LONDON (IT BOLTWISE) – BenQ bringt mit der ScreenBar Max eine neue Lichtleiste für Dual-Monitor-Setups auf den Markt, die Bias Light und Desk Light kombiniert. Ein mmWave-Präsenzsensor schaltet das Licht automatisch zu, sobald der Nutzer Platz nimmt. In unserem Tech-Review zeigt sich: Die Lichtqualität wirkt hochwertig, gleichzeitig kostet der Komfort spürbar mehr als viele Alternativen. Entscheidend ist, ob sich die fehlende Hinter-zu-Vorne-Feinjustage im Alltag wirklich lohnt.

Wer im Büro oder im Homeoffice mehrere Displays nutzt, merkt irgendwann, dass die Bildschirmhelligkeit allein nicht das ganze Problem löst. Selbst bei moderaten Helligkeitswerten bleibt oft ein Kontrast-Thema: Das Licht kommt von vorn vom Panel, während die Wand hinter der Arbeitsfläche deutlich dunkler ist. Genau diese Lücke versucht eine sogenannte Bias-Light-Lösung zu schließen, indem sie das Umfeld hinter dem Bildschirm mit einer weichen Lichtkante „auffüllt“. BenQ setzt bei der ScreenBar Max nicht nur auf diese Hintergrundbeleuchtung, sondern kombiniert sie gleichzeitig mit einer integrierten Schreibtischleuchte, sodass Tastatur, Maus und Unterlagen ebenfalls ausleuchtet werden.
Neu ist dabei vor allem das Formfaktor-Konzept: Die ScreenBar Max ist als erste ScreenBar ausdrücklich für Dual-Monitor-Setups ausgelegt. Die Leiste überbrückt damit die Breite zweier Bildschirme und soll eine zusammenhängende Lichtzone erzeugen, statt zwei separate Lichtquellen zu benötigen. Im direkten Vergleich zu kleineren Modellen, die häufig nur einen einzelnen Bildschirm abdecken, reduziert das den Aufwand bei der Platzierung und macht die Lösung konsistenter. BenQ positioniert das Produkt als Premium-Peripherie für Menschen, die viel Zeit vor Monitoren verbringen – und liefert dafür auch eine entsprechende Preissetzung mit: Die ScreenBar Max kostet laut Hersteller-Preisangaben 289 US-Dollar, optional mit Stand kommen weitere 39 US-Dollar hinzu.
Damit stellt sich die Frage, ob der Aufpreis über „mehr Licht“ hinaus auch über smarte Steuerung und Bedienkomfort kommt. Genau hier setzt BenQ mit einer Präsenz-Erkennung an: Ein hochfrequenter mmWave-Sensor soll die Leuchte automatisch aktivieren, wenn sich der Nutzer der Workstation nähert bzw. Platz nimmt. In der Testphase funktionierte das überraschend robust: Ein Nutzerwechsel an der Türseite löste das System nicht aus, obwohl die Leuchte nahe am Weg lag. Auch das Zurückschieben des Stuhls und das Bewegen quer durch den Raum führte nicht sofort zu einem Trigger; erst als der Sensor erkannte, dass tatsächlich gearbeitet wird, stieg die Helligkeit kontrolliert an – ohne abruptes „An-Aus“-Verhalten.
Technisch interessant ist die getrennte Regelung von Bias Light und Desk Light. Während die Farbtemperatur in einem gemeinsamen Bereich von 2.700 bis 6.000 Kelvin für beide Lichtquellen abgestimmt ist, lässt sich die Helligkeit je Kanal einzeln beeinflussen. Für Feintuning ist das grundsätzlich sinnvoll, weil man Bias Light oft stärker auf „Augenkomfort“ auslegt, während Desk Light mehr auf Lesbarkeit und gleichmäßige Ausleuchtung von Tastatur und Papier optimiert. Die Bedienlogik wirkt allerdings etwas sperrig: Um die Parameter für die jeweilige Lichtquelle anzupassen, muss der Nutzer über einen einzigen Modus-Selector zwischen „Bias Light“, „Desk Light“ und „beide“ umschalten, bis die richtige Kategorie aktiv ist. Bei einem Preis von knapp 300 US-Dollar fühlt sich diese zusätzliche Schrittzahl weniger wie ein Komfortfeature an, sondern eher wie ein zu optimierendes Detail.
Dass sich BenQ trotzdem klar von vielen günstigen Lichtleisten absetzt, zeigt sich bei den Lichtkennzahlen. Der Hersteller nennt einen Color Rendering Index von Ra ≥ 95, Rf > 96 und Rg ~ 100 – in der Praxis eine „studioartige“ Farbwiedergabe, wie BenQ es beschreibt. Im Test gab es keine Anzeichen von unangenehmer Härte, Flimmern oder störender Erwärmung. Zusätzlich bietet die Leiste ein kleines Paket an Direktzugriffen: Neben dem Präsenzsensor-Schalter und Helligkeits- bzw. Temperatur-Reglern gibt es Kurzbefehle für ein Auto-Dimming auf 700 Lux über den Lichtsensor oben am Gerät sowie einen Monitor-Reading-Modus, der auf 4.000 Kelvin (neutralweiß) umschaltet. Wer seine Einstellungen dauerhaft wiederverwenden möchte, kann außerdem ein bevorzugtes Profil per Favorite-Shortcut aufrufen, während ein eigener Power-Button das System sauber ein- und ausschaltet.
Bei der Installation klappt der Start vergleichsweise unkompliziert: Der Sockel wird per verstellbarem C-Klemmfuß am Tisch befestigt, anschließend lässt sich das Stromkabel nach hinten führen. Doch im Alltag entscheidet sich die Akzeptanz oft an der Frage, wie gut sich eine Leiste an die reale Tischgeometrie anpassen lässt. Hier wird die ScreenBar Max zum zweischneidigen Produkt: Die Leuchte lässt sich zwar nach vorn ausreichend ausfahren, aber nicht so weit nach hinten ziehen, wie manche Nutzer mit wandmontierten Monitoren benötigen könnten. In einem konkreten Setup mit zwei 27-Zoll-IPS-Panel und einem seitlich positionierten 14,6-Zoll-OLED-Tablet gab es zwar keine störenden Reflexionen auf den Displays; eine leichte Spiegelung am Aluminiumrahmen des Tablets war dennoch sichtbar. Gleichzeitig beleuchtete die Leuchte die gesamte Fläche eines großen Schreibtischs gleichmäßig – aber eben nur im Rahmen der verfügbaren mechanischen Grenzen.
In Summe landet BenQ damit in der oberen Liga von Monitor-Light-Bar-Systemen: Der praktische Einstieg ist schnell, die Lichtwirkung wird als „pristine“ wahrgenommen, und die Präsenzsteuerung verleiht dem Setup ein spürbar luxuriöses Anfassgefühl. Das Problem ist nicht die Technik, sondern das Kosten-Nutzen-Verhältnis gegenüber simplerem Zubehör: Für den Preis der ScreenBar Max bekommt man viele günstigere Lampen, die zwar nicht mit mmWave-Sensorik und der kombinierten Dual-Monitor-Abdeckung überzeugen, aber einen großen Teil der Grundfunktion „Licht am richtigen Ort“ ebenfalls abdecken. Wer die Anschaffung über einen Firmenkontext als Equipment ausweist, kann die Vorteile leichter rechtfertigen. Wer privat plant, wird dagegen sehr genau abwägen müssen, ob die fehlende volle Justierfreiheit und die etwas umständliche Bedienlogik den Aufpreis gegenüber Alternativen tragen.
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