FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – BearingPoint erweitert sein Beratungsportfolio für Non-Financial Risk Management und holt dafür Dr. Peter Mücke und Dr. Hermann Hienz. Der Fokus liegt auf IT- und IKT-Risikomanagement, operationale Resilienz sowie AI-Governance und einer kontinuierlichen Auditfähigkeit. Hintergrund ist der wachsende Regulierungsdruck durch DORA, Third-Party-Risk-Management und die Erwartung, Governance und Steuerungsprozesse zunehmend prüfungssicher zu automatisieren. Damit adressiert das Unternehmen die Frage, wie Institute resilient werden und Aufsichtsvorgaben effizient umsetzen können.

BearingPoint verstärkt seine Beratung im Umfeld nicht-finanzieller Risiken und knüpft dabei explizit an regulatorische Dauerbrenner an: IT- und IKT-Risikomanagement, operationale Resilienz, Third-Party-Risk-Management sowie AI-Governance. Das neue Team um Dr. Peter Mücke und Dr. Hermann Hienz erweitert das Portfolio im Bereich Finance & Regulatory. Die Personalentscheidung passt in eine Phase, in der viele Finanzinstitute zwar bereits DORA-Programme gestartet haben, aber in der Praxis stärker ins Detail gehen müssen: Wie wird aus Dokumentation belastbare Steuerungsfähigkeit, und wie lässt sich diese so organisieren, dass Audits und Aufsichtsanfragen mit vertretbarem Aufwand beantwortet werden?
Technisch betrachtet rückt damit vor allem die Frage in den Mittelpunkt, wie Governance- und Kontrollstrukturen so gestaltet werden, dass sie nicht nur „auf dem Papier“ existieren. Mücke und Hienz sollen laut Mitteilung zielbildorientierte Non-Financial-Risk-Frameworks entwickeln und in die Organisation überführen – inklusive Proportionalitätsgedanken. Dazu gehört in vielen Häusern der Aufbau wiederverwendbarer Steuerungsobjekte für Risiken aus IT, Prozessen und Daten, die Verbindungen zu Auslagerungen sowie Drittparteien herstellen und Resilienzrisiken systematisch in Change- und Betriebsprozesse einbetten. Gerade im Zusammenspiel mit kontinuierlicher Auditfähigkeit wird aus Compliance-Artefakten eine operative Prozesskette.
Marktseitig ist die Timing-Dimension entscheidend: Nachdem zahlreiche DORA-Projekte abgeschlossen wurden, verlagert sich der Schwerpunkt vieler Institute von der initialen Umsetzung in Richtung Umsetzungskonsolidierung, Nachweisführung und Prüfungsfestigkeit. In einem Umfeld, in dem Aufsichtsvorgaben zunehmend granular werden, wird auch die Wettbewerbsdynamik sichtbar. BearingPoint verweist darauf, dass Mücke und Hienz bereits zuvor bei Sopra Steria gemeinsam in diesem Themenfeld gearbeitet haben; dieser Erfahrungstransfer deutet darauf hin, dass sich Beratungsansätze stärker angleichen, aber dennoch an die jeweiligen Methoden und Tooling-Setups der Kunden angepasst werden müssen. Branchenanalysten sehen, dass besonders ergebnisorientierte Designs rund um Governance, Findings-Management und Remediation gefragter werden.
Historisch betrachtet folgt diese Ausweitung einer Entwicklung, die in der Finanzaufsicht seit Jahren an Fahrt gewinnt: Von klassischen Risiko- und Kontrollrahmen hin zu überprüfbaren, messbaren Fähigkeiten im Betrieb. DORA beschleunigt diesen Trend, weil es Resilienz nicht als einmalige Projektlieferung, sondern als kontinuierliche Betriebsdisziplin versteht. Auch die drei Baseler Säulen und die deutschen Vorgaben (etwa MaRisk) haben Vorläufer geschaffen: Risikoidentifikation, -messung, -steuerung und -überwachung sind schon lange Thema. Neu ist vor allem die Kopplung an IT- und IKT-Strukturen, Third-Party-Ökosysteme und zunehmend auch an KI-nahe Regulierungsfragen, bei denen Modellrisiken, Datenqualität und Verantwortlichkeiten sauber abgegrenzt werden müssen.
