LONDON (IT BOLTWISE) – Die österreichische Dramaserie „Biester“ geht heute mit Staffel zwei bei ONE in die nächste Runde. Zehn neue Folgen laufen im Nacht-Marathon und sind anschließend in der ARD Mediathek abrufbar. Im Mittelpunkt stehen neue Pläne der Hauptfiguren – einschließlich eines ungewöhnlichen NFT-Ansatzes rund um ein Kunstwerk. Gleichzeitig drohen alte Geheimnisse aufzufliegen, während Beziehungen und Loyalitäten unter Druck geraten.

Die zweite Staffel von „Biester“ startet heute um 21:45 Uhr bei ONE und setzt damit direkt auf ein Format, das vor allem für Serienneulinge interessant sein dürfte: Statt auf eine wöchentliche Ausstrahlung am Stück wird ein Nacht-Marathon mit insgesamt zehn Folgen ausgespielt. Wer den Serienstart lieber später nachholt, muss sich dabei nicht zwischen Live-TV und Online-Nutzung entscheiden, denn im Anschluss sind die Folgen auch in der ARD Mediathek abrufbar. Für das Publikum ändert sich damit weniger die Dramaturgie als der Konsumrhythmus: Die Story kann in einer Phase „am Stück“ nachgezogen werden, was gerade bei Serien mit vielen Figuren und wechselnden Spannungen den Charakter von „Belohnung durch Tempo“ bekommt.
Inhaltlich nimmt Staffel zwei die Ausgangslage aus der ersten Staffel auf, mischt sie jedoch spürbar durch. Jenny, Vero, Nelly und Tiz stehen vor veränderten Lebensumständen – und ihr gemeinsames Ziel bleibt trotzdem bestehen: Sie wollen an Geld kommen und ihr Leben verbessern. Die Serie macht dabei klar, wie fragil Erfolge sind, wenn sie von Zufall, Beziehungen und kurzfristigen Entscheidungen abhängen. Jenny nutzt den Druck offenbar nicht als Bremse, sondern als Treibstoff: Sie schmiedet den nächsten Plan erneut unter dem Namen Ella. Genau in solchen Identitätswechseln liegt der Reiz der Staffel, weil das Vertrauen in der Gruppe nicht nur metaphorisch, sondern ganz praktisch unter Spannung gerät.
Parallel dazu verlagert sich der Fokus auf die Konsequenzen der Ereignisse, die die Figuren aus der ersten Staffel mitgenommen haben. Nelly ist auf der Suche nach einer Unterkunft, nachdem sie aus ihrem Stammhotel geflogen ist. Ohne funktionierende Kreditkarte steht sie plötzlich stärker als zuvor auf Hilfe angewiesen, und damit wird deutlich, wie schnell „Selbstständigkeit“ in der Serie zur Frage nach Verfügbarkeit anderer Personen wird. Tiz arbeitet inzwischen in einem Fuβpflegesalon und ringt damit, die Folgen der früheren Entscheidungen zu verarbeiten. Solche Kontraste zwischen scheinbar alltagsnahen Jobs und der dauerhaften Nähe zu eskalierenden Situationen machen „Biester“ besonders anschlussfähig: Der schwarze Humor entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern aus dem Widerspruch, dass Normalität nur so lange funktioniert, wie niemand die Rechnung präsentiert.
Während die jungen Frauen neue Wege suchen, laufen andere Handlungsstränge in der Staffel bereits auf Konflikt hin. Pius und Günter sitzen im Gefängnis, Dorit lebt unfreiwillig mit Sandra im Gemeindebau zusammen, und auch diese räumliche Nähe sorgt für zusätzliche Spannungen. Vero kümmert sich weiterhin um Siegfried Schramberg, doch dessen Tochter Corinna zeigt sich damit alles andere als einverstanden. Daraus ergibt sich ein typischer Staffelmechanismus: Neue Allianzen entstehen nicht aus Zufriedenheit, sondern aus Bedarf – und sie kippen, sobald eine Lüge nicht mehr zu kontrollieren ist. In der Summe erinnert das an ein soziales Ökosystem, in dem jede Entscheidung Rückwirkungen auf mehrere Beziehungen hat, selbst wenn die Figuren zunächst nur ihr unmittelbares Problem lösen wollen.
