LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Bentley zeigt mit dem Torcal sein erstes vollelektrisches SUV und setzt dabei auf 800-Volt-Technik. Das Modell ist als Torcal und Torcal S verfügbar, wobei der stärkere Antrieb 888 PS leistet und 600 km WLTP erreicht. Technisch auffällig: vollständig aktive Fahrwerkskomponenten, Allradlenkung und ein neu gestaltetes Innenraum-UI mit gekrümmten OLED-Displays. Für den Praxisbetrieb nennt Bentley zudem bis zu 400 kW Ladeleistung und eine 10-80%-Zeit von 16 Minuten.

Bentley macht aus einem seit fast einem Jahrzehnt angekündigten Anspruch erstmals ein konkretes Produkt: Mit dem Torcal geht der britische Hersteller in eine neue Phase der Antriebsstrategie. Der Wagen feiert seine globale Premiere in London und startet als viertes Modell auf eigener EV-Basis: Neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga ergänzt sich damit eine weitere Baureihe, die zugleich Bentleys erste vollelektrische Auslegung als SUV-Formfaktor markiert. Auffällig ist dabei nicht nur die Dimension – mit rund fünf Metern Länge bleibt er Bentleys kürzester Viertürer – sondern die klare Positionierung als Luxus-Elektroauto, das Dynamik, Komfort und Infotainment enger verzahnt als viele reine „Tech“-Neuvorstellungen.
Unter der Karosserie arbeitet Bentley mit zwei permanentmagneterregten Synchronmotoren, je einer pro Achse, ergänzt um ein sperrbares hinteres Differential. Das Batteriepaket fällt mit 113 kWh netto und 800-Volt-Betrieb auf, was vor allem im Zusammenspiel mit schnellem Laden relevant wird: Bentley nennt eine Spitzenleistung von bis zu 400 kW sowie eine Ladephase von 10 auf 80% innerhalb von 16 Minuten. Dass solche Werte in der Praxis je nach Temperatur, Ladeprofil und Ladeinfrastruktur variieren, ist in der Branche üblich; zugleich zeigt der Vergleich zur Plattformlogik, dass Bentley hier die gleichen technischen Prinzipien nutzt, die man aus dem Volkswagen-Konzernumfeld bei sehr ähnlichen 800-Volt-SUVs kennt. Für die Reichweite gibt Bentley bis zu 375 miles beziehungsweise 600 km nach WLTP an; in den USA oder nach anderen Normzyklen dürfte der Wert typischerweise abweichen, bis entsprechende EPA-Zahlen vorliegen.
Die Leistungsspanne deckt Bentley mit zwei Motor- und Softwareabstufungen ab: Der Torcal bringt 821 PS und 1.194 Nm, der Torcal S erreicht 888 PS und 1.350 Nm mit Launch Control. Die Beschleunigungswerte sind entsprechend deutlich: 0–60 mph in 3,3 Sekunden beim Basis-Torcal, 2,8 Sekunden beim Torcal S, während die Topspeed-Range von 155 mph bis 162 mph reicht. Bentley begründet die Entscheidung, die Beschleunigung bewusst zu kappen, mit dem Komfortanspruch vieler Kunden; damit ordnet der Hersteller den Wagen in eine Zielgruppe ein, für die „mehr“ bei der Performance nicht automatisch „besser“ bedeutet. Damit stellt sich der Torcal klar gegen das Spektakel früherer Ankündigungen: Der Abstand zu der in der Vergangenheit skizzierten Spitzenromantik zeigt, wie stark Serienreife, Fahrbarkeit und Vermarktungsrealität die Endkonfiguration prägen.
Technisch besonders interessant ist Bentleys aktives Fahrwerkskonzept. Der Torcal ist das erste Bentley-Modell mit vollständig aktiver Aufhängung: Jede Ecke kann unabhängig angehoben oder abgesenkt werden. In der Folge verzichtet Bentley auf klassische Stabilisierungsmechanik wie Anti-Roll-Bars, was zeigt, wie stark die Regelungstechnik und Aktorik in den Vordergrund rückt. Dazu kommt serienmäßig Allradlenkung, die den Wendekreis auf 11,1 Meter reduziert – ein Wert, der in Städten und bei engen Parkmanövern nicht nur Komfort, sondern auch Alltagsnutzen liefert. Zusätzlich setzt Bentley auf eine Reihe von Sensoren und Kameras für Fahrerassistenz und Remote-Parking; insgesamt nennt der Hersteller 25 Radars, Sensoren und Kameras, bevor der Wagen überhaupt „selbstständig“ wirken soll.
Auch das Innenraumkonzept unterstreicht den Anspruch, das EV-Erlebnis stärker zu „komponieren“ als nur zu digitalisieren. Gekrümmte OLED-Screens, ein Head-up-Display mit Augmented Reality und eine Gesichtserkennung zum Laden von Fahrerprofilen schaffen eine Art „Startpunkt“-Automatisierung, bei der die Person schnell in eine konfigurierte Umgebung gelangt. Vier Experience Modes (Bentley, Comfort, Sport und Refresh) steuern Licht, Sound, Klima und Displayinhalte; zugleich behält Bentley physische Bedienelemente am Center-Stack und am Lenkrad, was gerade in einem luxuriösen Segment als Sicherheitsnetz und Bedienkultur verstanden werden dürfte. Exotischer wirkt auf den ersten Blick das „Sound“-Thema: Bentley nutzt aufgezeichnete Musiker-Performances (u. a. Schlagzeug, Viola, Bassgitarre), um ein Geräuschbild zu erzeugen, das mit Drehmomentanforderung und Geschwindigkeit skaliert; es lässt sich jedoch abschalten.
Visuell und materiell setzt Bentley ebenfalls neue Akzente. Außen fällt die neue, beleuchtete Diamant-Grille auf, außerdem ist der Torcal das erste Modell mit dem überarbeiteten Bentley-Emblem. Innen nennt Bentley unter anderem ein Fahrzeugmaterial auf Basis von 100% Merino-Wolle, entwickelt mit dem Textilspezialisten Fox Brothers, sowie neue Ombré-Walnusshölzer aus Walnussschnittresten und recyceltem Papier. Für die Kundenerwartung zählt hier vor allem, dass diese Haptik nicht nur Marketing bleibt: Gerade bei EVs, deren Antrieb weniger mechanisches „Feedback“ liefert als Verbrenner, steigt die Bedeutung von taktilen und akustischen Komponenten, um Fahrgefühl und Wahrnehmung zu stabilisieren. Preis- und Lieferdetails nennt Bentley im Launch-Release noch nicht, doch die technische Basis zeigt bereits, wo der Torcal im Wettbewerb stehen will: als 800-Volt-Elektroauto mit Premium-Regelungstechnik statt als „nur“ beschleunigungsorientiertes Beschleunigungsobjekt.
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