp in Richtung Privatkunden.
Auch auf der Gegenparteiseite sieht es laut Angaben nicht nach reiner „Broker-Logik“ aus, sondern nach einer stärker regulierten Kette. Galaxy verweist auf eine New York DFS BitLicense sowie eine Geldtransfer- bzw. Money-Transmission-Lizenz, die im Mai 2026 erteilt worden sein soll. Solche Lizenzen sind für Banken typischerweise relevant, weil sie eine nachvollziehbare Aufsichtsebene für Teile der Wertübertragung und der Dienstleistungskette schaffen. Technisch und organisatorisch heißt das: Leumi kann den Vertrieb über eine bereits etablierte Produktlandschaft bündeln, während die Ausführung und Verwahrung aus einem regulierten Gegenparteimodell heraus erfolgen sollen.
Für den Markt bedeutet das konkret: Israel könnte bei der Retail-Nutzung von Krypto weniger über komplexe Projektstarts und mehr über integrierte Finanzprodukte laufen. Bank Leumi bedient rund 2,5 Millionen Privatkunden, sodass ein erfolgreicher Rollout Anfang 2027 nicht nur die Schlagzeilen füllt, sondern auch die Händlerlandschaft beeinflusst, weil Kunden die ersten Schritte ausgerechnet dort machen, wo sie ohnehin ihre Finanzverwaltung erledigen. Gleichzeitig bleibt die Timing-Risiko-Komponente bestehen: Solange die Bank of Israel ihre Zustimmung nicht erteilt hat, bleibt der Ausbau in den Produktkanal gesperrt. Damit folgt Leumi einem Muster, das man in vielen Märkten sieht: Der regulatorische Rahmen wird zwar als Hürde erlebt, wirkt aber bei gegebener Genehmigung wie ein Beschleuniger für die Marktdurchdringung.
Branchenintern wird der Ansatz zudem als Signal gelesen, dass Banken auf „programmierbare“ Infrastruktur setzen, statt Krypto als Sonderfall zu behandeln. Lior Lamesh, CEO von Galaxy Israel, ordnet den Schritt entsprechend ein und beschreibt Leumi als erste Bank in Israel, die digitale Assets direkt zu ihren Kunden bringt und dafür Galaxy als technischen Weg wählt. Entscheidend ist dabei weniger die Aussage als die Konsequenz: Wenn Handel und Verwahrung über ein dediziert gesichertes App-Modul laufen, sinkt für Nutzer die Einstiegshürde, und für die Bank entsteht ein wiederverwendbarer Prozess, der später auch für weitere Assets oder Produktvarianten skalierbar sein kann. Ob daraus dauerhaft ein Wettbewerbsvorteil entsteht, hängt dann vor allem an Ausführungsqualität, Verwahrungsresilienz und dem Umgang mit regulatorischen Folgeanforderungen.
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