LONDON (IT BOLTWISE) – Die EZB ließ den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,4 % unverändert, doch die nächsten Inflationsdaten dürften die Debatte im EZB-Rat verschärfen. Für die Zeit nach der Sommerpause am 10. September rechnen Terminmärkte mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. In den USA blieb der Fed-Zinskorridor bei 3,50 bis 3,75 %, brachte aber einen deutlichen Dissens im Offenmarktausschuss. Das spürt der Anleihenmarkt bereits spürbar und wirkt damit auch auf Baufinanzierungszinsen in Deutschland.

Die Baufinanzierung kommt im August voraussichtlich nicht in einen klaren Abwärtstrend, sondern bewegt sich seitwärts auf einem leicht höheren Zinsniveau. Nach den Angaben im Marktbericht liegen die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen aktuell etwa zwischen 3,6 % und 3,8 %, während 15-jährige Laufzeiten bei rund 3,8 % bis 4,0 % liegen. Hintergrund ist, dass die Geldpolitik in beiden großen Währungsräumen gleichzeitig unter Spannung steht: In der Eurozone signalisiert die EZB zwar eine Pause, in den USA zeigt die Fed jedoch, dass der Pfad der Zinsen nicht einheitlich eingeschätzt wird. Für Kreditnehmer bedeutet das vor allem eines: Planungssicherheit bleibt geringer als noch in Phasen, in denen sich die Erwartungen an die Leitzinsen klar durchsetzen konnten.
Ende Juli hat die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz bei 2,4 % belassen und damit nach der Anhebung im Juni eine vorübergehende Pause eingelegt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte die Entscheidung als einstimmig dar, gleichzeitig wird aber aus dem EZB-Rat berichtet, dass einzelne Ratsmitglieder bereits im Juli über einen weiteren Zinsschritt diskutierten. Genau diese offene Flanke könnte durch die kurz darauf veröffentlichten Verbraucherpreise im Euroraum wieder verstärkt werden: Die Inflation stieg im Juli vorläufig auf 2,9 % nach 2,8 % im Juni, die Kerninflation nahm ebenfalls von 2,4 % auf 2,5 % zu. Als wesentlicher Treiber wird dabei erneut die Energiekomponente genannt, ausgelöst durch eine erneute Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten im Verlauf des Monats. Wenn Energiepreise die Teuerung länger „hoch halten“, sinkt der Spielraum für eine dauerhafte Zinspause, weil die EZB die Kernkomponente stärker als „dauerhafter“ betrachtet.
Zusätzlich zur Inflationsstory sprechen die Marktimpulse für eine Repricing-Phase rund um die nächste EZB-Sitzung nach der Sommerpause am 10. September. Terminmärkte erwarten eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte und halten weitere Schritte bis Jahresende für möglich. Gleichzeitig dämpfen solide Konjunkturdaten die Sorge, dass schon der nächste Zinsschritt das Wachstum unmittelbar abwürgen könnte: Für das zweite Quartal wird eine Wachstumsrate von 1,0 % in der Eurozone genannt, während 0,5 % erwartet worden waren. In der Praxis heißt das: Selbst wenn die EZB die Wirtschaft nicht „sofort abwürgt“, kann sich die Renditekurve bei längeren Laufzeiten dennoch spürbar bewegen, weil Kreditmargen und Refinanzierungskosten an die Erwartung zukünftiger Leitzinsen gekoppelt sind. Diese Kopplung zeigt sich dann typischerweise in der Spanne, die Banken bei Festzinsdarlehen anbieten, insbesondere bei 10- und 15-jährigen Bindungen.
Der zweite Stabilitätsfaktor kommt aus den USA, wo die Federal Reserve den Zinskorridor zum zweiten Mal in Folge unverändert ließ. Unter dem Vorsitz von Kevin Warsh blieb er bei 3,50 bis 3,75 %, allerdings mit einem bemerkenswerten Dissens im Offenmarktausschuss: Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder votierten für eine sofortige Anhebung um 25 Basispunkte. Als Folge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt seine Erwartungen für die nächste Fed-Sitzung am 16. September nach oben anpasst. Schon die Reaktion zeigt, wie empfindlich die Zinswelt auf abweichende Signale reagiert: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2007, der US-Dollar verlor an Wert, und Aktienmärkte zeigten spürbare Rückgänge. In der Interpretation des Marktkommentators Marco Schöfl wird damit deutlich, dass eine zurückhaltende Kommunikationslinie allein nicht ausreicht, um Unsicherheit aus den Preisfindungsprozessen herauszuhalten.
Für den US-Zins- und Anleihenmarkt folgt daraus eine erhöhte Volatilität, und diese Wirkung kann zeitversetzt auch nach Europa „durchschlagen“. Wenn langfristige Renditen nach oben ausbrechen, verteuern sich Finanzierungs- und Hedgingkosten für Banken, selbst wenn sich der EZB-Leitzins kurzfristig nicht ändert. Genau diese Dynamik erklärt, warum im Juli zwar bereits eine spürbare Bewegung bei Bauzinsen sichtbar war, jetzt jedoch eher eine Seitwärtsphase einsetzt: Laut Bericht stiegen die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen von etwa 3,4 % auf rund 3,7 %. Der August startet nun mit etwas niedrigeren Schwankungsbewegungen als im Vormonat, aber nicht mit einer Entspannung: Die Spanne bleibt relativ breit, und damit steigen die Chancen, dass einzelne Anbieter die Konditionen tagesaktuell oder in kurzen Intervallen anpassen. Für Kreditnehmer ist das weniger eine Frage „ob“ Zinsen steigen, sondern „wie schnell“ und „wie stark“ innerhalb weniger Wochen.
Aus Sicht von Finanzierungskunden lohnt deshalb ein aktiver Blick auf verfügbare Konditionen, statt die Entscheidung bis zum letzten Moment aufzuschieben. Der Vorschlag im Marktkommentar lautet, sich aktuell verfügbare Konditionen zeitnah zu sichern, etwa über ein Forward-Darlehen, falls die Anschlussfinanzierung erst in einigen Monaten benötigt wird. Technisch betrachtet schafft ein Forward-Darlehen einen Preisanker für den Zeitraum der späteren Auszahlung, während sich offene Marktparameter wie Zinsstruktur und Risikoprämien in der Zwischenzeit weiter bewegen können. Genau diese Phase ist derzeit schwierig: Auf der EZB-Seite steht nach den Inflationsimpulsen eine mögliche Fortsetzung der geldpolitischen Schritte im Raum, auf der Fed-Seite sorgen Dissens und Renditebewegungen für eine gespannte Erwartungslage. Kurzfristig lautet die Tendenz daher leicht aufwärtsgerichtet, bei erhöhter Schwankungsbreite; langfristig wird eine Entwicklung beschrieben, die konstant bis leicht höher bleibt. Für Bauherren und Investoren heißt das: Wer Zinsänderungen überbrücken muss, sollte die Konditionierung als Steuerungsinstrument begreifen und nicht als statische Größe.
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