LONDON (IT BOLTWISE) – Der umstrittene BIP-110-Fork kam nach Angaben aus dem Netzwerk praktisch ohne Rückhalt der großen Miner-Pools aus und brachte in acht Stunden nur zwei neue Blöcke hervor. Parallel ringen Spot-Bitcoin-ETFs zwar mit einem starken Wochen-Zwischenergebnis, der Nachfragepeak flaute aber zum Wochenende spürbar ab. Beim Kurs bleibt die Lage eng: Bitcoin pendelt im Bereich von rund 63.600 bis 65.250 Dollar und wartet auf einen Ausbruch mit Volumen. Entscheidend wird zudem, wie sich die nächste Woche nach den US-Konjunkturdaten entwickelt und ob Coldcard-Vorfälle die Stimmung weiter belasten.

Am Wochenende prallten zwei Entwicklungen aufeinander, die beide nach Richtung suchen, aber keine liefert: Ein vorgeschobener Technikversuch im Bitcoin-Ökosystem und eine Marktphase, die trotz ETF-Geldzufluss zäh bleibt. Der BIP-110-Fork, der eine Einschränkung bestimmter Nicht-Zahlungsdaten in Bitcoin-Transaktionen vorsah, schaffte es nach dem kurzen Testfenster von acht Stunden lediglich auf zwei neue Blöcke, während die Bitcoin-Hauptkette im selben Zeitraum 48 Blöcke produzierte. Das Signal ist weniger ein dramatischer Bruch als eine deutliche Feststellung: Ohne breite Zustimmung im Mining-Umfeld entsteht keine tragfähige alternative Kette.
Technisch lässt sich der Misserfolg an der nötigen Aktivierung ablesen. Für die BIP-110-Initiative wäre eine Zustimmung von 55 Prozent der geschürften Blöcke erforderlich gewesen; tatsächlich lag die Unterstützung in der entscheidenden Phase bei nur 2,53 Prozent der Miner. Besonders relevant ist dabei, dass die Abspaltung faktisch ohne Rückhalt der großen Mining-Pools blieb. Dadurch übernimmt zwar die Minderheitskette die Mining-Schwierigkeit der Hauptkette, aber sie kann kaum zusätzliche Rechenleistung mobilisieren. Das hat Folgen für die Zeitachse: Bei dem aktuellen Tempo ist die nächste Schwierigkeitsanpassung erst nach rund 350 Tagen zu erwarten, was die wenig robuste Kette weiter verlangsamt.
Für Anleger und Wallet-Betreiber entsteht daraus ein zusätzliches Risiko, das weniger mit dem „Fork-Gedanken“ als mit der Mechanik dahinter zu tun hat: Da beide Ketten derzeit identische Transaktionen akzeptieren, steigt die Wahrscheinlichkeit von Replay-Angriffen. Wer abgespaltene Coins verkaufen will, könnte ungewollt Transaktionen auslösen, die auch die eigentlichen Bitcoin-Bestände betreffen. Damit bleibt der technische Konflikt ungelöst und wandert in die Praxis: Erst wenn sich ein verlässliches Regelwerk und ein konsistenter Netzwerkzustand durchsetzen, reduziert sich das Risiko für Nutzer messbar.
Während die Blockchain also in eine Art technisches Wartestadium rutscht, arbeitet der Markt parallel an einer neuen Tagesordnung. Bitcoin notierte am Sonntagmorgen bei 64.800,90 Dollar und verlor damit innerhalb von 24 Stunden 0,28 Prozent. Charttechnisch bewegt sich der Kurs weiterhin in einer engen Entscheidungszone zwischen rund 63.600 und 65.250 Dollar. Ein Ausbruch nach oben mit Volumen könnte die seit Tagen beobachtete Seitwärtsphase beenden. Umgekehrt würde ein Bruch der 200er-Durchschnittslinie bei etwa 63.600 Dollar die jüngste Erholung infrage stellen und die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Abwärtsrotation erhöhen.
Bei den Spot-Bitcoin-ETFs zeigt sich derweil ein zweigeteilter Blick: Die vergangenen Wochenströme waren stark, aber der Wochenausklang wirkt gedämpft. Insgesamt zogen die US-Spot-ETFs für Bitcoin und Ether in der vergangenen Woche zusammen 1,1 Milliarden Dollar an, der stärkste Wert seit April. Auf Bitcoin bezogen sammelten die Fonds an fünf aufeinanderfolgenden Handelstagen bis Freitag 853,5 Millionen Dollar ein; angeführt wurde das von BlackRocks IBIT mit 693,7 Millionen Dollar, Fidelitys FBTC steuerte weitere 116,4 Millionen Dollar bei. Zum Wochenende hin ließ die Nachfrage jedoch spürbar nach: Das ETF-Handelsvolumen fiel um 9 Prozent auf 8,19 Milliarden Dollar, der zweitniedrigste Wochenwert seit Oktober 2024. Seit Jahresbeginn stehen die Bitcoin-Fonds zudem mit rund 4,44 Milliarden Dollar Nettoabflüssen weiterhin im Minus.
Für die kommende Woche verdichtet sich damit die Frage nach dem nächsten Impuls gleich an mehreren Fronten. Aus Marktsicht dürfte die ETF-Nachfrage nicht isoliert betrachtet werden, sondern auf die Reaktion auf die anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten treffen: Die Zahl der Beschäftigten sank um 23.000 statt wie erwartet um 80.000 zu steigen, und genau das drückte die Stimmung. Daneben spielt das Thema Sicherheit eine Rolle, weil die anhaltenden Coldcard-Diebstähle den Risikoappetit der Marktteilnehmer tangieren können; der Gesamtschaden soll laut Galaxy Research bereits über 111 Millionen Dollar liegen. So bleibt der BIP-110-Fork zwar kurzfristig folgenlos, aber nicht bedeutungslos: Er verdeutlicht, wie schwer es ist, Netzwerkregeln ohne Mehrheit durchzusetzen – während gleichzeitig der Kapitalmarkt jede Schwäche im Makro-Umfeld und jede Sicherheitsmeldung sofort in die kurzfristige Preisbildung übersetzt.
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