KLEINMACHNOW / LONDON (IT BOLTWISE) – Mehrere Öko-Anbauverbände haben sich zur gemeinsamen „Taskforce Dürre“ zusammengeschlossen, um Bio-Betriebe bei der Suche nach verfügbarem Futter zu unterstützen. Im Fokus steht die bundesweite, verbandsübergreifende Vermittlung von Bio-Futtermitteln. Besonders Betriebe in Regionen, die stark von der Trockenheit betroffen sind, sollen mit verfügbaren Futterressourcen in Deutschland und Italien zusammengebracht werden. Laut Til Feike vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen kann die Lage für einzelne Betriebe bereits existenziell werden, wenn Wintervorräte verfrühter verfüttert werden.

Die Dürre trifft in der Landwirtschaft nicht nur Pflanzenbestände, sondern direkt die Futterplanung. Genau deshalb haben mehrere Öko-Anbauverbände eine gemeinsame „Taskforce Dürre“ aufgestellt, deren Aufgabe die schnelle Vermittlung von Bio-Futtermitteln zwischen Betrieben sein soll. Der Zusammenschluss umfasst Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, GÄ A, Naturland sowie den Verbund Ö kohö fe. Damit reagieren die Verbände auf eine angespannt beschriebene Futtermittelsituation in Teilen Deutschlands, die durch anhaltende Trockenheit entstanden ist.
Praktisch geht es um eine Art koordinierte „Matchmaking“-Schicht für den Handel innerhalb der Bio-Wertschöpfungskette. Nach Angaben der beteiligten Verbände soll die Vermittlung bundesweit und verbandsübergreifend funktionieren, damit Bio-Betriebe nicht nur regional nach passenden Lieferquellen suchen müssen, sondern auch über den eigenen Verband hinaus. Besonders im Blick stehen Regionen, die laut der aktuellen Lage stärker von der Trockenheit betroffen sind, während andernorts noch verfügbare Futterressourcen vorhanden sein sollen. Ergänzend zur Vermittlung innerhalb Deutschlands wird auch der Transport bzw. die Zusammenführung mit verfügbaren Ressourcen in Italien genannt, damit Futter möglichst schnell dorthin gelangt, wo es unmittelbar gebraucht wird.
Welche Mechanik hinter der Betroffenheit steckt, beschreibt Til Feike vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Kleinmachnow. Er ordnet die Futterknappheit als derzeit vor allem regional ein, betont aber zugleich, dass sie für einzelne Betriebe bereits existenziell werden könne. Entscheidend ist dabei weniger die Frage, ob es irgendwo Futter gibt, sondern wie stabil die Versorgung über den Saisonverlauf abgebildet werden kann. Wenn Extremjahre häufiger auftreten, droht nach Feikes Einschätzung ein struktureller Effekt: Vorräte ließen sich zwischen den Jahren dann nicht mehr ausreichend auffüllen. In der Praxis treffen solche Engpässe besonders Grü nland- und Milchviehbetriebe, weil hier die Futtergrundlage eng mit dem Ertrag der Wiesen und Weiden sowie mit der Kontinuität der Milchproduktion verknüpft ist.
Das Risiko verschärft sich, sobald Betriebe in eine kurzfristige Notfalllogik geraten. Feike warnt vor dem Szenario, in dem bereits jetzt Wintervorräte verfüttert werden, während gleichzeitig Zukauffutter entweder knapp wird oder deutlich teurer ausfällt. Technisch betrachtet bedeutet das für viele Betriebe eine zusätzliche Belastung in der Betriebsplanung: Der Kostenpunkt verschiebt sich von der üblichen Futtererzeugung und -lagerung hin zum Zukauf unter Druck. Gleichzeitig sinkt die Prognosesicherheit, weil sich die Verfügbarkeit am Markt in Dürrephasen häufig regional konzentriert und dadurch weniger Ausweichoptionen bietet. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Taskforce an: Sie will nicht den gesamten Markt „reparieren“, sondern die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass vorhandene Bio-Futtermittel schneller zu denjenigen Betrieben gelangen, die sie in den nächsten Wochen oder Monaten benötigen.
Wirtschaftlich ist die Initiative auch ein Signal dafür, wie stark Wetterextreme inzwischen in die operative Logistik hineinwirken. Für Öko-Betriebe ist das Beschaffungsproblem zudem durch die besonderen Produktions- und Qualitätsanforderungen stärker geprägt als in konventionellen Versorgungsketten. Während im Massenmarkt häufig breite Lieferanten- und Futtermitteloptionen existieren, müssen Öko-Höfe auf passende Bio-Qualitäten achten und können nicht beliebig substituieren. Ein verbandsübergreifendes Vorgehen kann hier die Transaktionskosten senken: statt vieler Einzelanfragen entsteht ein zentral koordiniertes Vorgehen, das Informationen über verfügbare Ressourcen sammelt und gezielter weiterleitet.
Für die Branche bleibt die Kernfrage, wie nachhaltig solche Ausgleichsmechanismen wirken, wenn Trockenphasen wiederholt auftreten. Die Taskforce adressiert die aktuelle Lücke über die Vermittlung zwischen Regionen, aber die strukturelle Herausforderung liegt laut Feike darin, dass sich Vorräte bei häufiger werdenden Extremjahren nicht mehr in ausreichendem Maß „auffüllen“ lassen. Das legt nahe, dass neben kurzfristiger Verteilung auch der Umgang mit Risiko und Resilienz in der gesamten Bio-Futterstrategie stärker in den Vordergrund rückt: Dazu gehören Fragen der Flächenstabilität, der Ertrags- und Lagerplanung sowie der Fähigkeit, auf Engpässe in der Saison rasch zu reagieren. Bis die Versorgungslage sich entspannt, dürfte jedoch die Geschwindigkeit der Vermittlung der entscheidende Faktor sein, um die Existenz einzelner Betriebe nicht weiter zu gefährden. Und genau deshalb ist die „Taskforce Dürre“ als koordinierender Hebel für die kommenden Wochen gedacht.
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