Für die Unternehmen bedeutet das in der Praxis mehr als „eine weitere Beratungsschiene“: Es geht um die Verbindung von Regulatorik und Business-Transformation, wie BearingPoint es im Kontext von AI-Governance formuliert. In der Mitteilung wird außerdem „Agentic Finance“ als Anwendungsbezug genannt. Das ist für Finanzorganisationen relevant, weil die Prüfpfade bei KI-Systemen typischerweise andere sind als bei klassischen Softwarekontrollen: Versionierung, Zugriffskonzepte, Datenherkunft, Modelländerungen und Entscheidungslogiken müssen nachvollziehbar werden. Ergänzend adressiert das Team die Umsetzung regulatorischer Anforderungen an Auslagerungen und Drittparteien als integralen Bestandteil des IKT-Risikomanagements – ein Bereich, der in vielen Projekten häufig als Randthema startete, aber später den größten Reibungsverlust verursacht.
Ein weiterer Fokus liegt auf Prüfungsbegleitung und Findings-Management, also darauf, wie Feststellungen aus Sonderprüfungen in nachhaltige Remediation überführt werden. In vielen Banken und Versicherern entscheidet hier die Qualität der Nachweisführung: Nicht nur, ob Kontrollen existieren, sondern ob sie nachweisbar wirksam sind und wie schnell sich Abweichungen erkennen und beheben lassen. Neben diesen operativen Aspekten spielt auch Datenschutz und Informationssicherheit eine Rolle, denn Non-Financial Risk Management berührt regelmäßig personenbezogene Daten, Zugriffskontrollen und Speicher- sowie Übertragungsprozesse. Gerade bei AI-gestützten Workflows wird daher häufig eine saubere Trennung von Trainings-, Test- und Betriebsdaten, Rollenmodellierung und Protokollierung erwartet, um sowohl regulatorische als auch interne Security-Standards zu erfüllen.
Ausblickend dürfte die Erweiterung vor allem zwei Entwicklungen verstärken: Erstens wird Beratung stärker „operationalisiert“, sodass Governance-Frameworks in Rollen, Prozessen und technischen Schnittstellen messbar verankert werden. Zweitens wächst die Nachfrage nach Fähigkeiten, die Aufsichtsvorgaben effizient und perspektivisch weitgehend automatisch nachweisbar machen. Daraus ergeben sich Chancen für Entwickler-Teams in den Finanzhäusern, weil sie stärker in kontrollierte Daten- und Monitoring-Pipelines eingebunden werden: Modell- und Datenflüsse müssen versioniert, protokolliert und mit Audit-Trails verknüpft werden. Wenn BearingPoint seine beschriebenen Schwerpunkte – insbesondere AI-Governance, kontinuierliche Auditfähigkeit und Resilienz-Operationalisierung – konsistent ausrollt, könnte das die Standardisierung von Prüfpfaden im DORA-Umfeld weiter beschleunigen.
Dass das Thema nicht nur abstrakt bleibt, unterstreicht BearingPoint auch mit konkreten Erfahrungsprofilen: Dr. Peter Mücke bringt mehr als 20 Jahre Management- und Technologieberatung ein, mit Schwerpunkten bei MaRisk und DORA sowie organisatorischen Transformationsvorhaben; Dr. Hermann Hienz verfügt über mehr als 20 Jahre Beratung zu IT-Governance, IT-Compliance, Informationsrisikomanagement sowie Identity und Access Management. „Mit Dr. Peter Mücke und Dr. Hermann Hienz gewinnen wir zwei ausgewiesene Experten, die unsere Leistungsfähigkeit in den Beratungsfeldern Non-Financial Risk Management, organisatorische und operationale Resilienz sowie Trusted AI stärken und weiter skalieren. Besonders wertvoll ist ihre Erfahrung in der prüfungsfesten und effizienten Umsetzung der Anforderungen des Digital Operational Resilience Act (DORA)“, sagt Iris Grewe, Regionalleiterin Central/East. Damit wird sichtbar, dass der Ausbau nicht als isolierte Personalie, sondern als strategische Antwort auf den anhaltenden Umsetzungs- und Prüfungsdruck zu verstehen ist.
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