HALLBERGMOOS / LONDON (IT BOLTWISE) – In Hallbergmoos entstehen neue Räumlichkeiten für medizinische Aus- und Weiterbildung, die ab September 2026 für einen Probebetrieb vorbereitet werden. Parallel dazu überarbeitet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege ihr Lernportal „Take Care“ und ergänzt ein Modul zu Prävention von Gewalt und Belästigung. Während der 7. Bayerischen Demenzwoche bündeln Kommunen wie München Angebote von Hausbesuchen bis zu Fachforen. Die Initiativen zeigen, wie stark digitale Lernpfade und praxisnahe Schulung in der Demenzbetreuung zusammenwachsen.

Die 7. Bayerische Demenzwoche (18. bis 27. September 2026) ist mehr als ein Termin im Kalender, weil sich die Vorbereitung auf mehreren Ebenen gleichzeitig bewegt. Während Städte Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige bündeln, wächst parallel die Infrastruktur, um medizinisches und pflegerisches Personal besser auf Frühintervention und den Umgang mit Demenz vorzubereiten. Auffällig ist dabei die Kombination aus vor-Ort-Schulung, digitalen Lernpfaden und konkreten Alltagshilfen wie ergotherapeutischen oder zahnärztlichen Hausbesuchen.
Ein konkretes Bausteinprojekt dafür entsteht im Munich Airport Business Park in Hallbergmoos: Die DEKRA Akademie hat dort rund 735 Quadratmeter im Sirius Office Center für den HealthCare Campus Airport München angemietet. Der Standort soll den Probebetrieb ab September 2026 vorbereiten und deckt für die Weiterbildung mehrere zentrale Themen ab, darunter Hygiene, Notfallmedizin und Rettungswesen. Ergänzend geht es auch um den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS), was die Schulungen stärker in Richtung betrieblicher Resilienz verschiebt – nicht nur in Richtung medizinischer Inhalte.
Technisch und organisatorisch wird die Ausbildung dabei auch über Praxisnähe definiert: Zum Konzept gehören eigene Räume für die Aufbereitung von Medizinprodukten (AEMP) sowie Simulationsflächen. Realisiert wird das Projekt in Kooperation mit der Airport Clinic, um Lerninhalte im Gesundheits- und Pflegeumfeld nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern als trainierbare Abläufe. Für Organisationen, die später Personal nach einheitlichen Standards einsetzen müssen, ist genau diese Verzahnung aus Lernumgebung und Betriebsrealität entscheidend, weil sie die spätere Qualitätssicherung erleichtert.
Parallel zur physischen Infrastruktur gewinnen digitale Lernangebote spürbar an Gewicht. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat ihr Lernportal „Take Care“ grundlegend überarbeitet und richtet das kostenlose Angebot an Lehrkräfte in der Pflege. Im Fokus stehen Themen wie Ergonomie, Hautgesundheit und Stressvorbeugung – also Grundlagen, die in vielen Teams sonst nur am Rand behandelt werden. Neu integriert ist außerdem ein Modul zur Prävention von Gewalt und Belästigung, das Deeskalationsansätze vermittelt und zugleich erklärt, wie solche Vorfälle formal als Arbeitsunfall gemeldet werden.
Auch organisatorisch ist das relevant, weil das Portal in diesem Kontext erstmals spezifische Seminare für Praxisanleitende anbietet. Damit verlagert sich ein Teil der Verantwortung von Einzelpersonen hin zu einem strukturierten Ausbildungsprozess: Praxisanleitende werden nicht nur über Inhalte informiert, sondern bekommen Werkzeuge, um Sicherheit am Arbeitsplatz systematisch zu verankern. In einer Demenzbetreuung sind solche Kompetenzen besonders wichtig, weil Kommunikationssituationen schnell eskalieren können, wenn Pflegekräfte keine gemeinsamen Standards für Reaktion und Dokumentation haben.
Während der Demenzwoche selbst stehen regionale Schwerpunkte im Vordergrund: In München bündeln sich Angebote unter anderem mit ergotherapeutischen und zahnärztlichen Hausbesuchen sowie Fachforen zu Prävention und Frühintervention bei Alzheimer-Erkrankungen. Beteiligt ist dabei das Gesundheits-, Sozial- und Kulturreferat der Landeshauptstadt, womit die Veranstaltung nicht nur medizinisch, sondern auch sozial eingebettet wirkt. Für den Alltag nennt der kostenlose Ratgeber elf praktische Alltagsübungen, die darauf abzielen, das Gedächtnis zu stärken und Demenz gezielt vorzubeugen.
Über München hinaus zeigen weitere regionale Aktivitäten, wie breit das Spektrum 2026 geplant ist: In Lehrte sind Informationsveranstaltungen zu Gedächtnistraining und pflegerischer Betreuung vorgesehen, in Hanau steht eine Kooperation mit verschiedenen Stiftungen im Mittelpunkt, die kreative Ansätze wie die Herstellung von „Demenz-Tieren“ zur Beschäftigung Betroffener fördert. Für pflegende Angehörige geht es zusätzlich um Qualifizierung im privaten Umfeld, etwa mit eintägigen Kursen im Raum Dresden, die Sturzprävention und den Umgang mit Demenz behandeln, sowie Sicherheitswochen, bei denen Hausnotrufsysteme für einen Testzeitraum von vier Wochen kostenfrei zur Verfügung stehen. Auch digitale Formate werden eingesetzt, etwa durch Online-Kurse mit Videokonferenzen zur Krankheitsbewältigung; in Wü rzburg ist zudem ein kostenfreier Pflegekurs mit zehn Einheiten zwischen September und November 2026 geplant.
Im Hintergrund dieser Maßnahmen steht ein methodischer Wandel in der Pflege: Ein Vertreter der AOK hebt hervor, dass bei der Betreuung von Menschen mit Demenz häufig das Validieren von Gefühlen wichtiger sei als das Korrigieren von Sachaussagen. Dazu passt die wiederkehrende Betonung nicht-medikamentöser Maßnahmen als oft wirksame Ergänzung. Träger wie die Malteser arbeiten in Begegnungsstätten zudem nach dem schwedischen Silviahemmet-Modell, um soziale Isolation durch Begegnung und Austausch zu verringern; in Dortmund und weiteren Kommunen werden Gesprächskreise angeboten, begleitet von lokalen Seniorenbüros und Diakoniestationen. Für Unternehmen und Träger, die ihre KI-gestützten Prozesse oder digitalen Schulungsangebote ausbauen wollen, liefert diese Gemengelage einen klaren Praxisbezug: Wissen, Kommunikation und Sicherheit werden nicht als isolierte Themen behandelt, sondern als zusammenhängender Trainings- und Betreuungsprozess.
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