Für die nächste Eskalationsstufe zeichnet sich bereits ein deutlich unkonventioneller Dreh ab: Ein Plan rund um NFTs und ein Kunstwerk rückt im Verlauf der Staffel in den Mittelpunkt. Für Jenny, Vero, Nelly und Tiz wird das zum möglichen Einstieg in den großen finanziellen Erfolg – gleichzeitig wird aber genau diese Hoffnung zur Gefahr, weil Geheimnisse aufzufliegen drohen. Technisch betrachtet ist die Idee inhaltlich anschlussfähig, weil NFTs als Konzept in vielen Erzählwelten für die Spannung zwischen digitaler Werthypothese und realer Vertrauensfrage stehen: Wer glaubt, dass ein Besitznachweis automatisch Wohlstand garantiert, prallt meist auf menschliche Interessen. In „Biester“ wird daraus weniger ein Lehrstück, sondern eine narrative Falle, in der Gier, Vertrauen und Kontrollverlust in engem Takt laufen.
Auch die Produktionsseite unterstreicht, dass Staffel zwei nicht nur „mehr Folgen“, sondern eine konsequente Weiterentwicklung sein soll. Die Hauptrollen übernehmen Anja Pichler als Jennifer „Jenny“ Tichy, Mara Romei als Vero Amos, Fanni Schneider als Penelope „Nelly“ Sund und Theresa Riess als Tiziana „Tiz“ Sund. Zum weiteren Ensemble zählen unter anderem Ursula Strauss, Simon Schwarz, Claudia Kottal, Aleksandar Petrovic und Wolfgang Hübsch. Autor der Serie ist Uli Brée; Regie bei der zweiten Staffel führt Mirjam Unger. Für Serienfans ist das relevant, weil es die Tonalität prägt: Gerade wenn eine Staffel schwarze Humor-Elemente mit Familiendrama verknüpft, entscheiden Timing, Blickführung und Figurenrhythmus darüber, ob die Sprünge zwischen den Ebenen funktionieren.
Wer sich jetzt für den Start entscheidet, bekommt damit eine Staffel, die unterschiedliche soziale Lebenswelten nicht nur „nebenbei“ zeigt, sondern als Konfliktmotor nutzt. Der Nacht-Marathon bei ONE macht den Einstieg leicht, weil man sich ohne Unterbrechung in die Logik der Figuren hineinversetzen kann; die ARD Mediathek sorgt anschließend dafür, dass auch der zweite Versuch nicht scheitert. Entscheidend wird allerdings weniger, wie schnell man die Folgen sieht, sondern wie konsequent „Biester“ die Spannungsfrage der Staffel zuspitzt: Können die Figuren ihre Pläne so umsetzen, dass sie nicht nur Geld, sondern auch Loyalität gewinnen? Oder kippt genau das, sobald der NFT-Plan mit dem Kunstwerk und den offenen Geheimnissen die Gruppe vollständig unter Druck setzt?
Damit bleibt Staffel zwei vor allem eines: ein Kompositionsversuch aus Tempo und Verstrickung. Die Serie spielt mit Identitäten, mit Abhängigkeiten und mit dem Moment, in dem eine Erzählung nicht mehr kontrollierbar ist. Für viele Zuschauer ist das ein Versprechen, das man nicht bis zum nächsten Ausstrahlungstermin aufschieben muss. Wer „Biester“ bereits kennt, kann die neue Staffel heute ab 21:45 Uhr aktiv begleiten und bekommt anschließend in der Mediathek die Möglichkeit, Details nachzuziehen – besonders dort, wo sich zwischen Lügen und Allianzen wieder neue Hinweise auf den nächsten Schritt verbergen.
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